FOTOS: Tapferer Kampf gegen Frostschäden

Brennender Strohballen bei Illmitz

© Steve Haider - steve.haider.com

Brennender Strohballen bei Illmitz

© Steve Haider - steve.haider.com

Die heimische Winzer haben eine schlaflose Nacht hinter sich und mit allen verfügbaren Möglichkeiten gegen den Spätfrost gekämpft. Meere von Paraffinkerzen, brennende Strohballe, dichte Rauchschwaden und kreisende Helikopter prägten vielerorts die Szenerie. Im Kamptal, Kremstal, Traisental, am Wagram, in Wien und in weiten Teilen des Weinviertels drehte sich die Temperatur kaum oder nur unwesentlich ins Minus. Es musste daher nur in exponiert gelegenen Weingärten geräuchert werden. In allen anderen Weinbaugebieten verbrachten die Winzer und ihre Helfer die Nacht in den Weingärten und versuchten mit allen Mitteln die jungen Triebe zu schützen.

Eine erste Zwischenbilanz zeigt, dass es wohl die Steirer wieder am schlimmsten getroffen hat. In den Senken wurden bis zu Minus fünf Grad gemessen, in den zumeist höher gelegenen Weingärten erreichte die Temperatur um die Minus zwei Grad. Also jenen kritischen Temperaturbereich, in dem noch alles möglich ist und beispielsweise eine schützende Rauchschicht den Jahrgang retten kann. Welche Schäden durch Frost und Schnee aber tatsächlich entstanden sind, kann man erst in den nächsten Tagen absehen, aber aus allen Regionen kommen zuversichtliche Feedbacks. Was aber schon jetzt gesagt werden kann ist, dass es keinesfalls eine Wiederholung der Frostkatastrophe des Vorjahres gibt. Dennoch meldet die Hagelversicherung einen hochgerechneten Schaden von 50 Millionen Euro im Obst- und Weinbau, überwiegend in den Bundesländern Steiermark, Burgenland, Kärnten und Tirol. Leider kann zudem nur vorläufig Entwarnung gegeben werden, denn weitere Frostnächte sind nicht ausgeschlossen.

FOTOS von der Frostnacht und von verschneiten Weingärten

Massive Schäden in Frankreich, Deutschland und der Schweiz

Gewaltige Schäden werden aus Frankreich gemeldet – vor allem aus der Champagne, aus dem Burgund, aus dem Loiretal und aus dem Languedoc. Auch die deutschen Winzer sind am Rande der Verzweiflung, eisiger Strömungsfrost und Temperaturen bis unter Minus fünf Grad ließen die Gegenmaßnahmen vielerorts wirkungslos verpuffen. Ein ähnliches Bild bietet sich leider auch in der Schweiz.

Maßnahmen gegen Frostschäden

Die Bauern waren gerüstet und haben alles menschenmögliche getan, um derart massive Frostschäden wie im Vorjahr zu verhindern. Durch den frühen Austrieb war man gewarnt und die Arsenale waren mit Mitteln gegen Frostschäden gefüllt. Natürlich kann man die Natur nicht überlisten, bei zu extremen Wettersituationen ist man machtlos. Wenn es allerdings um ein paar Zehntelgrade geht, die entscheidend sind, dann gibt es vielerlei Strategien:

Rauch: Viele zünden Strohballen an, damit sich eine Rauchschicht über die Pflanzen legt. Diese soll verhindern, dass die Sonne die gefrorenen Triebe zu rasch erwärmt und die Zellen im Blattgrün platzen lässt.

Frostberegnung: Andere setzen bei Minusgraden Sprinkleranlagen ein und legen somit eine schützende Eisschicht über die verletzlichen Triebe.

Hubschrauber: werden eingesetzt, um Kälteseen aufzuwirbeln und wärmere Luftmassen in die Obst- und Weingärten zu bringen.

Feuer: Relativ neu ist hierzulande der Einsatz von Paraffin-Kerzen, die zu hunderten in die Rebzeilen gesteckt und entzündet werden, um tatsächlich die Temperatur zu erhöhen. Improvisiert wird auch mit Metalldosen, die mit Pellets sowie Baumwolle gefüllt und mit Heizöl übergossen werden.

Abdecken: Noch wenig erprobt ist eine Methode, in der die Rebstöcke in den kostbarsten Lagen mit Vlies abgedeckt werden. Das erhöht zwar nicht die Temperatur, sondern schützt die jungen Triebe vor zu rascher Erwärmung. Der südsteirische Winzer Harald Lieleg will sogar versuchen, mit Heizkanonen warme Luft unter die Vliese einzubringen, die den Hang hinauf steigen soll.

Dicke Schneedecke in Kollwentz' Top-Lage Gloria

Fotos vom verzweifelten Kampf gegen Frost aus dem Jahr 2016:

Wenn es zu kalt wird, nützen alle Maßnahmen nichts und die Triebe sind zerstört. Hier ein Weingarten der Familie Netzl in Carnuntum vor einem Jahr.

© Christina Netzl

Mehr zum Thema

News

Autochthone Weine: Bodenständig

Sie sind alteingesessen, werden aber zunehmend neu entdeckt: die vielen autochthonen Weinsorten des Friaul. Verduzzo, Friulano, Refosco – die...

News

Genuss-Radeln in Niederösterreich

Weinkenner sprechen von Terroir, wenn sie die Herkunft, den Boden und das Mikroklima eines Weines beschreiben. Dieses Terroir erlebt man am besten,...

News

Flüssiges Europa: Die Donau und der Wein

Auf ihrem Weg vom Ursprung bis ins Schwarze Meer passiert der längste Strom Mitteleuropas viele Länder mit ausgewiesener Weinkultur.

News

Klosterneuburg: An der Quelle des Weinbaus

Eingebettet in die Region Wienerwald, hat Klosterneuburg landschaftlich viel zu bieten. Aber auch in puncto Kultur und Weinbau steht man hier auf...

News

Heimische Weingeschichte wissenschaftlich aufgearbeitet

Neues Standardwerk zur Geschichte des österreichischen Weinbaus von der Urzeit bis heute. Inklusive neuer Erkenntnisse zum Wirken von Friedrich...

News

Château d’Yquem wird biodynamisch

Der weltberühmte Süßwein-Produzent aus dem Sauternes stellt auf biodynamische Bewirtschaftung um.

News

Wein aus dem Knast

Wein entsteht nicht immer aus freien Stücken. In verschiedenen Haftanstalten auf der Welt wird mithilfe der Insassen Wein angebaut. Diese Knastweine...

News

Winzervereinigung Blaufränkischland stellt sich neu auf

FOTOS: Der größte Rotwein-Produzent des Landes nennt sich ab sofort »Eichenwald Weine« und hat ein neues Design.

News

Jahrgang 2018: Eine erfolgreiche Frühgeburt

Bedingt durch den Witterungsverlauf begann die Weinlese des Jahrgangs 2018 in Österreich so früh wie selten zuvor. Es gibt durchwegs sehr gute Mengen,...

News

STK präsentiert Jahrgänge 2016 und 2017

FOTOS: Jahrgangspräsentation der STK Winzer am 21. April am Sattlerhof. Vorgestellt wurden großartige Weine der letzten zwei Jahre.

News

Weine aus Luxemburg

Mosel und Weinbau – das sind zwei Dinge, die oft in einem Atemzug genannt werden. Doch kaum jemand denkt daran, dass die Mosel auf einer Strecke von...

News

1.000-Eimerfass wieder zum Leben erweckt

Nach langer Vorbereitung soll im Herbst 2017 das historische 1.000-Eimerfass von Lenz Moser eingeweiht und befüllt werden.

News

Hagelunwetter verursachen Schäden in Millionenhöhe

Winzer und Landwirte im Süden Wiens und im angrenzenden Niederösterreich wurden von dem Unwetter am 10. Juli stark getroffen.

News

Erneute Frostnacht geht an die Substanz

Im Vorfeld der Eisheiligen wurden im Weinviertel bis zu Minus drei Grad gemessen. Von der Wachau bis zum Neusiedlersee wurde geräuchert.

News

Götterdämmerung im Beaujolais

Das Beaujolais steht vor einer Zeitenwende: Einst eine Quelle für harmlos fruchtigen Tischwein, besinnen sich die Winzer inzwischen auf die...

News

Wein-Wunderwelt Georgiberg

Bei Berghausen an der südsteirischen Weinstraße liegt eingebettet im Talkessel des Wielitschbaches das Weingut Georgiberg.

News

Graubünden: Erlesene Handarbeit

Generationenwechsel, alternative Rebenpflege, Beschränkung aufs Wesentliche und ein abgeklärter Altmeister. Ein Sommerbesuch in der Bündner...

News

Out of Africa: Constantia Hill

Leo Hillinger gilt unter Österreichs Winzern als Marketing-Genie mit hohem Bekanntheitsgrad. Alexander Waibel stammt aus einer Vorarlberger...

News

Stormarn in Schleswig-Holstein wird zum Weinbaugebiet

Mutiger Versuch mit über drei Hektar Anbaufläche im Norden von Hamburg – der erste Wein wird 2020 erhofft.

News

Serie an Frostnächten lässt Winzer verzweifeln

Mittlerweile sind nicht nur alle Weinbaugebiete in Österreich betroffen, Winzer aus ganz Mitteleuropa melden Schäden.