Der Hausherr zeigte sich auch beim Dinner als perfekter Gastgeber / Foto: Falstaff (Sascha Bunda)
Der Hausherr zeigte sich auch beim Dinner als perfekter Gastgeber / Foto: Falstaff (Sascha Bunda)

»Wie ein Spielzeug für große Buben« beschrieb Fritz Wieninger seinen neuen Weinkeller - und dem 46-Jährigen war der Stolz und die Freude über das gelungene Projekt deutlich anzumerken. Das neue Weingut in der Stammersdorfer Straße 31 im 21. Wiener Bezirk, das Wieninger beim Pre-Opening seinen Gästen präsentierte, spielt jedenfalls alle Stückerln. In einem alten Stadl funkelt nun das neueste Equipment, auf Wunsch von Ehefrau Lissi wurde der alte Dachstuhl sehr gelungen integriert - auch wenn sich Pragmatiker Fritz zuerst ein wenig sträubte. Eine Hackschnitzelheizung, die selbst erzeugte Biomasse verheizt und Solarzellen machen das Weingut sogar beinahe energieautark.

Aufwand mit Ertrag
Fast noch mehr strahlt der Winzer, wenn er seinen historischen Weinkeller herzeigen kann. Wo heute die Barrique-Fässer schön beleuchtet stehen, war lange eine große Baustelle. Besonders ein Teileinsturz des ehemaligen Kirchenkellers kostete Nerven - und noch mehr Geld. Dass sich der Aufwand aber gelohnt hat, das wurde spätestens beim anschließenden Dinner deutlich, bei dem Fritz Wieninger nicht mit den besten Tropfen aus seinen mittlerweile 65 Hektar Rebfläche an Nußberg und Bisamberg sparte.

Experiment in Rot und Weiß
Was als »kleine Häppchen« angekündigt war, entpuppte sich als Sieben-Gänge-Menü auf hohem Niveau. Zu Beginn wartete der Hausherr, der jeden Gang wortreich einleitete, mit einigen jungen Veltlinern und Gemischten Sätzen, sowie einem vielversprechenden Gelben Muskateller 2012 auf. Zu den Maccaroni wurden zwei der beliebtesten Wieninger-Weine serviert, der Chardonnay Classic und die Wiener Trilogie. Welcher der beiden besser zum Nudelgericht passte, diese Frage spaltete das Fachpublikum in zwei etwa gleich große Hälften und rechtfertige somit Wieningers Experiment mit Rot und Weiß.

Champions League
Ein Ausrufezeichen gab es dann zum Seesaibling: Ein herrlicher Riesling Rosengartl 2011 - »Einfach köstlich!« war von den Gästen dazu zu hören. Leider scheint dieser wegen der geringen Menge, die das kleine Rosengartl hergibt, nicht in der Preisliste auf. Spätestens beim butterweichen Rehrücken war man endgültig in der »Champions League« angekommen: Zweimal Pinot Noir, für den Wieninger nicht nur in Österreich berühmt ist: Grand Select 2007 und Grand Select 2004. Besonders der ältere zeigte deutlich, warum er 2010 ein internationales Pinot Noir Tasting in Singapur gewinnen konnte - einen solchen Wein bekommt man nicht oft ins Glas.

Überraschung
Zum Abschluss zeigte Wieninger eine Seite, die wohl nicht viele von ihm kennen. Als »Vins Surprise« stellte er das Ergebnis einiger Experimente vor, an denen er gerade arbeitet: Ein fantastischer Sankt Laurent aus dem Jahr 2009 sowie ein Merlot des selben Jahrgangs werden leider auch nicht in der Preisliste geführt, da sie leider nur in limitierten Mengen verfügbar sind. Das neue Weingut steht jedenfalls nach telefonischer Voranmeldung (T: +43/(0)1/290 10 12) für Verkostungen offen - der Weg nach Stammersdorf lohnt sich.

Raritäten-Abend im Restaurant »Vincent«
Wer sich von der hohen Qualität der Wieninger-Weine überzeugen und dazu gehobene Küche genießen möchte, der ist beim Raritäten-Abend im Wiener Restaurant »Vincent« richtig. Am 20. März (Beginn 19 Uhr) kreiert Spitzenkoch Peter Zinter zu den Weinraritäten – manche davon waren nie im Verkauf bzw. sind nicht mehr erhältlich – von Fritz Wieninger ein maßgeschneidertes Menü (Preis pro Person: € 160,–; Reservierung erforderlich; www.restaurant-vincent.at).


>>> Bilderstrecke: Fritz Wieningers neues Weingut

www.wieninger.at

 

(Sascha Bunda)