Gastronomie-Öffnung: Zeit, Perspektiven zu geben

Noch länger geschlossen? Für die Gastronomie braucht es klare Ansagen der Politik.

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Noch länger geschlossen? Für die Gastronomie braucht es klare Ansagen der Politik.

Noch länger geschlossen? Für die Gastronomie braucht es klare Ansagen der Politik.

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Mittlerweile ist der Frust unter vielen Gastronomen in Österreich groß. Ob Restaurant, Gasthaus, Café oder Bar – die seit Monaten bestehenden Betretungsverbote der Betriebe sind vorerst bis 25. April 2021 gültig. Damit geht aber nicht automatisch eine Planungssicherheit einher. Bereits mehrmals in der Vergangenheit wurden die Gastronomen in den Pressekonferenzen der Bundesregierung um weitere Wochen im Lockdown vertröstet. »Wir als Wirte in Österreich stellen uns schon lange die Frage, warum es in großen Einkaufszentren und Möbelhäusern möglich ist, sich aufzuhalten und bei uns in den Lokalen, in denen es sogar gesitteter und auch disziplinierter abliefe, ist nach wie vor ein Stop«, kritisieren Andreas und Andrea Kaiblinger.

Die Gastronomen führen in Salzburg das Restaurant »Esszimmer«, das seit 2004 im Stadtteil Mülln besteht und seit 2. November 2020 zur Eindämmung des Corona-Virus für Gäste geschlossen ist. Abholung und Zustelldienste sind zwar seitdem erlaubt, aber keine relevante Alternative zum Tagesgeschäft. »Wir Gastgeber sind eine der Leidtragenden des Lockdowns«, bekräftigt  Andreas Kaiblinger und plädiert an die Bevölkerung, die Abstandsregelungen und die täglichen Hygiene-Empfehlungen mitzutragen, die derzeit seinem Empfinden nach von wenigen im sichtbaren Raum eingehalten würden. »Es leiden diejenigen, die keinen Einfluss auf das Verhalten aller haben.«

»Wir Gastgeber sind eine der Leidtragenden des Lockdowns.«
Andreas Kaiblinger, Inhaber »Esszimmer« Salzburg

Welchen Einfluss Gaststätten bei der Ansteckung von Personen mit dem Corona-Virus haben, darüber liegen Daten mit teils weit auseinander klaffenden Ergebnissen vor. Eine Studie des deutschen Robert-Koch-Instituts schreibt den gastronomischen Betrieben eine marginale Rolle zu, eine Erhebung der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC hingegen sieht im Essen außer Haus einen gewissen Risikofaktor für eine Infektion.

Ausschlaggebend für die Rolle der Gastronomie bei der Verbreitung des Corona-Virus dürfte aber auch die Lokalität an sich sein: Nicht alle Betriebe sollten über einen gemeinsamen Kamm geschert werden. »Natürlich möchte keiner von uns die Verantwortung für die Bevölkerung übernehmen – dennoch hat man gesehen, dass die seit einem Jahr geltenden Maßnahmen nicht wirklich zielführend sind«, gibt Andrea Kaiblinger zu bedenken. Wäre es also Zeit, sich mit konkreten Maßnahmen auseinanderzusetzen, die ein sicheres und nachhaltiges Öffnen der Gastronomie-Betriebe ermöglichen? Ja, wenn es nach den Salzburger Gastwirten geht.

Andrea und Andreas Kaiblinger aus dem Salzburger »Esszimmer«.

© BlowUp

Es braucht individuelle Konzepte

Österreichs Nachbarland macht es regional vor: An Orten mit einer Inzidenz unter 100 darf in Rheinland-Pfalz seit 22. März die Außen-Gastronomie öffnen, unter strengen Auflagen. Maximal zwei Haushalte und fünf Personen am Tisch, Reservierung und Schnelltest – geöffnet wird vor allem auch, um die Mitarbeiter zu motivieren. Auch wenn vielen Gastronomen der Aufwand für eine Außenbereich-Öffnung zu groß beziehungsweise die Kalkulierbarkeit zu gering ist, zeigen sich die geöffneten Betriebe zufrieden. Ebenso in Niedersachsen soll voraussichtlich ab dem 12. April eine Modellregion aus 14 Kommunen entstehen und Gastronomie-Betriebe ihre Außenbereiche mit strengen Auflagen öffnen können. Die Stadt Tübingen dagegen hat ihren Modellversuch am 6. April bereits wieder beendet und den Außenbetrieb geschlossen.

Auch in Salzburg hat man sich bereits über eine reine Öffnung des Außenbereichs im »Esszimmer« Gedanken gemacht, kommt aber zu einem ernüchternden Ergebnis: »Die Gastgarten-Öffnung macht für Kaffeehäuser und Wirtshäuser sowie für viele kleine Betriebe, die hauptsächlich auf die ›schnelle Küche‹ ausgerichtet sind, Sinn«, beschreiben Andrea und Andreas Kaiblinger unisono und teilen zugleich ihre Bedenken: »Für uns aber kommt das im Großen und Ganzen nicht in Frage, da ein Restaurant-Erlebnis im ›Esszimmer‹ mehrere Stunden andauert und dafür unser Klima in Salzburg nicht optimal ist.« Salopp gesagt: Es passe einfach nicht wirklich zusammen. Von einer teilweisen Öffnung der Gastronomie, mit einer 7-Tage-Inzidenz unter 100 als Grundlage, ist das Bundesland mit einem Wert von 210 (8. April 2021) ohnehin noch entfernt.

Der Vorarlberger Weg

Im westlichsten Bundesland von Österreich hat man bereits seit 15. März 2021 einen eigenen Kurs eingeschlagen, man geht einen Weg der Öffnung unter Auflagen. Nicht nur die Außengastronomie, wie bei den deutschen Beispielen, sondern auch die Innenräumlichkeiten stehen für Gäste außerhalb der Ausgangsbeschränkungen offen. Ein negativer, nicht mehr als 48 Stunden alter Antigen-Schnelltest aus einer Teststraße ist dabei Voraussetzung. Kein Problem für die Gäste, wie eine Umfrage des Linzer Meinungsforschungsinstituts Market im Auftrag der Wirtschaftskammer zeigt: 81 Prozent der Befragten befürworten den Zugang zur Gastronomie via Eintrittstest. In der Woche der Gastronomie-Öffnung fanden in Vorarlberg mehr als 100.000 Testungen statt.

Die Hälfte der Gastronomen, die in der Modellregion Vorarlberg ihre Türen trotz möglicher Öffnung geschlossen hielten, dürften sich jedoch nicht am Vorweisen der negativen Tests als Grundlage für einen Gastronomie-Besuch gestoßen haben. Die Sperrstundenregelung um 20 Uhr und die mangelnde Wirtschaftlichkeit, die auf die Abstandsregelung von mindestens zwei Metern zurückzuführen ist, lässt sie an der Sinnhaftigkeit der Öffnung in ihrem individuellen Betrieb zweifeln. Aber dennoch: Vorarlberg ist ein Lichtblick, ein Signal für die Branche und kann als Modell für andere Bundesländer mit einer stabil niedrigen 7-Tage-Inzidenz gelten. Fehlt nur noch die klare Ansage mit genauen Vorgehensweisen der Politik.

esszimmer.com
www.wko.at/branchen/tourismus-freizeitwirtschaft

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