Falstaff-Umfrage: 80% gegen Konsumations-Verbot auf Wiener Märkten

Verkostungs- und Sitzgelegenheiten wie bei Käseland am Naschmarkt sollen künftig verboten werden.

© Falstaff/Astor

Auch beim Käseland kann man verkosten, bevor man einkauft.

Verkostungs- und Sitzgelegenheiten wie bei Käseland am Naschmarkt sollen künftig verboten werden.

© Falstaff/Astor

Die neue Marktordnung für Wiener Märkte von Stadträtin Ulli Sima sorgt für blankes Entsetzen bei den Standbetreibern und deren Kunden. Bis zu acht Sitzplätze durften Lebensmittelhändler auf Wiener Märkten bisher über sogenannte Gastro-Nebenrechte anbieten – etwa um Mittagsküche, gemütliches Verkosten der Produkte oder auch nur einen Kaffee für ihre Gäste anzubieten. Dieses Zusatzangebot wurde jetzt allerdings per 1. Juli gestrichen. Genussfeindlichkeit oder sinnvolle Maßnahme? Die Community ist sich einig: In einer Umfrage sprechen sich 80,04 Prozent gegen die neue Regelung aus, über 500 Befragte haben Ihre Stimme abgegeben!

Unter den Standlern wird diese Neuverordnung mehrheitlich als »reine Schikane« empfunden. »Das ist purer Schwachsinn« sind sich die Standbetreiber einig, »damit will man uns endgültig umbringen«. Eine Reaktion, die nur allzu verständlich ist, denn für viele Standler war die Möglichkeit zusätzlich auch Essen zu servieren wirtschaftlich von eminenter Bedeutung.

Und auch die Kunden sind »entsetzt« über das neue Konsumationsverbot. Wie die Falstaff-Umfrage klar und deutlich belegt. In den sozialen Netzwerken, z.B. auf der Falstaff-Facebook-Seite herrscht Unverständnis: »Nur zum Gemüse etc. kaufen fahr ich z.B. sicher nicht extra aus dem 13. zu einem Markt, sondern kaufe im Supermarkt um die Ecke bzw. gegenüber. Wenn man das mit einem guten Glaserl oder einem kleinen Happen verbinden kann schaut das schon wieder ganz anders aus.«, meint etwa Judith Frass-Wolfenegg.

Werden Sie jetzt aktiv: Unterzeichnen Sie die Petition gegen das Konsumationsverbot!

JETZT UNTERSCHREIBEN

Marktbesuch und Konsumation gehen einher, meint auch Katharina Klee: »Ich fahre fast jede Woche aus der Josefstadt öffentlich zum Meidlinger Markt, um dort einzukaufen und z.B. bei Anna am Meidlinger Markt eine köstliche Extrawurstsemmel und einen Kaffee zu genießen und anschließend am Markt einzukaufen. Ich finde diese Regelung der Stadtregierung mehr als verwunderlich.«

Stadt kämpft gegen die »Fressmeilen«

Die Stadt Wien bzw. die dafür zuständige Stadträtin Ulli Sima argumentiert so: »Wir haben einen Versorgungsauftrag, wollen die Märkte als Nahversorger erhalten und keine reinen Fressmeilen fördern.« Falstaff hat sich auch am Wiener Naschmarkt umgehört: Beim Essig-Händler Gegenbauer wusste man noch gar nichts von dem neuen Gesetz und zeigte sich irritiert. »Erst die Registrierkassa und jetzt das. Wir leben von unseren Stammkunden die am Samstag gemütlich ihren Kaffee bei uns trinken.« Neben einer kleinen Kaffeeküche bietet Gegenbauer auch Trinkessig zum Verkosten an. Und auch beim Delikatessenstand Poehl's ist man sich sicher, dass ein paar Tische den Verkauf des Nahversorgers ankurbeln anstatt ihm zu schaden.

Auch Gegenbauer bietet an Stehtischen Kaffee und Trinkessig an.

© Falstaff/Astor

Der einstige »Kebap-König« Mostafa Elhamarawi hat erst vor Kurzem von Kebap auf Gewürze umgesattelt. Der Grund: Das Marktamt hat ihm einen Großteil seiner Tische abgesprochen. Fortan sollte er nur an vier Tischen seinen Gästen die Möglichkeit geben, seine Falafel, Kebap und Co. zu essen. Für ihn zu wenig, weshalb er sich zur Gänze auf Gewürze spezialisiert hat. »Mit vier Tischen macht man keinen Umsatz!« Dagegen sollte sich die Politik mehr darum kümmern, dass das Angebot vielfältiger wird. »Es gibt kaum noch Gemüsestände hier, dafür an jeder Ecke Oliven«, so Elhamarawi.

Novellierung der Marktordnung im Spätherbst

Die Wiener Marktordnung unterscheidet grundsätzlich zwischen drei Varianten: Gastronomie, Handel und Dienstleistung. Um den ursprünglichen Zweck der Märkte zu erhalten wird die Gastro-Fläche bereits auf maximal ein Drittel der Gesamtfläche begrenzt, 51 Prozent der Stände müssen in die Kategorie Handel entfallen. Die vielen Regeln stehen immer wieder in der Kritik: Sei es bei der Sperrstunde oder bei Einschränkungen im Bereich der Ausschank – strenge Vorgaben lassen viele Händler verzweifeln.

Vonseiten der Stadt Wien wird jedenfalls für den Spätherbst eine grundlegende Novellierung der Marktordnung in Aussicht gestellt. Die neue Regelung mit dem Wegfall der Nebenrechte gilt nämlich nur für neue Bewilligungen, bestehende Gastro-Angebote von Händlern dürfen vorerst bestehen bleiben.

Meidlinger Markt sieht Rückfall in triste Zeiten

»Die neue Verordnung trifft den Meidlinger Markt tief in seiner gerade wieder aufkeimenden Pulsivität und Energie. Eine Vielzahl der neuen Handelsbetriebe nutzen die Nebenrechte in Teilen um neben dem Handel, der den Hauptbestandteil der wirtschaftlichen Aktivität ausmacht, den Kunden die Möglichkeit des Verweilens und Probierens zu geben«, kommentiert die Marktkonditorei Hüftgold am Meidlinger Markt auf Facebook in einem offenen Brief die neue Verordnung.

Merkblatt zur Untersagung der Ausübung der Nebenrechte:

MEHR ENTDECKEN

Mehr zum Thema

News

Best of: Streetfood to go in Wien

Von Kaiserschmarren über Steak-Sandwich bis Langos – das Streetfood-Angebot in Wien ist aktuell so vielfältig wie noch nie. Hier unsere Favoriten.

News

Ausschreibung für Gastronomie im Parlament

FOTOS und Renderings vom geplanten Restaurant für das jetzt ein Betreiber gesucht wird. Falstaff hat alle Anforderungen und Rahmenbedingungen...

News

»D-Bar« begibt sich auf Zeitreise zu den Azteken

Fremde Kulturen, außergewöhnliche Drinks: Die »D-Bar« schließt sich mit dem Weltmuseum Wien zusammen und begibt sich zukünftig auf kulturelle...

News

Wien: Heuriger im Schloss Schönbrunn heißt »Joseph II.«

Da internationale Touristen Corona-bedingt ausbleiben, wollen die Betreiber den Wienern ab Herbst traditionelle Heurigenkultur bieten.

News

Corona: Ideen für öffentliche Schanigärten in Wien

Die Wiedereröffnung der Gastronomie wird wohl vorerst nur über Gastgärten erfolgen. Leser wünschen sich den Stadtpark, Schönbrunn, den Augarten u.v.m.

News

Corona: Wiener Stadtpark soll Schanigarten werden

UMFRAGE: Wo wünschen Sie sich einen öffentlichen Schanigarten? Die Stadt Wien plant eine umfangreiche Ausweitung der Gastgarten-Flächen ab 27. März.

News

Balance Days im Handwerk Restaurant Wimberger

Ganz nach dem Motto: »Wir kochen, Sie genießen mit gutem Gewissen«. Fitter, leichter und glücklicher fühlen mit KOSTbarkeiten aus dem Handwerk...

Advertorial
News

Top 10 Kulinarische Souvenirs aus Wien

Welche Spezialitäten man sich aus Wien unbedingt mit nach Hause nehmen bzw. bestellen sollten, erfahren Sie hier.

News

»Pronto Volante«: Neuer Pizza-Hotspot in Wien

Als »kleine Schwester« der »Disco Volante« soll demnächst im 4. Bezirk eine Imbiss-Variante der Pizzeria Neapoletana eröffnen.

News

1980: Die Erfindung der Wiener Szene

40 Jahre Falstaff: Es musste erst eine Handvoll kreativer Individualisten kommen, um Wiens Nachtleben in den Achtzigern querzubürsten.

News

Schöner Shoppen: Best of Wien

Käse bis Kuchen – An diesen zehn Adressen wird der Lebensmittel-Einkauf zum Genuss.

News

Räumungsklage gegen »Landtmann« trotz Corona-Krise

Cafétier Berndt Querfeld ortet Angriff gegen Wiener Kaffeehauskultur. Der Vermieter, die Karl Wlaschek Privatstiftung, lehnte eine Mediation ab. Ihre...

News

Neu in Wien: »Pizza & Amore«

Echte neapolitanische Pizza gibt's in der Ottakringer Straße aktuell zum Abholen oder Liefern-Lassen. Kreative Selbst-Beleger ordern nur den...

News

»Handwerk Restaurant«: Franz bringt auch die Festtagsgans

Darf’s für die Feiertage ein bisserl MEHR Zeit sein? Das »Handwerk Restaurant« in Wien übernimmt für Sie heuer den aufwändigen Küchendienst.

Advertorial
News

Welcome Back 2021: Wien-Urlaub für Einheimische

»Erlebe Deine Hauptstadt.Wien«: Ab sofort können attraktive Hotel-Packages mit vielen Zusatzangeboten für den Start des neuen Jahres gebucht werden.

News

»Pichlmaiers zum Herkner« hat neuen Abhol- und Lieferservice

Das legendäre Wiener Beisl »Pichlmaiers zum Herkner« bietet im November seine erstklassigen Speisen zum Abholen oder via eigenen Lieferdienst an.

Advertorial
News

Terror in Wien: Zigfacher Dank an heldenhafte Gastronomen

Nach einem Bericht über aufopferndes Verhalten von Gastronomen erreichte uns eine Welle von Dankbarkeit mit mitunter dramatischen Schilderungen. Die...

News

Terror in Wien: So schützten Gastronomen ihre Gäste

Wir holen Menschen vor den Vorhang die Zusammenhalt und Zivilcourage bewiesen haben und sammeln weitere positive Erfahrungen.

Rezept

Kaiserschmarren

Ein wahrer Wiener Klassiker und Nationalheld auf dem Teller: Der Kaiserschmarren ist mit ein Grund, warum die Wiener Küche so beliebt ist.

Rezept

Tafelspitz

Rezept von Ewald und Mario Plachutta, Restaurand »Plachutta« in Wien.