Lebensmittel sind für Johannes Lingenhel »Mittel zum Leben« / © Pöhl am Naschmarkt
Lebensmittel sind für Johannes Lingenhel »Mittel zum Leben« / © Pöhl am Naschmarkt

Der Wiener Naschmarkt ist der größte und wohl auch bekannteste der insgesamt 21 Wiener Märkte. Zwischen Obst und Gemüse, Fleischspezialitäten und frischem Fisch findet sich auch der Spezialitätenstand »Pöhl am Naschmarkt«, wo Feinschmecker ausgewählte Köstlichkeiten aus aller Welt kosten und kaufen können. Im Gespräch erzählt Johannes Lingenhel, Geschäftsführer und Einkäufer des Feinkostparadebetriebs, aus seinem Arbeitsalltag als Marktstandler und über seine Leidenschaft für Lebensmittel. 

Wie lange betreiben Sie schon Ihren Marktstand?
Das Geschäft »Pöhl am Naschmarkt« gibt es seit 1994!

Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf am besten?
Die Vision, die wir – Christian Pöhl und ich – damals hatten, war eine sehr einfache. Es galt und gilt, die besten Produkte aus Italien, Frankreich, Spanien, der Schweiz und Österreich zusammenzutragen und diese in einem feinen und kleinen Ambiente anzubieten. Mit Lebensmitteln – oder anders gesagt mit »Mitteln zum Leben« – zu arbeiten, ist eine spannende Aufgabe, da sich jedes Produkt fast täglich verändert. Unsere Produzenten stellen ihre Produkte nach traditionellen und handwerklichen Methoden her. Dieses Wissen weiter zu geben, ist eine fantastische Aufgabe.

Seit bald 20 Jahren ist »Pöhl am Naschmarkt« Anlaufstelle in Sachen feiner Lebensmittel / © Pöhl am Naschmarkt
Seit bald 20 Jahren ist »Pöhl am Naschmarkt« Anlaufstelle in Sachen feiner Lebensmittel / © Pöhl am Naschmarkt


Seit bald 20 Jahren ist »Pöhl am Naschmarkt« Anlaufstelle in Sachen feiner Lebensmittel / © Pöhl am Naschmarkt

Und was mögen Sie weniger?
Es gibt bei jeder Arbeit natürlich Tätigkeiten und Aufgaben, die nicht so prickelnd sind. Die Arbeiten im Hintergrund werden immer mehr und bürokratischer.

Welches Ihrer Produkte ist im Moment am gefragtesten?
Unsere Selektion an diversen Rohschinken ist zur Zeit sehr gefragt. Besonders gilt es hier die Reserva aus San Daniele hervorzuheben. Dieser Prosciutto kommt von einer kleinen Prosciutteria aus San Daniele, die ausschließlich Schinken herstellt, und ist doppelt so lang gereift wie die Standards in Italien. Dadurch bekommt er eine unglaubliche Milde und Zartheit! Auf dem Gebiet des Käses ist sicherlich einer unserer Highlights die Torta de Oveja – ein spanischer Schafkäse aus Kastillien und Leon, der mit Distellab hergestellt wird und dadurch unglaublich cremig ist.

Rohschinken werden von den Kunden immer häufiger nachgefragt / Foto: Pöhl am Naschmarkt
Rohschinken werden von den Kunden immer häufiger nachgefragt / Foto: Pöhl am Naschmarkt


Rohschinken werden von den Kunden immer häufiger nachgefragt / Foto: Pöhl am Naschmarkt

Warum soll man bei Ihnen einkaufen und nicht im Supermarkt?
Die Großfläche erfüllt eine wichtige Aufgabe im Lebensmittelsektor. Bei uns steht aber das Service am Kunden und das Produktwissen im Vordergrund. Geschulte Mitarbeiter sind ein Muss! Durch unser Fachwissen können wir auf die Bedürfnisse unserer Kunden/innen eingehen, um genau das Richtige für den jeweiligen Geschmack oder Anlass zu empfehlen. Ein Käse ist einfach am besten, wenn er am Punkt gereift ist!

Bei welchen Ihrer Kollegen kaufen Sie selbst ein?
Es gibt eine Vielzahl an Kollegen und Kolleginnen am Naschmarkt, bei denen ich meine Einkäufe tätige. Zum Beispiel bekomme ich bei Martina Himmelsbach immer perfektes Obst und Gemüse, beim Fisch Gruber finde ich Raritäten wie Wildbranzino, beim Urbanek kaufe ich erlesene Weine, in der Palatschinkenkuchl werde ich immer wieder mit den flaumigsten Palatschinken verwöhnt , im Käseland ist die Selektion an österreichischen Käse hervorragend,… um nur ein paar wenige aufzuzählen!

Was würden Sie verwöhnten Feinschmeckern am Markt empfehlen?
Grundsätzlich finde ich es spannend, sich über den Naschmarkt treiben zu lassen und die unglaubliche Vielzahl an Produkten aus der ganzen Welt zu genießen. Geleitet von dem Motto »der Plan ist, dass wir keinen Plan haben«, lassen sich die hervorragendsten Speisen auf den Teller zaubern. Beginnen Sie Ihr Treiben am Markt mit einem Glaserl Prosecco und genießen Sie die Kombination aus Gastronomie und Handel!


Zu den Themen Trends und Zukunftspotenzial stellte Alexander Hengl, Sprecher des Wiener Marktamts, Rede und Antwort.

Wie könnte man mehr KundInnen zu den Märkten bringen?
Auf den Märkten können wir auf eine positive BesucherInnenfrequenz hinweisen. Heute haben wir um rund 20.000 BesucherInnen pro Woche mehr als vor fünf Jahren, Tendenz weiter steigend. Es wird für KundInnen wieder wichtiger, ein persönliches Gespräch zu führen, offene Ware zu kaufen und vielleicht ein paar Kochtipps mitzubekommen. Darauf müssen sich noch mehr MarktstandlerInnen spezialisieren. Außerdem sind Aktivitäten auf Märkten sehr gefragt. Seien das jetzt Marktfeste oder Kleinveranstaltungen, Märkte müssen dadurch im Gerede bleiben.

Welche Trends konnten Sie zuletzt am Markt beobachten?
Auf den Märkten ist es mittlerweile zu wenig, bloß Lebensmittel zu verkaufen. Ein Marktstand, welcher »nur« Obst und Gemüse verkauft wird auf Dauer nicht bestehen können. Es sind die Zusatzleistungen, die nunmehr das Marktbild prägen. Bei einem Gemüsestand werden auch frisch gepresste Säfte angeboten. Bei einem Fleischer kann man auch einen kleinen Imbiss einnehmen. Die Kundschaft will bei einem Marktbummel etwas erleben und die Lebensmittel gleich vor Ort kosten können. Somit müssen sämtliche MarktstandlerInnen auch verzehrfertige kleine Speisen aus ihrem Warensortiment anbieten.

Was hätten Sie gerne am Markt verbessert?
ProduzentInnen könnten es auf den Märkten immer mehr sein. Derzeit sind unsere Bauernmärkte stark auf Freitag und Samstag beschränkt und auch an diesen Tagen haben wir noch Platz für einzelne Betriebe. Gerade in Wien gibt es wenig ProduzentInnen bei welchen man direkt einkaufen kann. Damit Produkte trotzdem direkt von der Erzeugung gekauft werden können, geht man auf den Markt – das war ja die ursprüngliche Idee der Märkte. Eine Freifläche kostet pro Quadratmeter und Tag rund einen Euro. Wir versuchen weitere ProduzentInnen anzulocken damit das saisonale und regionale Warenangebot noch bunter und reichhaltiger wird.
 

Weitere Informationen rund um die Wiener Märkte finden Sie im Internet auf: marktamt.wien.at

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