FRAG DEN KNIGGE! Was tun, wenn mich einer ungefragt duzt?

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»Es mag verstaubt klingen, aber ich begegne fremden Menschen gerne mit respektvoller Distanz und höflichem »Sie«. Wie würden Sie höflich darauf hinweisen, dass Sie eine Anrede per ›Sie‹ bevorzugen würden?« 
Leser Ferdinand G., Graz

»Ihr mit Eurem Du und Sie« sagt meine Freundin Marijke aus Amsterdam immer. »Warum beißt Ihr Euch an zwei Worten fest? Wenn ich Dich nicht leiden kann, fallen mir tausend Wege ein, es Dir zu zeigen.« Niederländerin. Hat gut reden. Auf Deutsch ist das schwerer. Und wer bei uns den Start vermasselt, hat den Schlamassel. Begrüßung und Anrede entscheiden in Bruchteilen von Sekunden, wie es weitergeht. Und um das Durcheinander komplett zu machen, ändern sich Manieren auch noch mit der Zeit. Haben meine Eltern selbst beste Freunde gesiezt, nehme ich meine heute ständig in der Arm. Und erklären Sie mal Ihren Kindern, was es bedeutet »Brüderschaft zu trinken.« 

Im beherrschten Nähe- und Distanzempfinden kumuliert das gesamte Wesen der Höflichkeit. Nach Schopenhauer entdeckt an einem kalten Wintertage von einer Handvoll Stachelschweinen. Und das lief so: weil es kalt war, rotteten sich die Stachelschweine zusammen um sich zu wärmen. Doch je näher sie einander auf den Pelz rückten, desto mehr stachen sie sich gegenseitig. Deshalb rückten sie so lange auseinander und wieder zusammen, bis sie die Entfernung herausgefunden hatten, die weder kalt noch schmerzhaft war. Und nannten diese: »Höflichkeit«.

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Distanz wahren um Nähe herzustellen. So könnt es klappen. Das ist universell. Menschen aber sind verschieden. Was dem einen zu stachelig, ist dem anderen zu kalt. Da heißt es im Gespräch bleiben. Ich selbst habe eher kurze Stacheln und will meinen Erwartungen an andere nicht zu viel Raum geben. Werde ich freundlich geduzt, duze ich freundlich zurück, werde ich unfreundlich geduzt, sieze ich freundlich zurück.


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