Das »Diner en blanc« wird im Wiener Prater seine Österreich-Premiere feiern.
Das »Diner en blanc« wird im Wiener Prater seine Österreich-Premiere feiern. © PrimeRose PR

In den letzten Jahren war so etwas wie Langeweile in die heimische Gastronomieszene eingekehrt. Vereinzelt gab es zwar engagierte Projekte, aber in den traditionellen Restaurant-Führern tauchten kaum neue Namen auf. Nun scheint es aber so, als ob engagierte Genießer dieses Vakuum erfolgreich auffüllen und wie im Gourmetjournalismus ist eine gewisse Demokratisierung der Szene bemerkbar. Es gibt viele spannende und erfreuliche Trends, die vor allem eines gemeinsam haben: Genuss als unkompliziertes Gemeinschaftserlebnis.

Betonküche
Die Initiative Urbanauts nimmt leerstehenden Gassenlokalen ihr deprimierendes Erscheinungsbild und erfüllt sie mit neuem Leben. Unter der Führung von Jonathan Lutter werden aus den Geschäftslokalen Ein-Zimmer-Hotels und Pop-Up-Restaurants. So wurde aus einem lange leerstehenden, ehemaligen Tapeziergeschäft in Wien-Neubau binnen kurzem eines der gefragtesten Restaurants des Landes. Es wurden kurzerhand zwei lange, aus Beton gegossene Tafeln aufgestellt und mit wechselnden Köchen wird gezeigt, dass gutes Essen weder eine Hightech-Küche braucht, noch teuer sein muss. An den nächsten Wochenenden sind gefragte Köche wie Edi Dimant (Mochi), Nikolai Kölbl (Weinschenke) oder Peter Pölzl (Expedit) am Werk.
www.friendship.is/betonkueche

Openkitchen
Wenn gerade kein namhafter Chef den Ton angibt, dann kochen Freunde für Freunde. Genau das ist auch die Idee hinter »Open Kitchen«, einer Community, die Menschen mit Freude am Genuss zusammenbringt. Die Locations wechseln und neben vom Kernteam organisierten Kochevents kann jeder selbst zum Gastgeber werden. Da die Gäste selber die Zutaten mitnehmen, ist der Lebensmitteleinsatz kein Thema. Der Gastgeber muss nicht einmal ein Motto oder ein Menü vorgeben - das ergibt sich meist von selbst. Im Moment scheint das Projekt aber etwas an Schwung zu verloren haben, es stehen in nächster Zeit keine Events an. Mit vielen neuen Anmeldungen kann sich das aber wieder ändern:
www.openkitchen.at

Dîner en Blanc
Bei einem weiteren Projekt muss man zwar keine Zutaten selbst mitnehmen, dafür aber gleich Tisch, Tischtuch und Stühle. Als Vorbild dient das »Dîner en Blanc«, ein Flashmob, der in Frankreich regelmäßig die Öffentlichkeit ins Staunen versetzt. In Paris fand das erste Dîner en Blanc 1988 statt, als Francois Pasquier seine überfüllte private Gartenparty spontan in den nahegelegenen Bois de Boulogne verlegte. Der Rest ist Geschichte. Mittlerweile pilgern tausende Menschen, von Kopf bis Fuß in weiß gekleidet, zu einem im Internet weitergeflüsterten Ort - mal Notre-Dame, mal Place de la Concorde, mal Champs Elysees.

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Das erste Dîner en Blanc in Wien soll am 16. Juni um 19:30 Uhr stattfinden. Der genaue Ort ist zwar noch nicht bekannt, aber ein Treffpunkt: Salettl Vivus, Prater Hauptallee 1/Ecke Vivariumstraße – von dort geht es dann zum »geheimen« Ort. 29 Euro für Musik und dreigängigem Menü. Anmeldung bis 1.6. bei lilu.steinbach@chello.at

Feldküche
Den nächsten logischen Schritt ging der Vorarlberger Martin Fetz mit seiner Feldküche: Der Bregenzerwälder veranstaltet an den schönsten Orten seiner Heimat gemeinschaftliche Genussabende. Die schönsten Orte des Bregenzerwaldes sind aus der Sicht des leidenschaftlichen Koches Wiesen, Hügel und Lichtungen. Tische und Bänke sind wie das Geschirr aus Holz, aber nichts ist dogmatisch vorgeschrieben. Auch die Feldküche ist eine Community, an der jeder seinen Beitrag leistet, um gemeinsam Genießen zu können.
www.friendship.is/feldkueche

Die Szene ist in Bewegung und die beschriebenen Projekte sind nur der Beginn breiten Bewegung wo wieder selber gekocht wird. Auch wenn sich viele schon die Zutaten samt Gebrauchsanweisung zuschicken lassen: www.kochabo.atwww.hellofresh.at oder www.kochbox.at
Private-Dinings wie »The Diningroom« oder »Hofzeile 27« sind angesichts der rasanten und lebendigen Entwicklung aber eher Spießerveranstaltungen als Guerilla-Restaurants.


von Bernhard Degen

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