http://www.falstaff.at/nd/falstaff-tipps-von-den-en-primeur-verkostungen/ Falstaff-Tipps von den En-Primeur-Verkostungen Peter Mosers Erkenntnisse aus dem Bordelais für die einzelnen Regionen.

Zu den Erkenntnissen der Verkostungen: In den Appellationen Médoc und Haut-Médoc fällt es leicht, gut ausgereifte Weine zu finden, die mit deutlich mehr Frucht und Struktur aufwarten, als dies in einem Durchschnittsjahr der Fall ist. Hunderte Bürgerliche Gewächse aus dieser Kategorie wurden präsentiert und warten nun auf Käufer. Viele von ihnen werden allerdings nicht nach dem En-primeur-Modus gehandelt, auch reicht die Zeit nicht annähernd aus, um sich mit diesem Thema eingehend zu beschäftigen. Es gibt sehr ansprechende Weine in Hülle und Fülle, meine Tipps heißen Cambon la Pelouse, Potensac, Sociando-Mallet und La Tour Carnet – alles Weine, welche die hohen Ansprüche eines Cru Classé locker erfüllen. Aus den Böden von Listrac und Moulis kommen ebenfalls Weine, die deutlich mehr Körper haben als gewöhnlich. In Jahren eines reifen Cabernet Sauvignon ist es immer ratsam, ein paar Magnums Poujeaux aus Moulis in den Keller zu legen.

Margaux
2009 wird in Margaux als besonders erfreuliches Jahr in Erinnerung bleiben. Ein faszinierend gut gelungener Château Margaux, ausgestattet mit jener den Appellationen eigenen Eleganz und Seidigkeit, strahlt über seinen Mitbewerbern wie die Junisonne. Charmant und zugleich ernsthaft zeigt sich der Palmer, der in einem sensationellen Rauzan-Ségla einen echten Rivalen um den zweiten Rang hat. Dann folgen der Aufsteiger des Gebietes, Malescot-St.-Éxupéry und ein ausgezeichneter Giscours. Falstaff-Tipp in Margaux ist Marquis de Terme, der sich diesmal ganz überraschend gut präsentierte und den Stil sowie das Terroir von Margaux bestens reflektiert.

Saint-Julien
In der Nachbarregion Saint-Julien herrscht 2009 wahrlich kein Mangel an tollen Gewächsen, die Homogenität der Appellation ist unübersehbar. Léoville-Las-Cases ist der Primus inter pares, dicht gefolgt von Ducru-Beaucaillou und Léoville-Barton. Der Falstaff-Tipp gilt dem Gruaud Larose, einem alten Klassiker, der in diesem Jahr zu absoluter Bestform aufgelaufen ist.

Pauillac
In Pauillac reiht sich ein mythischer Name an den nächsten, nirgendwo sind mehr Topgewächse anzutreffen. Entsprechend hoch liegt die Latte, wenn es um die Frage geht, wer die Nase vorne hat. Gleich drei Premiers rittern um die Ehre, Latour bot den komplexesten Eindruck, Mouton den elegantesten und Lafite vielleicht den monolithischsten. Dahinter folgen eine feine Comtesse, ein strukturierter Baron und auf Augenhöhe der Pontet-Canet. Der Falstaff-Tipp in Pauillac heißt Château Bataillay, hier hat die Equipe von Borie-Manoux ganze Arbeit geleistet, um nicht zu sagen: ein kleines Wunder vollbracht.

Saint-Éstèphe
In Saint-Éstèphe ist die Qualität durchgängig hoch. Ein ganz klassischer Calon-Ségur einerseits und ein moderner, kraftvoller und würziger Cos d’Estournel bilden die Spitze der Qualitätspyramide, verschieden wie Okzident und Orient. Solide ist der Montrose, überdurchschnittlich der Cos Labory und mineralisch, aber auch voll fruchtiger Substanz der Falstaff-Tipp in Saint-Éstèphe, nämlich Lafon-Rochet.

Pessac
In Pessac sind die beiden Haut-Brions naturgemäß an der Spitze, auf dem folgenden Platz ist diesmal Smith Haut-Lafitte mit einem ganz ausgezeichneten Rotwein zu finden, da kann selbst der hoch einzuschätzende Pape-Clément nicht ganz mithalten. Falstaff-Tipp aus Pessac ist Haut-Bailly, der aus einem Jahr wie 2009 in keinem guten Keller fehlen sollte. Die Weißweine der Appellation sind solide ausgefallen, es fehlt jedoch oft am entscheidenden Säurekick.

Sauternes
Sauternes freut sich über ein ausgezeichnetes Süßweinjahr mit sehr solider Botrytis, die Weine zeigten sich schon sehr gut in Form. Ein gewisser stilistischer Trend hin zu mehr Frische und Finesse ist zu erkennen, selbst Château d’Yquem wandelt lobenswerterweise auf diesem Pfad. Sehr gelungen in der frischen Art sind Giraud und der wunderschöne Barsac von Doisy-Daene, Letzterer fungiert als Falstaff-Tipp dieses Jahrgangs.

Chateau d'Yquem / Foto beigestellt
Chateau d'Yquem / Foto beigestellt

Pomerol
Am rechten Ufer kann man zunächst feststellen, dass in Pomerol der Begriff »Jahrhundertjahrgang« ganz ohne Scheu gebraucht werden darf; ist die Qualität bei Weitem nicht so einheitlich. Hier zeigt sich umso klarer die Bedeutung eines großen Terroirs, denn die Argilo-Calcaire-Böden des Plateaus in Saint-Émilion und seiner Abhänge in Saint-Émilion brachten Wein mit viel mehr Finesse und Frische hervor als alle anderen Böden. Auch das Verhältnis der Anteile von Merlot und Cabernet Franc spielte eine enorme Rolle bei der stilistischen Ausformung der Weine. Sehr gut präsentierten sich die beiden Premiers Crus, aber für die volle Punktezahl reichte es hier nicht ganz. Auf diesem Niveau spielen auch ein Angélus, Pavie-Macquin, Pavie, Péby Faugères oder Valandraud mit. Hier wird erst die Zeit weisen, wer die Nase wirklich vorne haben wird.

Saint-Émilion
Ausgezeichnete Weine gibt es in Saint-Émilion sehr viele, aber auch etliche, bei denen die Harmonie nicht stimmt, der Alkohol dominiert und die Tannine überextrahiert und trocken daherkommen. Falstaff-Tipps gäbe es einige, hier ein Trio: Canon la Gaffelière, Larcis-Ducasse und der Rol Valentin, letzteres Château ist jetzt in der Hand der Familie Robin. Ein Klassewein ist der Figeac, der offensichtlich von diesem exzellenten Jahrgangsverlauf in besonderem Ausmaß profitieren konnte.

Pomerol
Pomerol präsentiert sich als wahres Schlaraffenland für Merlot-Liebhaber, man muss allerdings in der Lage sein, einiges Geld in die Hand zu nehmen, will man an den Superlativ-Weinen des ganzen rechten Ufers teilhaben. Pétrus, Le Pin und Lafleur als »Trio génial« anzusagen bedarf keinerlei hellseherischer Begabung. Exzellent ausgefallen sind La Conseillante, Vieux Château Certan und Petit Village. So gut wie lange nicht ist der Gazin, eine Sünde wert wäre der nach wie vor etwas unterschätzte Trotanoy, die beiden »Falstaff-Tipps« heißen La Croix de Gay und Lafleur-Pétrus.

Zur Frage nach dem Subskriptionseinkauf lässt sich im Moment noch nichts Präzises sagen, natürlich ist dieser dann sinnvoll, wenn man auf einen ganz bestimmten Wein aus ist oder spezielle Sonderformate haben möchte. Für die kommende Falstaff-Ausgabe bereitet das Redaktionsteam eine konkrete Subskriptionsempfehlung vor, wir werden die bis dahin vorliegenden Preise und Angebote für Sie genau analysieren und Ihnen die entsprechenden Tipps geben.

von Peter Moser

aus Falstaff 03/10

 

Latour
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