Während man vor zwei Jahren in Supermärkten noch nach naturtrüben Apfelsäften suchen musste, ist das Angebot seitdem stark gewachsen. Naturtrüb ist Trend – das in der Spitzengastronomie zum Motto avancierte »Back to the Roots« gilt auch beim Apfelsaft, verbindet man mit dem Produkt doch Ursprünglichkeit und ländliches Idyll. Und so ziehen immer mehr Konsumenten »getrübten« Genuss den klaren Produkten vor.

Spitzenplatz für den Apfelsaft
Generell zählt Apfelsaft zu den beliebtesten Säften der Österreicher. Gleich nach dem Orangensaft – von ihm wurden laut Wirtschaftskammer Österreich im Jahr 2011 468.553 Hektoliter konsumiert – rangiert Apfelsaft mit 411.029 Hektolitern knapp auf Platz zwei des heimischen Saftrankings. Die Top drei komplett macht – mengenmäßig weit abgeschlagen – Multivitaminsaft mit nur 156.011 Hektolitern. In Hinblick auf die wirtschaftliche Bedeutung dürfte dem Apfelsaft allerdings der erste Platz sicher sein, denn im Gegensatz zu seinem südländischen Konkurrenten werden für den ­Großteil der angebotenen Apfelsäfte heimische Obstsorten verarbeitet. Anders als Zitrussäfte enthält Apfelsaft jedoch von Natur aus kaum Vitamin C, weswegen dieses häufig im Produktionsverfahren zugesetzt wird. 

Naturtrüb heißt gesund
Apropos Produktion: Naturtrüber Apfelsaft wird im Gegensatz zu klarem Saft nach dem Pressen nicht gefiltert. Dies schlägt sich nicht nur in der Optik nieder, er schmeckt auch ­voller. Vor allem unter gesundheitlichen Aspek­ten gilt: Apfelsaft ist nicht gleich Apfelsaft. Die Schwebstoffe in den naturtrüben Produkten enthalten fünfmal so viel Antioxidantien wie jene in klaren Varianten, wobei die Ergebnisse je nach Apfel­sorte variieren. Hauptsächlich handelt es sich dabei um Polyphenole, die Forschungen zufolge unter anderem Krebs und Herzerkrankungen vorbeugen. Man kann also sagen, dass naturtrüber Apfelsaft generell gesünder ist als klarer. Aufgrund seines hohen fruchteigenen Zuckergehalts sollte naturtrüber Apfelsaft allerdings nicht literweise pur, sondern bevorzugt gespritzt getrunken werden.

Die Säfte im Test
Neben dem großen Angebot im Lebens­mittel­einzelhandel verfügt das Apfelland Österreich über eine Vielzahl an renommierten ­Betrieben und kleinen Herstellern, die ausgezeichnete ­Apfelsäfte liefern. Entsprechend breit war auch unser Test-Sample. Ebenso traditionsreich wie das Produkt war die Verkostungs-­Location: die Beletage des Wiener Spitzen­restaurants »Zum Schwarzen Kameel«. Die Expertenjury – darunter etwa ORF-Lady ­Claudia Reiterer und Sommelier Hermann ­Botolen – bewertete die insgesamt 37 Proben nach den Kriterien Geruch und Geschmack. Die Optik wurde bei der Verkos­tung außen vor gelassen, da schwer zu definieren ist, wie ein »schöner« naturtrüber Apfelsaft auszusehen hat. In die Endnote flossen Geschmack zu 55 Prozent, ­Geruch zu 30 Prozent und Preis/Leistung zu 15 Prozent ein.

Die Beletage im ­»Schwarzen Kameel« war Schauplatz der Verkostung
Die Beletage im ­»Schwarzen Kameel« war Schauplatz der Verkostung


Die Beletage im ­»Schwarzen Kameel« war Schauplatz der Verkostung

Best of Naturtrüber Apfelsaft
Insgesamt wurden 37 Produkte unterteilt in Dreier-Flights verkostet. Zehn waren in Tetrapacks gefüllt, 27 in Glasflaschen. Da sich die Art der Verpackung auf die Qualität auswirkt und mitunter für die Kaufentscheidung ausschlaggebend ist, werden die Ergebnisse in zwei Kategorien präsentiert. Bei sechs Säften handelte es sich um reinsortige Produkte, gepresst aus Jonagold-Äpfeln. Bei der Auswahl der Proben wurden sowohl das heimische Supermarktangebot als auch Produkte von renommierten Produzenten berücksichtigt – die Auswahl erhebt selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Benotung erfolgte nach umgekehrtem Schulnotenprinzip. Die Gesamtnoten wurden gerundet, für die Reihenfolge wurden die Stellen nach dem Komma allerdings berücksichtigt.


Die Ergebnisse des Tests sehen Sie in der Bilderstrecke, beginnend mit den Tetrapacks und gefolgt von den Glasflaschen.



»Es ist schön, in Öster­reich eine so große Auswahl an ­natürlichen natur­trüben ­Apfelsäften zu bekommen, ­ehrlich und ohne ­Zusatzstoffe!«

Hermann Botolen
Sommelier






»Die meisten Säfte schmeckten fad
und flach. Duftiger, frischer, sauberer süßsaurer Apfel war die Ausnahme.«

Katharina Seiser
Kulinarikjournalistin und Kochbuchautorin
www.esskultur.at




»DEN Apfelsaft gibt es nicht – zum Glück! Es wäre schade um die Sorten- und ­Geschmacksvielfalt.«
Sarah Krobath
Mitbegründerin des Slow Food Youth Wien ­Conviviums und Autorin des Food-Blogs »Sarah Satt«
www.slowfoodyouthwien.a
t




»Bei Apfelsaft denke ich an meine ­Kindheit. Wenn er so schmeckt wie bei meinen Großeltern, dann ist er perfekt.«

Marion Topitschnig
Falstaff-Redakteurin und Organisatorin
dieser Fachverkostung

 

 


»Naturtrüber Apfelsaft boomt. Viele Proben waren nicht naturtrüb, ­sondern hoch färbig, oxidativ oder einfach nur ­fehlerhaft.«

Martin Feichtner
Wein & Co Sommelier und zuständig für den Fruchtsafteinkauf
www.weinco.at



»Die Verkostung hat nicht nur mein ­Wissen ob der vielen Sorten erweitert, sondern auch meinen Gaumen erfreut – meistens.«

Claudia Reiterer
ORF-Moderatorin des Servicemagazins »Konkret«
www.orf.at






Text von Marion Topitschnig
Aus Falstaff Nr. 06/2012

 

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