Düster, mystisch und wild - für diese Szene mit dem Titel »Cabbage Sea« verarbeitete Warner Rotkohl und anderes Gemüse. Mehr Bilder in der Slideshow ... / © Carl Warner’s Food Landscapes published by Abrams Image, £15.99
Düster, mystisch und wild - für diese Szene mit dem Titel »Cabbage Sea« verarbeitete Warner Rotkohl und anderes Gemüse. Mehr Bilder in der Slideshow ... / © Carl Warner’s Food Landscapes published by Abrams Image, £15.99

Man kennt sie, die Fotografien von Carl Warner. Seit geraumer Zeit kursieren die Bilder von Speckbergen, Sellerie-Wäldern und Lachs-Meeren inoffiziell im Internet und üben ihre ganz eigene Faszination aus. Nun sind erstmals die gesammelten Werke des Briten in einem Buch erschienen.

Die Welt »verändern«
Die Erfolgsgeschichte von Carl Warner beginnt früh. Bereits als Jugendlicher findet er Gefallen an der Fotografie. Damit konnte er die »reale Welt abbilden, sie aber  durch die Technik bzw. die Prozesse verändern«, so der Brite im Einleitungstext. Nach der Ausbildung zum Fotografen fasste Warner in der Werbefotografie Fuß.

Carl Warner beim Finalisieren einer Foodscape in seinem Londoner Foto-Studio/© Carl Warner’s Food Landscapes published by Abrams Image, £15.99
Carl Warner beim Finalisieren einer Foodscape in seinem Londoner Foto-Studio/© Carl Warner’s Food Landscapes published by Abrams Image, £15.99

In den 90er-Jahren konzentrierte er sich dann mehr und mehr auf Stillleben. Immer auf der Suche nach neuen Ideen, stieß Warner Ende der 90er auf die Arbeiten der Fotografin Tessa Traeger, die zweidimensionale Lebensmittel-Landschaften anfertigte. Diese Fotos inspirierten ihn 1999 dazu, dreidimensionale Räume aus Lebensmitteln zu schaffen. Seine erste »Food Landscape«, die Warner selbst mittlerweile als »Kunstform« bezeichnet, war eine Steppenlandschaft mit Pilzen als Savannenbäume und Couscous als Erde. Wer jetzt glaubt, Warner hätte mit seinen »Foodscapes« sofort durchschlagende Erfolge gefeiert, der irrt.

Später Durchbruch

Erst als er eine Vielzahl an Fotos dieser Art produziert hatte, genauer nach zehn Jahren, wurde eine Presseagentur auf ihn aufmerksam. Diese fragte an, ob sie seine Fotos an Zeitungen und Medien verteilen dürfe, da man eine gute Story dahinter witterte. Allein der Fotograf Carl Warner glaubte nicht an den Erfolg und lag damit falsch. Namhafte große Zeitungen wie die Sunday Times, die Daily Mail, der Mirror und die Sun druckten Artikel über Warner und seine Arbeit. BBC und andere TV-Sender sowie Radiostationen fragten Interviews an und besuchten dem Landschaftsfotografen der etwas anderen Art. Danach wurden seine Bilder in Blogs gepostet und via Massenmail rund um die Welt geschickt - Schneeballeffekt sozusagen. Die Resonanz war enorm: Schulkinder bauten Food Landscapes im Zeichenunterricht nach, Lehrer schickten Warner dann die Fotos. Der Fotograf begann, seine Foodscapes als Prints zu verkaufen und mit spezieller Kameratechnik Werbespots zu produzieren. Ausstellungen auf Food-Messen und bei Gastro-Events in ganz Europa und sogar bis nach Hong Kong bestritt Warner ebenso. Das Einzige, was ihm noch fehlte war ein eigenes Buch.

Foodscape-Werbespot
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Eine Reise um die Welt
Doch auch dieses Projekt nahm der Brite in Angriff und veröffentlichte vor Kurzem seine Reise rund um die Welt in 25 Motiven, wovon jedes mit den für die Region typischen Produkten gestaltet wurde - Obst, Gemüse, Brot, Fisch, Fleisch und andere Lebensmittel formieren sich zu essbaren Szenen. Nicht nur die Landschaften, auch ihre Entstehungsprozesse üben große Faszination aus, deshalb sind im Buch auch diese dokumentiert.

Die Skizze zur »Fishscape«/© Carl Warner’s Food Landscapes published by Abrams Image, £15.99
Die Skizze zur »Fishscape«/© Carl Warner’s Food Landscapes published by Abrams Image, £15.99

Auf Skizzen basierend wählt Warner sorgfältig die passenden »Zutaten« aus. Der Fotograf verbringt den Großteil seiner Zeit damit, auf den Märkten und in den Geschäften nach geeigneten Produkten für seine Landschaften zu suchen. Zwei bis drei Tage dauert dann der Aufbau der Szenerie und das Fotografieren. Darauf folgen weitere Tage der Retusche und Bildbearbeitung. Im Buch wirft der Leser einen Blick hinter de Kulissen des Londoner Fotostudios - Skizzen, Detailaufnahmen, sowie eine Auflistung aller »Zutaten« und Erläuterungen und Anekdoten von den Shoppings machen die Arbeit von Carl Warner und seinem Team aus Food-Stylisten, Grafikern und Modellbauern anschaulich. Und wer angesichts der Landschaften denkt, die Lebensmittel würden zum Zwecke der Kunst verschwendet werden, dem sei gesagt, dass - abgesehen von wenigen, nach dem Fotografieren ungenießbaren Produkten etwa weil sie mit Superkleber fixiert wurden - alle Lebensmittel unter den an der Produktion beteiligten Personen aufgeteilt und gegessen oder an die Wohlfahrt gespendet werden

Buckcover »Carl Warner's Food Landscapes«/Foto: Abrams Image
Buckcover »Carl Warner's Food Landscapes«/Foto: Abrams Image

Zweites Buch in Planung
Für die Zukunft plant Warner einerseits die Realisierung einer Fernsehserie für Kinder, in der seine Foodscapes natürlich eine tragende Rolle spielen werden. Inhaltlich sollte es um die Vermittlung von gesunder, guter Ernährung gehen. Außerdem ist der Fotograf bereits daran, die Seiten eines weiteren Buchs mit neuen Ideen zu füllen.

Carl Warner
Carl Warner's Food Landscapes
Abrams Image
128 Seiten, 15,99 Pfund


www.carlwarner.com

 

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