Tong Chee bietet in der »Hakkasan Kitchen« ausschließlich Menüs / Foto: beigestellt
Tong Chee bietet in der »Hakkasan Kitchen« ausschließlich Menüs / Foto: beigestellt

Die Zahlen sind beeindruckend. Das im Februar eröffnete ­Restaurant »Balthazar« fertigt täglich bis zu 960 Gäste ab, 20 Menschen erledigen die Telefonanfragen. Dieser Ableger der 1997 vom Briten Keith McNally in New York eröffneten Brasserie sieht aus, als wäre er seit Jahrzehnten in Betrieb. Wände in Nikotingelb, rote Lederbänke mit Kunstpatina, alte Bahnhofsuhren verpassen der riesenhaften Brasserie eine vermeintlich altehrwürdige Atmosphäre. Doch was vor sechzehn Jahren in Lower Manhattan für Furore sorgte, ist heute allgegenwärtig. London erlebte 2012 mit »Brasserie Zédel« und »Delauney« ähnliche Konzepte. Und die Küche im »Balthazar« hat derzeit nicht das Zeug, Nummer eins in der mit französischer Küche verwöhnten Stadt zu werden. Die Portionen sind absurd groß, die Qualität ist in Ordnung, aber nicht mehr. Und die Weine sind so kalkuliert, dass das Mega-Investment möglichst rasch wieder eingespielt wird.


Mega-Brasserie »Balthazar«: Bis zu 960 Gäste essen hier pro Tag / Foto: beigestellt

Stern im Nu
In eine ganz andere Liga hat sich Jason Atherton katapultiert. Einst kochte er im »Maze« für den Kochsuperstar und Restaurantsammler Gordon Ramsay, nun fängt man bereits an, ihn mit seinem Ex-Boss zu vergleichen. Sein vor zwei Jahren eröffne­tes »Pollen Street Social« mit glasklarer produkt­orientierter Küchenlinie errang im Nu einen Michelin-Stern. Vier Lokale betreibt er in Singapur und Hongkong, im April eröffnete er gleich gegenüber seinem Flaggschiff das»Little Social«. Und Ende April kam das »Social Eating House« dazu.

 Ente mit Speck, Pommes und Ei im »Social Eating House«
Ente mit Speck, Pommes und Ei im »Social Eating House«

Zwei weitere Lokale in Vorbereitung
Im »Little Social« nahm Atherton die Idee des Vorgängerlokals auf. In dem kleinen Ex-Bistro wird eine französisch angehauchte Küche mit Pep serviert, die Produkte stammen aus England, die Preise sind fair. Im »Social Eating House« geht’s schon deutlich ambitionierter zu. Und zwei weitere Lokale befinden sich bereits in der Pipeline und sehen ihrer Eröffnung Ende 2013 entgegen.

Dieses Dessert im »Ametsa with Arzak Instruction« heißt »The Halkin Moon Rocks« / Foto: beigestellt
Dieses Dessert im »Ametsa with Arzak Instruction« heißt »The Halkin Moon Rocks« / Foto: beigestellt

Gewaltige Erwartungen
Die Erwartungen vor der Eröffnung des »Ametsa with Arzak Instruction« waren gewaltig, schließlich wagte sich die legendäre Familie Arzak aus San Sebastián mit einer Art Filiale ihres Drei-Sterne-Restaurants aufs Londoner Parkett. Doch wer eine Küche auf diesem Niveau erwartete, wurde enttäuscht. Derlei war nie geplant. Das »Ametsa« im Halkin Hotel serviert eine sehr präzise und aufwendige, aber letztlich technoid angelegte Küche – meilenweit entfernt vom allerdings auch viel teureren Original. Blendet man diverse verspielte Details und teils rätselhafte Zutaten aus, könnte man das Gros der Gerichte für sehr gut ausgeführte nordspanische Regionalküche halten.

Subtil gefüllte Dim Sum
Sehr viel Besseres als erwartet gibt es seit Kurzem in der City, in Londons Finanzzentrum. »HKK« steht für »Hakkasan Kitchen« und ist ein Ableger der »Hakkasan«-Kette, die für luxuriöse China-Küche steht. Im »HKK« legt man noch mal eins drauf und serviert ausschließlich Menüs. Nichts lenkt im puristisch gestylten Raum von den mit enormem Aufwand produzierten Köstlichkeiten ab. Die Dim Sum brillieren mit subtilsten Füllungen, pro Tisch ist – je nach Reservierung exakt getimt – eine über Kirschenholz gebratene Pekingente vorbereitet, selbst die Patisserie ist großartig. Und ein Sommelier versteht sich auf extravagante Weinbegleitung.


»Naamyaa Cafe« mit originellem Ambiente / Foto: beigestellt

Weitab dieses Niveaus kocht man im neuen Szene-Asiaten »Naamyaa Cafe«
im Szeneviertel Islington, einer Gründung des einstigen »Hakkasan«-Erfinders Alan Yau und des Thai-Spezialisten David Thompson. Das Design ist originell, die Qualität des Essens noch eher ambivalent. Exzellenten Vorspeisen folgen matte Hauptspeisen, viel Spaß macht jedoch die unkonventionelle Weinkarte zu ortsunüblich freundlichen Tarifen. Wenn sich alles eingespielt hat, wird wohl auch dieses Konzept wie so vieles derzeit in London vervielfäl­tigt werden.

Restaurants:
Balthazar
4–6 Russell Street, London WC2
T: +44/(0)20/33 01 11 55
www.balthazarlondon.com

Little Social
5 Pollen Street, London W1
T: +44/(0)20/78 70 37 30
www.littlesocial.co.uk

Social Eating House
58 Poland Street, London W1
T: +44/(0)20/97 73 32 51
www.socialeatinghouse.com

HKK
Broadgate West
88 Worship Street, London EC 2
T: +44/(0)20/35 35 18 88
www.hkklondon.com
U-Bahn: Shoreditch High Street

Ametsa with Arzak Instruction
Halkin Street, London SW1
T: +44/(0)20/73 33 12 34
www.ametsa.co.uk
U-Bahn: Hyde Park Corner

Naamyaa Cafe
407 St. John Street, London EC 1
T: +44/(0)20/31 22 09 88
www.naamyaa.com
U-Bahn: Angel

Text von Alexander Bachl

Aus Falstaff 04/13

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