Ihre Veltliner sind die besten: Werner Hofstetter, Grand-­Prix-Sieger, Franz Leth und ­Bernhard Ott – alle vom Wagram
Ihre Veltliner sind die besten: Werner Hofstetter, Grand-­Prix-Sieger, Franz Leth und ­Bernhard Ott – alle vom Wagram / Foto: Moritz Schell

Der Jahrgang 2010 brachte beim Grünen Veltliner ganz hervorragende Weine. Beeinflusst vom ungewöhnlichen Witterungsverlauf entstanden sehr ­rassige, aber zugleich extraktreiche Weine mit enormem Potenzial. Der Alkoholwert fiel vergleichsweise gering aus. Das einzige Manko: Die Mengen sind bescheiden. Sehr hohe Qualität, kleine Erntemengen – so lautet der Grundtenor beim Grünen Veltliner aus Niederösterreich. Wie jedes Jahr hat sich die strenge Falstaff-Jury zum Ziel gesetzt, für den »Falstaff Grand Prix« jene drei Weine auszukosten, die dem Sortenbild am besten entsprechen. In einem großen Finale hat ein zehnköpfiges Fachpanel in Blindprobe die diesjährigen Sieger ermittelt. Der Grand Prix geht diesmal ganz deutlich an den Wagram – nicht nur der erste Platz, sondern gleich alle drei Stockerlplätze.  > Zum Tasting

Die Sieger des Falstaff Grünen Veltliner Grand Prix
Den »1. Falstaff Grüner Veltliner Grand Prix Sieger 2011« stellt das bekannte Weingut Franz Leth aus Fels am Wagram mit dem Grünen Veltliner Brunnthal Lagenreserve. Gerade noch begeisterte Leths Rotwein Gigama die weltbekannte Journalistin und Falstaff-Kolumnistin Jancis Robinson, nun stellt die Falstaff-Fachjury den Leth-Veltliner ganz hinauf auf das Siegerpodest. Der Veltliner Brunnthal wächst auf tiefgründigen und kalkreichen Lössböden, die ihm einerseits eine angenehme, ausgeprägte Frucht, aber auch die für Veltliner typische Würze verleihen.

Den zweiten Platz errang Werner Hofstetter mit seinem Grünen Veltliner Lössterrassen, der Winzer stammt ebenfalls aus Fels am Wagram. Der 39-Jährige hat 2006 im Nebenerwerb den elterlichen Weinbau übernommen, ist also ein spätberufener »Jungwinzer«, und setzt seither kontinuierlich auf Qualität. Mittlerweile hat er seine Fläche auf sechs Hektar ausgebaut, der Schwerpunkt liegt auf Grünem Veltliner. Bereits vor zwei Jahren war er beim Grand Prix dabei und mit 4,5 Sternen weit vorne platziert.

Auf Platz drei landete eine fixe Größe in Sachen Spitzen-Veltliner, nämlich Bernhard Ott, der seinen Lagen-Veltliner vom Spiegel ins Rennen geschickt hatte. Die Toplage Spiegel liegt so wie der Rosenberg auf dem nach Süden ausgerichteten Feuersbrunner Hengstberg, auch dort wachsen die Veltliner-Reben auf kalkhaltigen Lössterrassen. Ott unterstützt seinen Schulkollegen Hofstetter übrigens mit Rat und Tat – sehr erfolgreich, wie man sieht.

Grüner Veltliner 2010
Der Jahrgang 2010 war von einem sehr eigenwilligen Witterungsverlauf geprägt. Nach einem frostigen Winter und einem kühlen Frühling starteten die Weingärten spät. Während der wichtigsten Phase, der Blüte, war es feucht und kühl, was einen zu geringen Fruchtansatz verursachte und die Mengen von Haus aus stark reduzierte. 2010 ist die kleinste Weinernte seit Langem zu verzeichnen. Im Juli und August gab es immer wieder Hagelschläge, die die Mengen weiter schrumpfen ließen. Der Vulkanausbruch in Island hatte ebenfalls gewisse Auswirkungen, die Zahl der echten Sonnenstunden war im Sommer 2010 geringer. Pflanzenschutz und Laubarbeit waren von entscheidender Bedeutung. Schließlich hieß es für die Winzer abwarten und hoffen, denn die Mostgewichte waren noch im September sehr bescheiden.

Die Säurewerte der Weißweine hingegen zeigten rekordverdächtige Ausmaße. Drei schöne und warme Wochen im Oktober retteten schließlich den Jahrgang, ein Föhneinbruch nach Allerheiligen ließ die Zuckerwerte nochmals rapide ansteigen. Dabei blieb es in dieser Phase trocken, und die großen Unterschiede zwischen Tag- und Nachttemperaturen sorgten für eine gute aromatische Entwicklung bei lebendiger Säurestruktur. So endete der Jahrgang zwar mit einer denkwürdig kleinen Ernte, aber mit ausgezeichneter Qualität. Dank ihrer Lebendigkeit zeigen sich die klassischen Grünen Veltliner sehr trinkanimierend und klar, sie verfügen über eine angenehme Würzigkeit und geben viel von ihrer Herkunft preis.

Der Sorte ein Podium bieten
Diese Rahmenbedingungen spielten dem »Falstaff Grüner Veltliner Grand Prix« in idealer Weise in die Hände. Der Bewerb wurde vor vielen Jahren ins Leben gerufen, um den leichteren klassischen Grünen Veltlinern ein Podium zu bieten. Die ­Regeln für diesen Bewerb zielen auf Weine mit einem maximalen Wert von 13 Volumenprozent Alkohol und einem Restzucker von bis zu vier Gramm ab. Dies entspricht erfahrungsgemäß den Rahmenwerten eines klassischen Veltliners und gibt auch deutlich leichteren ­Weinen die Chance auf ein gutes Abschneiden bei der Blindverkos­tung. In den vier DAC-Gebieten Niederöster­reichs, dem Weinviertel, dem Kamptal, dem Krems­tal und dem Traisental, finden diese Maßstäbe ihre Entsprechung in den klassischen DAC-Weinen. Für den typischen DAC-Veltliner gilt, dass dieser nicht alkohollastig sein darf, keinen Holzton und auch keinen Botrytiston aufweisen darf. Die Alkoholangabe ist mit zwölf oder 12,5 Volumenprozent Alkohol in klare Schranken eingegrenzt. Für kräftigere Weine wurde ohnehin die DAC-Reserve-Kategorie eingeführt. Für den Falstaff Grand Prix wurden die amtlichen Prüfzeugnisse verlangt, um sicherzustellen, dass es sich im Finale der 100 besten Kandidaten ausschließlich um extratrockene Grüne Veltliner mit bis zu 13 Volumenprozent Alkohol handelte.



Wie in den letzten Jahren wurde diese Probe vom Koopera­tions­partner »Die Niederösterreichi­sche Versicherung« unterstützt und in enger Zusammenarbeit mit der NÖ Landwirtschaftskammer durchgeführt. Im Zuge der alljährlichen NÖ WEIN Prämierung haben neun Kommissionen auch heuer wieder aus fast 3000 eingereichten Weinen die besten Winzer Nieder­österreichs und die Landessieger in 16 Kategorien herausgekostet, aber auch die 50 besten Veltliner als Fixstarter für den »Falstaff Grüner Veltliner Grand Prix« ermittelt. Diesen wurden in einer abschließenden Blindprobe, die traditionell in »Meixners Gastwirtschaft« in Wien durchgeführt wird, weitere 50 Veltliner gegenübergestellt, die von der Fals­taff-Redaktion ausgewählt worden waren. Wer sich einen persönlichen Eindruck von der Qualitätsdichte der knackig-frischen Grünen Veltliner aus dem Jahrgang 2010 nicht entgehen lassen möchte, der ist herzlich eingeladen, die »Falstaff Grüne Veltliner Gala« am 13. Juli im Palais Niederösterreich in Wien zu besuchen, bei der 30 Topbetriebe ihre besten Veltliner persönlich zur Verkostung anbieten werden.

> Zum Tasting: Alle getesteten Grünen Veltliner - beschrieben und bewertet

 

Weingut Leth
Kirchengasse 6, 3481 Fels am Wagram
T: +43/(0)2738/22 40
office@weingut-leth.at
www.weingut-leth.at

Weingut Werner Hofstetter
Bahnstraße 33, 3481 Fels am Wagram
T: +43/(0)2738/31 51
M: +43/(0)664/821 13 21
w.hofstetter@aon.at 

Weingut Bernhard Ott
Neufang 36, 3483 Feuersbrunn
T: +43/(0)2738/22 57
bernhard@ott.at 
www.ott.at 



Text von Peter Moser
Fotos von Moritz Schell
aus Falstaff Nr. 5/2011


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