Meinhard Forstreiter (l.) aus Hollenburg holte sich den Reserve-Cup in der Veltliner-Kategorie, Martin Nigl war beim Riesling erfolgreich / © Erich Reismann
Meinhard Forstreiter (l.) aus Hollenburg holte sich den Reserve-Cup in der Veltliner-Kategorie, Martin Nigl war beim Riesling erfolgreich / © Erich Reismann

Das traditionsreiche Weinland rund um die mittelalterliche Doppelstadt Krems-Stein bietet den beiden österreichischen Parade-Weißweinsorten sehr unterschiedliche Bedingungen, und zwar sowohl klimatisch als auch die Böden betreffen. Am linken Donauufer schließen die hoch gelegenen Terrassenweingärten mit dem Steiner Pfaffenberg direkt an die Wachauer Weinrieden an. Hier dominiert bis zum Weinzierlberg der Urgesteinsverwitterungsboden, der sich auch entlang des Kremsflusses weiter Richtung Waldviertel erstreckt. Hier sorgen entsprechende Winde speziell im Sommer für eine nächtliche Abkühlung, was zu einer idealen aromatischen Ausprägung der Trauben führt. In Kombination mit den Böden führt dies dazu, dass sich hier der Riesling besonders wohlfühlt und auch in heißeren Jahren jene Finesse entwickeln kann, die diese Rebsorte auszeichnet. Ab der berühmten Sandgrube am östlichen Ortsende von Krems dominiert der Löss, der sich in teils mächtiger Aufschichtung entlang dem Gebling über Rohrendorf und Gedersdorf in Richtung Kamptal erstreckt. Diese landschaftsprägenden Lössmaßen bieten für den Grünen Veltliner einen ausgezeichneten Standort, auf diesem Terroir wachsen besonders cremige Veltliner, die oft eine exotische Fruchtkomponente mit sich bringen. Auf den Hochplateaus finden sich auch schottrige Elemente von der Urdonau, während sich in den niederen Lagen auch alluviale Sande und Schotter mischen. Am rechten Donauufer rund um den Göttweiger Berg dominieren auf den Berglagen Konglomeratböden mit tonigen Elementen, die ihrerseits das Wesen der dort wachsenden Weine auf eigenständige Weise beeinflussen, nach Hollenburg im Osten beginnt dann das Traisental. Hier öffnet sich das Donautal, und wie südlich von Krems können die Ausläufer des warmen pannonischen Klimas stärker wirken. Diese Rahmenbedingungen führen dazu, dass man unter dem Begriff Kremstal DAC vereinfacht gesagt eine Trilogie von Terroirs zur Verfügung hat – und es gelingt den Winzern in hervorragender Weise, sich diesen Umstand zunutze zu machen.

Spannendes Rennen um Cup-Sieg
Bei der diesjährigen Reserve-Cup-Probe wurden 118 verschiedene Weine eingereicht. 70 Weine, also rund zwei Drittel davon, waren Grüne Veltliner. Erwartungsgemäß war das Rennen um den Cup ein sehr enges und konnte bei mehreren punktgleichen und allesamt hervorragenden Veltlinern erst in einem Stechen entschieden werden.

Der glückliche Sieger ist Meinhard Forstreiter aus Hollenburg, der mit seinem Grünen Veltliner aus der Lage Tabor erfolgreich war. Dieser Wein ist in jedem Fall eine Besonderheit. Er wächst auf einer von Sandböden geprägten Einzellage, und es handelt sich um wurzelechte Rebstöcke, die der Reblaus teilweise schon seit 130 Jahren Paroli bieten – eine echte Seltenheit in Österreich.

Die Plätze zwei und drei gehen nach Senftenberg im eigentlichen Kremstal. Franz Proi­dl überzeugte mit seinem Grünen Veltliner aus der Ersten ÖTW-Lage Senftenberger Ehrenfels, deren Terrassen unterhalb der Burg­ruine des Ortes er höchstpersönlich in mühevoller Kleinarbeit wieder zum Leben erweckt hat. Mit dem Grünen Veltliner aus der Ersten ÖTW-Lage Senfterberger Pellingen »Privat« sicherte sich das Wein-Gut Nigl den dritten Platz. Mit dem legendären Riesling »Privat« aus der gleichen Urgesteinslage holte sich Martin Nigl diesmal unangefochten den Sieg, während hier zur Ermittlung des zweiten Ranges ein Stechen notwendig war. Dieses gewann schließlich Josef Schmid aus Stratzing mit der Lage Sunogeln, den dritten Rang holte das Weingut Malat aus Palt mit »Das Beste vom Riesling«.


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Text von Peter Moser
Aus Falstaff Nr. 06/2013


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