Gelungene Mischung: Der Jägerball-Wein 2020

Vor den Weinrieden am Nussberg im Norden von Wien eröffnet sich das gesamte Panorama der Donaumetropole.

© Philipp Horak

Vor den Weinrieden am Nussberg im Norden von Wien eröffnet sich das gesamte Panorama der Donaumetropole.

Vor den Weinrieden am Nussberg im Norden von Wien eröffnet sich das gesamte Panorama der Donaumetropole.

© Philipp Horak

Von der Anhöhe des bekanntesten Weinbergs von Wien, dem Nussberg, blicken wir über das Panorama der Donaumetropole hinweg. Von der Donau zur Linken ziehen sich die Rebberge in einem Bogen Richtung Westen durch den 19. Bezirk. Drei Stockwerke hoch ist der Nussberg, so sagen die Wiener, und tatsächlich ist er weithin sichtbar in drei Geschoße geteilt: die »Untere«, die »Mittlere« und die »Obere Schos«. Hier reifen die Reben in noblen Sonnenlogen, die bekanntesten Rieden tragen klingende Namen wie Preussen, Langteufel oder Gollin.

Gerhard Lobner ist der Leiter der Weinbaubetriebe Mayer am Pfarrplatz und Rotes Haus, die beide dem Unternehmer Hans Schmid gehören. »In unserem Betrieb gibt es klare Schwerpunkte: zum einen das Bekenntnis zum Wiener Gemischten Satz DAC als unumstößliches Fundament der Wiener Weinidentität und zum anderen den Riesling, der unsere wertvollsten Weine mit internationalem Anspruch bringt.« Die Weine dafür stammen von den besten Rieden Wiens: dem Nussberg und der Alsegger Riede. Sie repräsentieren durch ihre elegante Fruchtaromatik, Balance und Mineralik den Charakter der Wiener Spitzenlagen.

Der Gemischte Satz ist der Klassiker im vielfältigen Sortiment. Auf Basis von Grünem Veltliner und Riesling sowie Rotgipfler und Zierfandler, die gemeinsam gelesen und verarbeitet werden, keltert Mayer am Pfarrplatz den traditionellen Wiener Gemischten Satz. Beim Riesling arbeitet man die feinen Geschmacks­nuancen des Nussbergs und der Alsegger Riede heraus. Grüner Veltliner, Sauvignon Blanc und Gelber Muskateller runden das Weißweinprogramm ab. Als Rotwein offeriert das Weingut Mayer am Pfarrplatz auch einen eleganten Blauen Burgunder.

Hans Schmid hat den Mayer am Pfarrplatz zum internationalen Player in der Weinszene gemacht.

Hans Schmid hat den Mayer am Pfarrplatz zum internationalen Player in der Weinszene gemacht.

© Ian Ehm | Verlagsgruppe News | picturedesk.com

Schönster Ausblick Wiens

Im Jahr 2001 erwarb der Unternehmer Hans Schmid eher aus einer Laune heraus das Rote Haus am Nussberg und damit den wahrscheinlich schönsten Ausblick Wiens und einen 1,7 Hektar großen Weingarten. Heute, 19 Jahre später, zählt Hans Schmid zu den erfolgreichsten Weinerzeugern Österreichs und ist mit 74 Hektar Toplagen im 19. Bezirk und am Nussberg sowie acht Hektar in der Einzellage Alsegg im 17. Bezirk ein Gigant unter den Wiener Weinmachern. Bei seinem Engagement als önologischer Quereinsteiger war ihm jedenfalls von Anfang an klar, dass er die Rebflächen am Nussberg zuerst etwas ausweiten musste, um in eine vernünftige Vermarktung zu investieren. Zunächst wurden die Weine für das neue Weinlabel Rotes Haus in Kooperation mit einem bekannten Winzer in Stammersdorf erzeugt.

Da aber auch dieser Kollege Interesse an den Toplagen am Nussberg erkennen ließ, entschied sich Hans Schmid, die Winzerlegende Franz Mayer in Heiligenstadt aufzusuchen, um ihn für die Idee zu gewinnen, die Weingärten des Roten Hauses mitzubewirtschaften und den Wein zu machen. Doch der betagte Doyen des Wiener Weins, der sich jahrzehntelang Qualität auf seine Fahnen geschrieben hatte, überraschte Schmid seinerseits mit einem Angebot. Er bot seinen ganzen eigenen Betrieb an: das altehrwürdige Weingut und alle Lagen. Und Schmid griff zu.

So entstanden auch unter der Führung von Gerhard J. Lobner mit Rotes Haus und Mayer am Pfarrplatz zwei gleichrangige, aber stilistisch durchaus unterschiedliche Weinlinien. Erstere präsentiert stoffige, langlebige Weine, während die Mayer-Linie fruchtbetonte, frische Nuancen mit klarem Terroirbezug zur Geltung bringt.

Unverfälschte Heurigenkultur

Schauplatzwechsel hinunter in den einstigen Wiener Vorort Heiligenstadt. Am beschaulich-biedermeierlichen Pfarrplatz findet der Besucher gleich zwei gastronomische Oasen, die eng mit dem Wein verbunden sind. Auf Hausnummer 2 ist der Eingang zur Heurigenlegende »Mayer am Pfarrplatz«. Ebenda suchte der weltberühmte Komponist Ludwig van Beethoven bereits Zuflucht vor dem hektischen Treiben der Donaumetropole und bezog hier im Jahre 1817 eine Wohnung, wo er an seinem wohl berühmtesten Werk, der 9. Sinfonie, arbeitete, und so manches gutes Glaserl Nussberger wird er sicher auch genossen haben.

Von 1683 an wurde in dem heute längst denkmalgeschützten Ensemble Wein aus besten Rieden gekeltert und in den gemütlichen Räumlichkeiten und im sonnigen Gastgarten von Liebhabern gewürdigt. So wurde der Mayer am Pfarrplatz selbst das, was man in Wien eine »Institution« nennt, und er ist es auch nach dem Ableben von Franz Mayer dank der umsich­tigen Führung des neuen Hausherrn Hans Schmid und seines engagierten Teams bis zum heutigen Tag geblieben. Da ist es selbstverständlich, dass der »Mayer am Pfarrplatz« auch ganz offiziell als einer von nur vierzehn Top-Heurigen in Wien ausgezeichnet wurde. Wer also unverfälschte Wiener Heurigenkultur auf höchstem Niveau genießen will, der sollte das Beet­hovenhaus an einem Freitagabend besuchen, denn da gibt es traditionell nicht nur die besten Weine der Stadt im Glas, sondern auch Original Wiener Heurigenmusik – live gespielt und in wechselnden Besetzungen, versteht sich.

Wer statt ausgesuchten saisonalen Produkten vom Heurigenbuffet eher die klassische Wiener Gasthausidylle sucht, ist nur wenige Schritte weiter bestens aufgehoben. Am Pfarrplatz Nummer 5 erwartet das »älteste Restaurant Wiens«, der »Pfarrwirt«, seine Gäste. Der alte Berghof, dessen Baugeschichte bis in das 10. Jahrhundert zurückreicht, wurde schon im 19. Jahrhundert von der Familie Mayer gastronomisch genützt. Unter dem Namen »Zur schönen Aussicht« gab es damals in Ergänzung zum Wein für Ausflügler schon Kaffee und Kuchen. Heute wird in den stilvoll adaptierten Räumen klassische Wiener Küche von Tafelspitz bis Wiener Schnitzel geboten. Dazu reicht Gastgeber Rainer Husar gerne die feinen Weinpaletten der beiden haus­eigenen Weingüter Mayer am Pfarrplatz und Rotes Haus – natürlich auch als glasweises Angebot. Hier taucht man schließlich vollends ein in die Harmonie des guten Geschmacks, orchestriert mit mineralischen Tönen von Rieslingnuancen und den fruchtigen Noten des Wiener Gemischten Satzes, während vom nahen Beethovenhaus eine Klaviersonate die Abendluft leise zum Klingen bringt.


Jägerballwein 2020

2019 Wiener Gemischter Satz DAC – Weingut Mayer am Pfarrplatz, Wien

Foto beigestellt

2019 Wiener Gemischter Satz DAC – Weingut Mayer am Pfarrplatz, Wien
ZUR VERKOSTUNGSNOTIZ


Anmerkung: Für einen Wiener Gemischten Satz DAC müssen die Trauben von mindestens drei weißen Qualitätsweinrebsorten in einem einzelnen Weingarten gewachsen sein und gleichzeitig geerntet und verarbeitet werden. Dabei darf keine einzelne Sorte einen Anteil haben, der 50 Prozent überschreitet, und der drittgrößte Anteil muss zumindest 10 Prozent betragen. Dieser herkunftsgeschützte DAC-Wein wird seit dem Jahrgang 2013 erzeugt.

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