Extrem-Sommer bringt historisch frühe Lese

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Während in Breitenmedien mit einer frühen Weinlese und einem tollen Rotweinjahrgang spekuliert wird, wissen Falstaff-Leser mehr: Mit der Lese 2018 wurde längst begonnen. Und zwar nicht nur mit dem frühreifen Bouvier, der u.a. für Sturm verwendet wird, sondern weit verbreitet auch mit Sektgrundwein, für den man eine lebendige Säure braucht. Franz Landauer aus Tattendorf in der Thermenregion meldet, dass er am Montag bereits Muskat-Trauben gepresst hat und nächste Woche schon Gelben Muskateller eingeplant hat.

Eine derart frühe Ernte ist nicht unbedingt im Sinne der Winzer. Für tiefgründige und vielschichtige Aromatik braucht es eine möglichst lange Vegetationsperiode. Aber die Weinbauern haben mit heißen Jahren gut umzugehen gelernt und bewahren durch rechtzeitige Lese eine gute Säurestruktur. Für die Spitzenweine lässt man sich aber noch so lange wie möglich Zeit. Insgesamt ist die Stimmung in Österreich aber sehr optimistisch. Andreas Liegenfeld, Präsident des Weinbauverbandes Burgenland ortete im APA-Gespräch »sensationelle Voraussetzungen« für die heurige Weinlese. Weinbaupräsident Johannes Schmuckenschlager hält eine um bis zu zehn Prozent höhere Weinmenge als im langjährigen Durchschnitt für möglich.

Im Norden trocken, im Süden nass

Der Sommer 2018 hat die bisherigen Erfahrungswerte im Weinbau auf den Kopf gestellt, selbst Winzer mit jahrzehntelanger Praxis können sich an kein vergleichbares Jahr erinnern. Durch das hartnäckige Sommerhoch im Norden Europas kämpfte vor allem Deutschland mit extremer Trockenheit. Am Rande bekamen das auch die heimischen Landwirte im nördlichen sowie östlichen Weinviertel zu spüren. Michael Schwarz aus Andau berichtet hingegen, dass er im Seewinkel – normalerweise eine der heißesten und trockensten Regionen – bislang noch nicht bewässern musste. Das Burgenland war wie Wien generell gut mit Niederschlägen versorgt, wobei es starke regionale Unterschiede gab. Vor allem im Süd- aber auch im Mittelburgenland mussten vereinzelt Hagelschäden hingenommen werden.

Für die Steiermark kündigt sich ein relativ normales Jahr an. Es gab sehr viel Niederschlag und die Trauben haben keinen nennenswerten Reifevorsprung. Gerhard Wohlmuth rechnet im Sausal mit einem Erntestart zwischen 5. und 10. September.

In Deutschland kämpften die Winzer mit Hitze und Trockenheit
In Deutschland kämpften die Winzer mit Hitze und Trockenheit

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Deutschland

Noch extremer fiel der Sommer in Deutschland aus, wo die Ernte vielerorts ebenfalls schon begonnen hat. Besonders in der Pfalz kommt man ins Schwitzen. Thomas Pfaffmann vom Weingut Wageck in Bissersheim berichtet dem Falstaff: »Wir haben schon wieder 35 Grad, das ist eigentlich eine Katastrophe dieses Jahr, die Reben leiden Stress. Wir kommen nicht mehr nach: haben viel Arbeit im Keller, weil wir die Lese vorbereiten müssen. Gleichzeitig müsste man sich um den Weinberg kümmern.« In weiten Teilen der Pfalz und in Rheinhessen mussten die Weingärten – besonders die Junganlagen – bewässert werden.

Im Rheingau steht man den Entwicklungen abwartend und etwas ratlos gegenüber. Theresa Breuer aus Rüdesheim bringt die mangelnde Erfahrung mit diesen Extremen auf den Punkt: Es ist im Moment wirklich ein »keine Ahnung-Gefühl«. Lediglich an der Mosel ist man entspannt, es hat ausreichend Niederschlag gegeben und durch die kühlen Lagen hat die Hitze den Trauben kaum zu schaffen gemacht. Tobias Treis aus Reil rechnet nicht vor Ende September mit dem Beginn der Lese:

»Ich weiß auch nicht, warum es der Herrgott immer so gut mit uns meint.«

In Italien verlief das Jahr bisher recht unauffällig.
In Italien verlief das Jahr bisher recht unauffällig.

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Italien

In den italienischen Weinbauregionen ist der Sommer mittlerweile auch angekommen, aber durch reichlich Niederschläge im Frühjahr bzw. Frühsommer zeigt man sich rundum zufrieden. Barbara Sandrone aus dem Piemont berichtet tiefenentspannt: »Es ist ein sehr ausgewogener Sommer, es ist warm aber im Sommer muss es ja warm sein.« In Südtirol und im Friaul rechnet man mit einer etwas früheren Ernte, aber es sei alles durchaus im Rahmen.

In der Toskana ist Giovanni Neri aus Montalcino sehr zuverstichtlich gestimmt: »Wir hatten im Mai/Juni sehr viel Regen und haben zur Zeit gute Hitze, die Böden sind mit Wasser gefüllt und werden durch die Wärme aufgeheizt, das passt sehr gut.« Neri rechnet damit, dass in rund eineinhalb Monaten mit der Ernte begonnen wird. Auch Alessio Planeta berichtet von reichlich Niederschlägen im Juni und einer normalen Reifeentwicklung der Trauben auf Sizilien.

Auch in der Champagne wird rund zwei Wochen früher geerntet.
Auch in der Champagne wird rund zwei Wochen früher geerntet.

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Frankreich

In Frankreich rechnet man allgemein mit einer früheren Ernte und hofft nach dem Katastrophen-Jahr 2017 vor allem auf guten Ertrag. In Prognosen sieht man sich deutlich über dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Im Vergleich zum Vorjahr erhofft man sich ein Plus von rund einem Drittel. Getrübt wird die Zuversicht durch massive Hagelschäden im Bordelais, die auch noch Mehltau-Probleme mit sich brachten. In der Champagne ist der Fortschritt der Traubenreife rund 15 Tage vor einem normalen Jahr. 

Abgerechnet wird am Schluss: Es bleibt zu hoffen, dass es keine weitern Wetterkapriolen gibt und dass vor allem der September schön und trocken wird. Erst wenn die Trauben im Keller sind, kann man vernünftige Vorhersagen über die Qualität des Jahrgangs machen.

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