Ein kreatives und technisches Meisterwerk: die Rotonde de Cartier Erde und Mond / Foto: beigestellt

Nachts im Grand Palais in Paris. Mondschein umschmeichelt einen schlafenden Panther, sein glänzendes Fell ist mit Juwelen besetzt. Plötzlich räkelt sich die mächtige Katze, schüttelt Platin und Edelsteine ab, ein Regen aus Diamantenstaub erhellt den gro­ßen Saal. Dann springt sie geschmeidig durch einen dreigeteilten Ring, einem Zeittor gleich, in eine mystische vergangene Welt voller Eleganz und Grazie.

 

 

 

Das Symboltier des Hauses: la Panthère, 1935 entworfen und für die Gegenwart »wiederbelebt« / Foto: beigestellt
Das Symboltier des Hauses: la Panthère, 1935 entworfen und für die Gegenwart »wiederbelebt« / Foto: beigestellt

Willkommen in der »L’Odyssée de Cartier«, einem bemerkenswerten Video, in dem das 1935 von Jeanne Toussaint, genannt »la Panthère«, entworfene Symboltier des Hauses zum Leben erweckt wird und die wichtigsten Schauplätze der bald 170-jährigen Geschichte des berühmtesten Juweliers der Welt durchstreift. Der winterliche Hof der Zaren, der goldene Drachen von China, die Paläste der Maharadschas, eine Begegnung mit dem Flugpionier Alberto Santos Dumont – kein »Must de Cartier« wird ausgelassen. Es mag einfachere Wege geben, um in dieses Universum aus edlen Steinen, komplizierten Uhren und anderen schönen Dingen einzutauchen, aber kaum verführerischere. Und schon gar nicht günstigere: Der Eintrittspreis in den Cartier-Klub liegt bei etwa 780 Euro für einen einfachen, dreigliedrigen »Trinity«-Ring, um neue, jüngere Kundinnen zu locken. Doch die Preisskala ist nach oben hin offen – was auch in der Natur der oft individuell gefertigten Cartier-Produkte liegt, die in aller Welt als Synonym für puren Luxus schlechthin gelten. »Maison«: Understatement à la Cartier So tragen die unzähligen Schmuckstücke, Uhren, Parfüms und edlen Lederwaren der »Maison«, wie sich das Unternehmen selbst gerne schlicht nennt, heute (gemeinsam mit der Juwelenmarke Van Cleef & Arpels) mehr als die Hälfte zum Gesamtgeschäft der Muttergesellschaft, des gigantischen Schweizer Luxuskonzerns Richemont, bei. Dessen Umsatz lag 2013 bei gut zehn Milliarden Euro, der Gewinn bei rund 2,5 Milliarden Euro.C wie CartierDoch viel mehr als an diesen großen Eckkoordinaten lässt sich die Welt von Cartier an vier kleineren Dimensionen vermessen – den sogenannten »4 C«. Sie beschreiben die Güte eines Diamanten, des nobelsten aller Steine, um den sich hier alles dreht. Das erste »C« steht für »Carat«, das Gewicht des Diamanten. Das zweite »C« beschreibt seine Reinheit, die »Clarity«, das dritte »C« die Farbe (»Color«) und das vierte »C« den »Cut«, also den Schliff. Die Ehrfurcht, die Behutsamkeit, das Feingefühl, mit denen die Meisterjuweliere dieser kristallenen Frucht des Bodens begegnen, machen letztlich die Qualität all der Colliers, Broschen, Ringe, Tiaren, Bänder und Ketten aus. Dass man auch mit einem Nagel große Freude bereiten kann, beweist die Stilikone »Juste un Clou« / Foto: beigestelltDass Cartier auch zu den besten Herstellern ungemein komplexer mechanischer Uhren – eine der höchsten Stufen der Handwerkskunst – zählt, liegt in dieser Demut vor der Natur der Materie, die es veredelt. Der Stein bestimmt das Design eines Schmuckstücks – und nicht umgekehrt, lautet die eherne Regel des Hauses. Sie geht zurück auf das Jahr 1847, als der Gründer Louis-François Cartier den kleinen Laden seines Lehrmeisters übernahm. Das außergewöhnliche Talent des Meisterjuweliers, der bald auch Taschenuhren ins Sortiment aufnahm, zog rasch die Pariser Gesellschaft an, bald kauften Prinzessin Mathilde, die Cousine des Kaisers Napoleon III., und Kaiserin Eugenie bei ihm ein. Juwelier der Könige, König der JuweliereKurz vor der Jahrhundertwende übernahmen seine drei Enkel Louis, Pierre und Jacques die Manufaktur und bauten sie zum ersten globalen Luxuskonzern aus. 1902 eröffnete Cartier eine Filiale in London und wurde kurz darauf zum exklusiven Lieferanten der Royals – angeblich prägte Thronfolger Edward VII. den Slogan »Juwelier der Könige, König der Juweliere«. 1908 wurde ein Geschäft in St. Petersburg eröffnet, ein Jahr später ein Shop in New York. Parallel zu dieser Expansion gelang dem längst über den Status einer Manufaktur hinausgewachsenen Haus eine Reihe von Innovationen.

Die Tank Anglaise in 18-karätigem Rotgold mit Brillanten hebt die Modellreihe auf die nächste Ebene / Foto: beigestellt
Die Tank Anglaise in 18-karätigem Rotgold mit Brillanten hebt die Modellreihe auf die nächste Ebene / Foto: beigestellt

Am bekanntesten ist wohl die von Louis Cartier 1904 für den gleichnamigen Flugpionier entworfene Armbanduhr »Santos«, angeblich die erste der Welt. Ein paar Jahre später überraschte er die Uhrenbranche mit »Les Pendules Mystérieuses«, deren Zeiger auf geheimnisvolle Weise auf dem Ziffernblatt zu schweben scheinen. Und Modelle wie die »Tank«, deren Armband den Kettenrädern der Weltkrieg-Eins-Panzer nachempfunden ist, die »Ballon Bleu« mit den Schwertzeigern oder die »Tortue« in Schildkrötenform werden bis heute immer wieder neu interpretiert und in den Hauswerkstätten im Schweizer Vallée de Joux, wo die besten Uhrmacher der Welt werken, mit den schwierigsten Komplikationen – fliegendes Tourbillon, retrograde Mondphasenanzeige, Astrokalendarium –  ausgestattet.

Bei ihrer Einführung 1912 galt sie als avantgardistisch, heute ist sie nicht mehr wegzudenken: die Tortue / Foto: beigestellt
Bei ihrer Einführung 1912 galt sie als avantgardistisch, heute ist sie nicht mehr wegzudenken: die Tortue / Foto: beigestellt

Das einzige Unternehmen mit Hymne2005 hat das Cartier die »Genfer Punze«, das höchste Uhren-Qualitätsiegel, eingebracht.Doch letztlich geht der magische Ruf von Cartier auf die Legenden zurück, die sich um diese Marke ranken: Geschichten wie jene des Maharadschas von Patiala, der erste Inder, der ein Auto und ein Flugzeug besaß und 1925 mit tausenden Edelsteinen im Gepäck im Hauptgeschäft in der Rue de la Paix auftauchte und eine nie vollendete Großbestellung aufgab. Oder die Story der Diamanten-Onyx-Brosche von Wallis Simpson, der Geliebten des abgedankten Edward VIII., mit den eingravierten Initialen »WE«, die 2010 für 4,5 Millionen Pfund versteigert wurde. Nicht zu vergessen das Tamtam, das um den 68-Karat-Klunker gemacht wurde, den Richard Burton 1969 um kolportierte 1,1 Millionen Dollar für Elizabeth Taylor erwarb. So wundert es nicht, dass Cartier als wahrscheinlich einziges Unternehmen dieser Welt eine eigene Hymne hat. Bekannteste Interpretin: Marilyn Monroe. Ihr Titel: »Diamonds are a Girl’s best Friends«.

 

 

 

Text von Rainer Himmelfreundpointner
Aus Falstaff Nr. 01/2014 bzw. Falstaff Deutschland Nr. 02/2014

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