Family Business: Über den Erfolg von Familienunternehmen

Franz und Peter Fetz teilen die Leidenschaft für die Hotellerie. 

© Maria Ritsch

Franz und Peter Fetz teilen die Leidenschaft für die Hotellerie. 

© Maria Ritsch

Familienunternehmen machen sowohl im deutschsprachigen Raum als auch international den Großteil aller Unternehmen aus. Laut einer Studie der KMU Forschung Austria sind 90 % aller Betriebe in Österreich Familienunternehmen laut EU-Definition, Eigentums- und Entscheidungsrechte also mehrheitlich im Besitz des Unternehmensgründers beziehungsweise dessen Familie. Nur in Deutschland (95 %) ist der Anteil der Familienunternehmen EU-weit gesehen höher, wie das Bonner Institut für Mittelstandsforschung (IfM) angibt. In der Schweiz sind es laut einer Untersuchung des Instituts für Klein- und Mittelunternehmen an der Universität St. Gallen 88 Prozent.

Die meisten Familienbetriebe gibt es im ­Tourismus, allein in Österreich spricht man von 93 Prozent. Der Unterschied zu anderen Unternehmen zeigt sich vor allem in der ­Positionierung am Markt und an internen Organisationsstrategien: Familiengeführte Betriebe sind in der Regel langfristig ausgerichtet und gelten als besonders mitarbeiter­orientiert. Wichtiger als schnelle Erfolge und Wachstum ist der Fortbestand des Unternehmens für nachfolgende Generationen.

»Erfolge sind dann immer das Resultat der Anstrengungen aller, was das Gemeinschaftsgefühl massiv verstärkt«
Manuela Mätzener, Unternehmens­beraterin

Trotz aller positiven Aspekte sind auch Familienunternehmen nicht vor wirtschaftlichen Herausforderungen und innerbetrieblichen Konflikten gefeit. »In Familienbetrieben ist das Bewahren und Erinnern der Vergangenheit fundamental, um das Unternehmen zu erhalten. Dadurch besteht allerdings die Gefahr, nötige Innovationen nicht in Angriff zu nehmen, was den Unternehmenserfolg gefährden kann«, erklärt Mätzener. Ein kritischer Faktor ist zudem die Familie selbst. Hängt der private Haussegen schief, kracht es auch im Unternehmen. Klassisches Streitthema ist die Unternehmensnachfolge: Mit ihr werden sich laut KMU Forschung Austria bis 2020 rund 57.300 Unternehmen in Österreich beschäftigen müssen. In der Hotellerie betrifft das Thema etwa jeden dritten Betrieb. Nach Schätzungen des IfM Bonn stehen in Deutschland bis 2022 gut 150.000 Familienunternehmen zur Übergabe an, in der Schweiz sind es Bisnode D&B zur Folge 74.744 Betriebe. Wichtig ist dabei vor allem der Zeitfaktor: »Spätestens ab 50 sollten sich Unternehmer darüber Gedanken machen, wer ihren Betrieb weiterführen könnte und klären, ob das jemand aus der Familie oder jemand Externer sein wird. Die Praxis zeigt, dass drei Jahre angemessen sind, um für alle Beteiligten eine tragfähige Zukunftsvision sowie deren Umsetzung zu gewährleisten«, rät Mätzener.

Eine Entscheidung weniger Stunden war die Übernahme des elterlichen Betriebes einst für Karl und Leo Wrenkh. Ihr Vater Christian gründete 1982 das erste vegetarische Restaurant Wiens, 2009 übernahmen die Söhne. »Wir hatten gerade begonnen, uns beruflich zu orientieren: Ich war in der Schweiz, mein Bruder an der Hotelfachschule, wollte aber nicht in den elterlichen Betrieb einsteigen«, erzählt Karl Wrenkh. Das Angebot zu übernehmen kam überraschend, aus Mangel einer besseren Idee sagten sie schließlich zu. »Unser Vater hat uns zwei Tage Zeit gegeben, entschieden haben wir uns am selben Abend. Ausschlaggebend war unsere Liebe zu gutem Essen und Trinken, die wir von zu Hause mitbekommen haben.« Wesentlich länger kursierte das Thema Übergabe in der Vorarlberger Hoteliersfamilie Fetz. Seit 1756 betreibt sie das Hotel »Gasthof Hirschen« in Schwarzenberg im Bregenzerwald, Ende 2017 übernahm Peter Fetz den Betrieb nach einer zweijährigen Übergangsphase in 10. Generation von seinem Vater. »Meine Mutter behauptet immer, dass ich schon als Vierjähriger jedem erzählt habe, dass ich einmal Hotelier werden will. Als meine Schwester endgültig abgesagt hat, war klar, dass ich es werde«, erinnert sich der heute 28-Jährige. Druck hätte er in all dieser Zeit keinen verspürt: »Mein Vater hat immer gesagt: ›Wenn dich das hier nicht freut, verkauf alles und mach was anderes‹«, so Fetz.

Franziska und Victoria Grossauer in ihrem Lokal »streets« in Graz.

© Werner Krug

Der Plan B

Was aber, wenn die nächste Generation nicht übernehmen will oder ungelöste innerfamiliäre Konflikte eine Übergabe unmöglich machen? »Wichtig ist, rechtzeitig die Fühler auszustrecken, ob jemand aus der Belegschaft infrage kommt oder ob von außen jemand gesucht wird«, erklärt Unternehmensberaterin Manuela Mätzener. Auf keinen Fall sollte auf die nächste Generation Druck ausgeübt werden, rät auch der Traunkirchner Hotelier Wolfgang Gröller. Gemeinsam mit seiner Frau führt er vier Hotels, zwei Restaurants und eine Berghütte mit 33 Betten und einer Wirtsstube in dritter Generation. Seine beiden Töchter – 15 und 19 Jahre alt – sind noch in Ausbildung. Einen Plan B, sollten die Kinder nicht in den Betrieb einsteigen wollen, hat Gröller noch nicht. »Ich bin jetzt 47 Jahre alt. In zehn Jahren möchte ich versuchen, von meinen Kindern eine Entscheidung zu bekommen. Sie sind dann in einem Alter, wo sie schon wissen müssen, was sie wollen. Dann gebe ich mir noch drei Jahre, um den Betrieb zu übergeben. Wenn ihn keiner will, werden wir sehen. Bis dahin werden sich noch viele Dinge ändern.«

»Wir drängen unsere Kinder nicht. Sie können selbst ­entscheiden. Natürlich ­versuchen wir, ihnen Gastronomie gut vorzuleben.«
Wolfgang Gröller, Hotelier

Ähnlich entspannt sieht es auch Christian Ottenbacher vom »Ringhotel Adler« Asperg bei Ludwigsburg in Baden-Württemberg. Sein Sohn studiert derzeit in Amsterdam an der Hotelschool The Hague. »Wir haben also sehr gute Aussichten, dass er den Betrieb in der fünften Generation weiterführt«, so Ottenbacher. Falls nicht, würden er und seine Frau eine andere Lösung finden. Optimismus ist in der Causa also durchaus angebracht, nicht aber voreilige Schritte. Wer selbst ein »Begeisterter seines Berufs« ist, dem Nachwuchs Gastronomie gut vorlebt und ein herzliches Familienleben pflegt, so die Empfehlung von Wolfgang Gröller, erhöht seine Chancen, auch die Jugend für die Branche und eine Weiterführung des Betriebs zu begeistern.

Artikel aus falstaff KARRIERE 02/2018.

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