Gereift für die Insel: Weine, die nicht jeder kennt

Das »Capofaro Malvasia & Resort« auf der Insel Salina liegt inmitten von Weingärten. Hier entsteht einer der besten Süßweine Italiens.

© Alessandro Moggi

Das »Capofaro Malvasia & Resort« auf der Insel Salina liegt inmitten von Weingärten. Hier entsteht einer der besten Süßweine Italiens.

Das »Capofaro Malvasia & Resort« auf der Insel Salina liegt inmitten von Weingärten. Hier entsteht einer der besten Süßweine Italiens.

© Alessandro Moggi

Salina, eine der Äolischen Inseln nördlich von Sizilien. Im Hafen des kleinen Ortes Santa Marina legt gerade eine Fähre aus Palermo an. Eine Gruppe von Urlaubern macht sich auf den Weg in das einige Kilometer entfernte Luxushotel »Capofaro Malvasia & Resort«. Die Lage der im äolischen Stil errichteten Hotelanlage ist traumhaft. Im Rücken ein Berg, ein erloschener Vulkan, vorne das blaue Meer, dazwischen ein Pool, rundherum Malvasia-Rebstöcke. Hier entsteht einer der besten Süßweine Italiens.

Neben den beiden großen Inseln, Sizilien und Sardinien, gibt es in Italien noch eine Vielzahl an kleineren Inseln, auf denen Weinbau betrieben wird. Manchmal sind das nur wenige Tausend Meter wie auf Ponza oder Procida. Oft sind es aber auch bedeutend mehr Weingärten wie auf Elba oder Pantelleria südlich von Sizilien. Die Weinbautradition auf den italienischen Inseln ist viele Jahrtausende alt. Durch ihre Abgeschiedenheit haben sich eigenständige Rebsorten erhalten, die eng mit dem Charakter der Inselweine verbunden sind. Das gilt für den Moscato auf Pantelleria und für den Aleatico auf Elba genauso wie für den Malvasia auf Lipari und Salina, den Ansonica auf Giglio, den Greco auf Capri oder den Biancolella und den Piedirosso auf Ischia.

Weinbau unter extremen Bedingungen

Weinbau auf den kleinen Inseln heißt Weinbau unter extremen Bedingungen. Einige der Inseln verfügen über keine Süßwasserquellen – wie etwa Pantelleria oder Salina. Wasser wird dort mit Schiffen herbeigeschafft. Die fruchtbaren Böden sind meist knapp, auf vielen Inseln hat sich daher der Weinbau auf Steinterrassen entwickelt, da so mehr Stöcke am Hektar gepflanzt werden können. Eine besondere Spezialität der Inseln sind die Süßweine. Dafür werden die Trauben für längere Zeit zumeist unter offenem Himmel getrocknet, bis sie sehr hohe Zuckerkonzen­tration erreichen und dann als Strohwein weiterverarbeitet werden.

Weinbau auf den Inseln ist hart und anstrengend. Die Transportkosten sind höher als auf dem Festland. »Es ist ein ständiger Überlebenskampf«, sagt Stefano Teofili, ein Weinmacher auf der Insel Capraia, »diese Regionen sind faszinierend, aber man braucht schon viel Enthusiasmus.«

500 Meter über dem Meer bauen die Brüder D'Ambra ihren Wein an.
500 Meter über dem Meer bauen die Brüder D'Ambra ihren Wein an.

Foto beigestellt

Ischia

Ischia – viele fahren wegen der Schlammbäder dorthin. Köstlicher Wein von der Insel versüßt dabei das Kuren. Weinbau auf Ischia ist Weinbau in Steillagen. Mit herkömmlichem Gerät kann da nicht mehr gearbeitet werden.

Die Lage Frassitelli – eine Steillage, fünfhundert Meter über dem Meer, die sich im Besitz der Gebrüder D’Ambra befindet –, ist nur über eine Einschienenbahn erreichbar, so wie das im Wallis oder in den Cinque Terre zum Teil der Fall ist. Das ist Bergweinbau am Meer. D’Ambra ist der herausragende Erzeuger auf Ischia. Über zehn verschiedene Weine kommen aus dessen Kellerei, vorwiegend Weißweine. Der Biancolella Frassitelli ist dabei ein ganz besonderer Tropfen. Die Geschwister Muratori, die Weingüter in der Franciacorta und bei Suvereto an der toskanischen Küste besitzen, sind seit Beginn des Jahrtausends auch auf Ischia mit einem eigenen Weingut präsent: Giardini Arimei. Der Top-Wein trägt den gleichen Namen wie das Weingut selbst und entsteht aus überreif gelesenen Trauben der Sorten Biancolella, Forastera, ­Rilla, San Lunardo und Coglionara. Ein vorzüglicher Wein zu gereiftem, würzigem Käse.

Auch auf der bekannten Ferieninsel Capri wird Wein angebaut.
Auch auf der bekannten Ferieninsel Capri wird Wein angebaut.

© Shutterstock

Capri

Capri ist nicht nur eine der bekanntesten Ferieninseln Italiens, auf Capri wird auch Wein angebaut. Das Weingut »Joaquin« aus Kampanien produziert auf Capri vier Weine aus den Sorten Greco, Falanghina und Biancolella. Den beachtlich hohen Preis der Flaschen erklärt Joaquin-Chef Raffaele Pagano so: »Wir produzieren nur ganz geringe Mengen und die Arbeit in den meist zum Meer abfallenden Terrassen-Weingärten ist extrem aufwendig.«

Auf der Insel Lipari findet man haupt­sächlich Malvasia.
Auf der Insel Lipari findet man haupt­sächlich Malvasia.

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Lipari

Lipari ist die größte der Äolischen Inseln nördlich von Sizilien. Der traditionelle Weinbau wurde dort in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts aufgelassen. Dem aus Bergamo stammenden Massimo Lentsch, dessen Vorfahren aus Österreich stammten, ist es zu verdanken, dass es auf Lipari wieder Weinbau gibt. Unter Mithilfe von Salvo Foti, einem bekannten Weinbauberater, der vorwiegend am Ätna tätig ist, wurden geeignete Lagen ausfindig gemacht und seit 2007 über die ganze Insel verteilt Weinberge angelegt. Die Böden auf Lipari sind sandig, enthalten Bimsstein und viele Mineralien, ideal für den Weinbau. Erzeugt werden derzeit zwei Weine, der weiße Bianco Pomice und der rote Nero Ossidiana.

Das Weingut Firriato liegt auf der Insel Favignana, nur wenige Kilometer von Sizilien entfernt.
Das Weingut Firriato liegt auf der Insel Favignana, nur wenige Kilometer von Sizilien entfernt.

© firritato.it

Favignana

Favignana zählt zu den Ägadischen Inseln und ist Sizilien nordwestlich vorgelagert. Vinzia Novara und Salvatore Di Gaetano betreiben das bekannte Weingut Firriato in Trapani. Von ihrem Haus blicken sie direkt nach Favignana, das nur wenige Kilometer von Sizilien entfernt liegt. Beginnend mit 2008 legten sie im flachen Teil der Insel knapp fünf Hektar neue Weingärten an. So entstand die Tenuta Calamoni. Erzeugt werden zwei Weine: der rote »Le Sciabiche« aus Perricone und Nero d’Abola und der weiße »La Muciara« aus Grillo, Catarratto und Zibibbo.

Das Weingut Coste  Ghirlanda erzeugt spannende trockene Zibibbo.
Das Weingut Coste Ghirlanda erzeugt spannende trockene Zibibbo.

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Pantelleria

Pantelleria liegt südlich von Sizilien, gehört geologisch schon zu Afrika und liegt näher an Tunesien als an Sizilien. Pantelleria ist geprägt von schwarzem Lavastein, Meer und Wind – viel Wind. Er führt dazu, dass Bäume und Sträucher selten höher werden als einen Meter, danach entwickeln sie sich in der Horizontalen.

Dem Wind ist auch der bekannteste Wein der Insel gewidmet: Ben Ryé von Donnafugata. Ben Ryé heißt Kind des Windes und ist ein Moscato passito di Pantelleria. Rund 95 Prozent der knapp 1.200 Hektar Weinberge auf Pantelleria sind mit Moscato bestockt, der hier Zibibbo genannt wird. Zumeist sind es knorrige, alte Weinstöcke, die im steinigen Boden stehen. Nach der Lese werden die Trauben drei bis vier Wochen in der Sonne getrocknet und danach vergoren. Das Ergebnis ist ein einzig­artiger Wein, dicht und süß, mit Noten von getrockneten Feigen, Datteln, Aprikosen und leicht harzigen Komponenten.

Einer der ersten, der den süßen Strohwein von Pantelleria über die Grenzen Siziliens hinaus bekannt machte, war Marco De Bartoli. Der streitbare Verfechter konsequent trockener Marsala hatte erstmals in den 1980er-Jahren auch auf Pantelleria einen eigenen Wein erzeugt. Er nannte ihn Bukkuram. 

Auch Salvatore Murana ist Pantesco – so nennen sich die Bewohner der Insel – durch und durch. Keller und Weingut seines Betriebes liegen auf der Ostseite der Insel. Neben einem duftigen, trocken ausgebauten Moscato, den er »Gadì« nennt, erzeugt Murana gleich drei Passiti. Der »Mueggen« ist von klarem Duft, der »Khamma« ist konzentrierter und entfaltet die typischen Aromen nach getrockneten Früchten.

Der dritte heißt »Martingana« und kommt aus Weingärten ganz im Süden der Insel. Er ist üppig, baut sich am Gaumen mächtig auf und kleidet den Mund satt mit einem Feuerwerk an Aromen aus.
Die Römerin Giulia Pazienza Gelmetti erzeugt auf der Insel unter dem Namen Coste Ghirlanda drei verschiedene Zibibbo-Weine: zwei trockene, den »Jardinu« und den Lagenwein »Silenzio«, sowie den »Passito Alcova«. Vor allem der Silenzio zeigt, dass auch trockener Zibibbo ansprechend und spannend sein kann. Zum Weingut gehört ein feines Hotel.

Der bekannteste Moscato Passito di Pantelleria kommt allerdings von Donnafugata und heißt Ben Ryé. Bewusst legt Antonio Rallo, der das Projekt Pantelleria leitet, Wert darauf, dass sein Wein weniger oxidative Noten aufweist als andere Süßweine der Insel. Donnafugata ist einer der größten und wichtigsten Weinbaubetriebe in Sizilien. 1989 kaufte die Familie Rallo auf Pantelleria erste Weingärten. Mittlerweile ist Donnafugata hier der größte Weinproduzent. Dennoch: »Das Wichtigste ist immer noch die Handarbeit«, sagt Rallo, »nur so entsteht ein einzigartiger, unvergleichlicher Wein.«

Verkostungsnotizen: Best of Inselweine

Die ganze Geschichte mit allen Tipps der insgesamt elf Wein-Inseln Italiens finden Sie im aktuellen Falstaff-Magazin!

Aus dem Falstaff-Magazin 5/2016.

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