Fisch, Fado und Familie: Nuri ist wieder da!

Die Produktion in Portugal wurde wieder aufgenommen.

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Man kennt sie von klein auf und hatte sich nie gedacht dass man sie vermissen würde: Nuri ist wohl eine der emotional aufgeladendsten Marken im Lebensmitteleinzelhandel. Doch Anfang des Jahres 2015 verschwanden die beliebten Dosensardinen nach und nach aus den Regalen. Grund dafür war ein Sardinenfangverbot vor Portugal. Importeur und Markeninhaber Jakob Glatz gelang es mit seinem Team, die Nuri-Konservenfabrik bei Porto am Leben zu halten und freut sich jetzt über eine gelungene Wiedereinführung der Kult-Marke (bei Billa, Merkur und ADEG). Im Gespräch mit Falstaff erzählt Glatz von den schwierigen Zeiten und dem besonderen Spirit der Traditionsfabrik.

Falstaff: Wie kommt man als Österreicher eigentlich zu den Markenrechten von portugiesischen Sardinen?

Jakob Glatz: Die Beziehung meiner Familie mit der Familie Pinhal, der die Konservenfabrik gehört, geht schon über drei Generationen. Mein Großvater hat mit dem Import von Nuri Ende der 40er/Anfang 50er begonnen. Es war von Beginn an ein Selbstläufer, um den sich mein Vater nicht besonders gekümmert hat. Ich bin dann selbst darauf gekommen, dass die Qualität und Machart von Nuri unvergleichlich ist. Außerdem habe ich durch mehrere Reisen eine Liebe zu Portugal entwickelt.

Als ich das erste Mal die Fabrik besuchte, war das wie ein Eintritt in eine Zeitkapsel, in eine andere Welt. Ich fand einen Zustand und eine Geisteshaltung vor, die es heute nirdendwo anders mehr gibt. In der Fabrik wird mit Hingabe und Liebe echte Handarbeit gepflegt, das hat meine Begeisterung für die Marke weiter befeuert.

Jakob Glatz mit den Kult-Sardinen
Jakob Glatz mit den Kult-Sardinen

© beigestellt/Glatz

Wie haben Sie auf das Fangverbot reagiert?

Es gab vier Monate lang ein völliges Fangverbot für Sardinen, danach eine sehr eingeschränkte Fangquote, was sehr hohe Preise zur Folge hatte. Wir haben uns intensiv mit der Familie Pinhal beraten und konnten gemeinsam dieses Juwel erhalten. Es wurde kein einziger Arbeiter entlassen, allerdings waren unsere Reserven zuletzt schon aufgebraucht. Anfang dieses Jahres konnten wir wieder mit der Produktion beginnen, von der Art her unverändert wie die letzten 100 Jahre auch. Die Fisch-Bestände haben sich halbwegs erholt, allerdings sind die Preise immer noch recht hoch.

Was unterscheidet Nuri von anderen Dosensardinen?

Fast alle anderen Betriebe arbeiten mit gefrorenen Sardinen, wir verwenden nur Frischfisch von der allerhöchsten Qualität, die man kriegen kann. Der Rest ist der Produktionsprozess: Der Fisch wird von Hand geköpft und ausgenommen und ins Salzbad gelegt. Dann wird die Salzlake abgewaschen und jeder Fisch einzeln auf den Grill gelegt und im Ofen vorgegart. Händisch werden Gewürze und Gemüse hinzugefügt. Ein Bauer aus der Nähe bringt die Lorbeersträuße, zwei Damen zerkleinern sie händisch und hören dabei Fado. Wir könnten auch bereits geschnittene Kräuter kaufen, aber das wäre nicht mehr dasselbe. Auch die Gurken und Karotten werden von Hand geschnitten, jedes Pfefferkorn, jede Nelke wird einzeln per Hand eingelegt. Die Atmosphäre und die Stimmung in der Fabrik geht in jede Faser hinein!

Reine Handarbeit
Reine Handarbeit

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Haben Sie überlegt, auch Jahrgangssardinen anzubieten?

Jakob Glatz (lacht): Ja! Tatsächlich arbeiten wir gerade daran, auch Jahrgangssardinen auf den Markt zu bringen. Aber das braucht noch viel Zeit, wir stehen noch ganz am Anfang. Problematisch dabei ist auch das Mindesthaltbarkeitsdatum, das fünf Jahre Lagerung nicht überschreiten darf. Richtig gut werden Sardinen mit einer Reife von acht, neun oder zehn Jahren! Erst vor zwei Wochen habe ich eine Dose aus dem Jahr 2007 probiert, der Fisch war so zart und weich, der Geschmack so gut eingebunden, das ist noch einmal etwas anders.

Sie handeln mit vielen verschiedenen Lebensmitteln, haben Sie auch andere derart emotional aufgeladene Marken im Sortiment?

Nein.

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