Roman Horvath, MW, Geschäftsführer der Domäne Wachau, freut sich über den Sieg in der Kategorie Grüner Veltliner / Foto: Manfred Klimek
Roman Horvath, MW, Geschäftsführer der Domäne Wachau, freut sich über den Sieg in der Kategorie Grüner Veltliner / Foto: Manfred Klimek

Das Jahr 2012 war in der Wachau geprägt von Wetterkapriolen, von Regen, Hagel, viel Sonnenschein und Hitze, aber auch von einem perfekten Herbst mit sonnigen Tagen und kühlen Nächten. Roman Horvath, MW, der mit der Domäne Wachau einen wesentlichen Teil zur Wachauer Gesamtproduktion beisteuert, zeigt sich begeistert von der Qualität und Dualität des Jahrgangs 2012 und bringt dessen Charakter auf den Punkt: »Reif, mit rassiger Säure und toller Balance bietet der Jahrgang beides: frühen Trinkgenuss und gute Lagerfähigkeit.« Im Jahr 2012 folgte auf eine sehr lange, sehr kalte Winterphase (die dieses Mal in der Wachau aber nur geringe Frostschäden hinterließ) ein früher Austrieb mit früher Blüte. Vom Spätfrost, der in manchen anderen Gebieten Niederösterreichs am 17. Mai großen Schaden anrichtete, blieb die Wachau größtenteils verschont. Gutes Laubmanagement während des durchwegs warmen Sommers war sehr wichtig, um Sonnenbrandschäden an den Trauben zu verhindern. Die Bewässerungsmöglichkeit in den Terrassenlagen half, die Trockenperiode im Sommer gut zu überstehen. Nach einem schönen Sommer und einem von gutem Wetter begleiteten Spätsommer begann die Lese bereits Mitte September.

Ein Niveau wie selten zuvor
Im weiteren Verlauf konnte die Ernte aufgrund der kühleren Witterung bis in den November hinausgezögert werden. Das Ergebnis waren physiologisch voll ausgereifte Trauben, was zu kräftigen Weinen mit harmonischer Säure führte. Das Resultat ist ein sehr guter Jahrgang, der in der Wachau – im Gegensatz zu anderen Regionen – auch mengenmäßig zufrieden­stellend ist. So war es auch nicht verwunderlich, dass sich für die Falstaff-Federspiel-Prämierung Weine in großer Zahl einstellten, die – und so viel sei gerne vorweggenommen – auf einem qualitativ so hohen Niveau waren wie noch selten zuvor.

»Federspiel«: Botschafter österreichischer Weißweinkultur
Seit vielen Jahren hat das Falstaff-Magazin die erfreuliche Aufgabe, in enger Zusammenarbeit mit dem Wachauer Gebietsschutzverband Vinea Wachau den jeweils neuen Jahrgang jener Weine zu präsentieren, die die eingetragene Markenbezeichnung

Martin Mittelbach vom Tegernseerhof in Unter­loiben war in der Kategorie Riesling nicht zu schlagen / Foto: Manfred Klimek
Martin Mittelbach vom Tegernseerhof in Unter­loiben war in der Kategorie Riesling nicht zu schlagen / Foto: Manfred Klimek

»Federspiel« tragen dürfen. Als Ausdruck für ihr striktes Qualitätsdenken haben die Mitglieder der Vinea Wachau – und das sind so gut wie alle Winzer des Weinbaugebiets – ihre besten Weine mit den Marken Steinfeder®, Federspiel® und Smaragd® versehen. Diese Marken stehen für das Bekenntnis zu naturbelassener Weinproduktion, absolut gesicherter Herkunft und strikter Selbstkontrolle. Sie gelten weltweit als Botschafter österreichischer Weißweinkultur – für das Weltkultur­erbe Wachau in besonderer Form. Und nicht nur in Österreich sind diese Marken einzigartig, in ganz Europa gibt es kein zweites Beispiel. Vor allem aber dienen sie als Orientierungshilfe für Weinliebhaber, erlauben sie doch im Bereich der trockenen Weiß- und Roséweine eine Einteilung in drei Gewichtsklassen gemäß ihrem natürlichen Alkoholgehalt.

Klassisch trocken und nuancenreich
Aus Sicht der Produktionsmenge ist die mittlere Kategorie, das »Federspiel«, die mit Abstand wichtigste. Was also darf man von einem Federspiel-Wein erwarten? Einen klassisch trockenen Wein, nuancenreich und mit klarem Sortencharakter. Als Federspiel® werden Weine mit einem Mostgewicht ab 17° KMW und einem Alkoholgehalt zwischen 11,5 und 12,5 Volumenprozent bezeichnet. Der Begriff »Federspiel« stammt aus der Falkenjagd (es diente dem Zurückholen des Beizvogels), einer in früheren Zeiten in der Wachau beliebten Form herrschaftlicher Jagd. Zugelassen für diese Weinkategorie sind alle in der Wachau üblichen Weißweinsorten, es dominieren Grüner Veltliner und Riesling, beliebt sind aber auch Gelber Muskateller, die weißen Burgundersorten und der für die Wachau so typische Neuburger. Auch Roséweine können diese Markenbezeichnung tragen.

Grüner Veltliner: Die Sieger
Eine beachtliche Phalanx von exakt 100 verschiedenen Grünen Veltlinern wurde aus dem Jahrgang 2012 vorgestellt, am Ende konnte die Domäne Wachau diese Gruppe mit dem Federspiel aus der Paradelage Loibenberg für sich entscheiden. Mit hauchdünnem Abstand auf die weiteren Plätze verwiesen wurden das Weingut Franz Hirtzberger mit dem »Roten Tor« sowie – ebenfalls aus Spitz – das Weingut Karl Lagler mit dem Grünen Veltliner Federspiel aus der Lage Burgberg.

Die Top-Rieslinge
Ähnlich knapp gestaltete sich das Rennen um den besten Riesling, das mit knapp 60 Weinen auch nicht gerade schwach besetzt war. Die größte Zustimmung hatte am Ende Martin Mittelbach vom Weingut Tegernseerhof in Unterloiben, dessen Riesling Federspiel Terrassen zum Sieger gekürt wurde. Platz zwei belegt das Weingut Josef Jamek, das sich mit seiner gesamten Federspiel-Serie sehr positiv in Szene setzen konnte. Der dritte Rang ging wiederum an die Domäne Wachau für den exzellenten Riesling Federspiel vom 1000-Eimer-Berg in Spitz.

Gelber Muskateller: Comeback einer aromatischen Rebsorte
In Sachen Sortenvielfalt war der Gelbe Muskateller die mit Abstand stärkste Gruppe, hier zeichnet sich ein kleines Comeback dieser aromatischen Rebsorte in der Wachau ab. Der beste Vertreter in dieser Probe kam vom Weingut Josef Jamek in Joching. In Sachen Neuburger hatte das Federspiel aus der Lage Gasslreith von Roman Gritsch vom Weingut Rupert und Erika Gritsch in Spitz die Gunst der Jury klar auf seiner Seite.

Zu den Verkostungsnotizen

Info: www.vinea-wachau.at


Text von Peter Moser
Aus Falstaff Nr. 03/2013

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