Exotische Früchte von Österreichs Feldern

Biozitronen wachsen am Faakersee in Kärnten.

© Michael Ceron, Der Bio-Zitrusgarten

Biozitronen wachsen am Faakersee in Kärnten.

© Michael Ceron, Der Bio-Zitrusgarten

Österreichs Obst- und Gemüsebauern beginnen langsam sich auf das mildere Klima einzustellen. Statt Äpfel und Birnen, Kartoffeln und Karotten, gedeihen mittlerweile echte Exoten auf so manchem Hof. Vor zwanzig Jahren noch undenkbar, wagen Agrar-Rebellen den Schritt über den sprichwörtlichen Tellerrand hinaus. Und das mit Erfolg. Und Ertrag.

Der Olivenhain am Neusiedlersee

Schön anzusehen sind sie, die feinen weißen Blüten der Olivenbäume, wenn sie im Mai vorsichtig ihre Knospen in Richtung pannonischer Sonne öffnen. Herangewachsen in Norditalien, stehen sie jetzt im burgenländischen Mörbisch, direkt am Neusiedlersee. Sabine Haider und Franz Günther haben sie vor rund drei Jahren gepflanzt. »Wenn man in Österreich Oliven anbauen kann, dann im Osten. Wir haben am Neusiedlersee ein sehr ähnliches Klima wie am Gardasee, in Istrien oder in Triest.«

Die Bäume durch den Winter zu bringen, sei gar nicht die größte Herausforderung, sagt Haider. Der diesjährige Winter war zwar etwas kälter, aber gleichmäßiger. Erst extrem kalte Tage mit bis zu minus 15 Grad werden ein Problem für die Oliven. Dann kommt es zu Frostschäden. »Wen sollen wir um Hilfe bitten? Wir sind ja die Pioniere! Das heißt, es ist derzeit viel Learning-by-Doing«.

Noch fällt die Ernte bescheiden aus, drei Kilo waren es im Jahr 2018. Die Oliven legen die beiden in Wien lebenden Neo-Bauern in Salzlake ein und verschenken sie im Freundes- und Familienkreis. Der Ab Hof-Verkauf lohnt sich noch nicht, ist aber geplant. »Langfristig wollen wir auch Olivenöl pressen. Aber wie lange das dauert, kann ich noch nicht sagen.«

Dass der Klimawandel massive Auswirkungen auf unsere Landwirtschaft hat, davon sind die Olivenexperten überzeugt: »Ich denke in unseren Breiten werden wir eher Vorteile haben. Die Diversität könnte heute schon größer sein. Jeder Bauer ist also gut beraten, sich zu überlegen, wie es weitergeht.«

Reis aus Niederösterreich

Ein Bauer, der sich diese Frage bereits gestellt hat, ist Gregor Neumeyer, der in Niederösterreich Reis anbaut. Auf einer Fläche von rund zehn Hektar gedeiht in Gerasdorf vor den Toren Wiens, sein sogenannter »Österreis«, den er online auch an Privathaushalte verkauft.

Seit fast vier Jahren wird Reis auch im Seewinkel geerntet, von Bio-Bauer Erwin Unger. Der Pionier erntete während seiner jahrelangen Experimente viel Kopfschütteln. 2016 war das vorbei. Der erste Reis in höchster Bio-Qualität von heimischen Feldern war da. 

Angebaut wird der Reis im Seewinkel trocken, so wie auch in Niederösterreich. Das bedeutet, das Feld wird nur bei Bedarf bewässert, anstatt dauerhaft geflutet, wobei eine große Menge an Methangas entstehen würde.

Mittlerweile ist der Reis – in weiß, schwarz und rot – sogar in den Supermarktregalen zu finden. Laut Eigendefinition »der nördlichste Bioreis der Welt«.

Zitronen aus Kärnten

Wer hätte gedacht, dass sich die größte Zitronensammlung Europas in Kärnten findet? 283 Sorten züchtet Michael Ceron in seiner Gärtnerei in Faak am See. Stolz darf er sich zertifizierter Bio-Zitronenbauer nennen. Da Biofrüchte ausschließlich von ausgepflanzten Bäumen geerntet werden dürfen, kultiviert Ceron sie im Gewächshaus. Seine Kunden sind Spitzenköche aus Österreich und Deutschland. Besonders gefragt sind ausgefallenere Sorten wie Buddhas Hand, Maxima, VozzaVozza, Pompia oder Florentina. »Die besonderen klimatischen Verhältnisse in Kärnten mit kalten Nächten und warmen Tagen begünstigen die Qualität«, sagt der Kärntner Zitrusbauer, der als Experte mittlerweile durch halb Europa reist und Vorträge hält.

Die älteste Sammlung an Zitrusfrüchten findet man übrigens im Schönbrunner Palmenhaus und hat in diesem Fall nichts mit dem Klimawandel zu tun.

Weil immer mehr Menschen im Garten oder auf dem Balkon mediterranes Flair schätzen, steigt auch der Verkauf seiner Bio-Topfzitronen. »Konventionelle  Zitrusbäume aus dem Handel haben keine kulinarische Bedeutung. Sie sind chemisch bearbeitet und eigentlich nur zum Anschauen geeignet.« Den Bio Zitrusgarten kann man übrigens auch besichtigen. Ein Ausflug nach Faak am See lohnt sich.

Feigen und Artischocken aus Wien

Auf dem Biofeigenhof im elften Bezirk reifen rund 150 verschiedene Feigensorten. Von Ende Juni bis Anfang November in der Freilandplantage. Genießen kann man die nach biologischen Grundsätzen angebauten Früchte aber auch außerhalb der Saison, etwa in Form von Feigenchutney.

Kultiviert wird die Feige bereits seit der Antike im gesamten Mittelmeerraum. Doch auch in Wien scheint es ihr zu gefallen. Von Anfang Juli bis Ende Oktober reifen die Früchte. Das freut sowohl die Besucher, die im Sommer mitten in Simmering den Duft wie auf einer griechischen Insel genießen, wie auch die Gastronomie, die die hohe Qualität schätzt. Denn am Feigenhof wird ausschließlich vollreif geernet, während Importfeigen durch die langen Transportwege verfrüht vom Baum geholt werden. PS: Der Schau- und Kräutergarten ist Freitag und Samstag für Gäste geöffnet.

Artischocken in perfekter Qualität und Frische am österreichischen Markt anzubieten, das hat sich Familie Theuringer aus Raasdorf bei Wien vorgenommen. Schnell sprach sich das herum. Auf fast fünf Hektar gedeihen nun rund 20.000 Pflanzen pro Jahr.

Gourmets aus ganz Österreich warten deshalb schon zu Sommerbeginn sehnsüchtig auf die Ernte. Darunter finden sich Abnehmer wie das »Steirereck« in Wien, die »Griggeler Stuba« in Lech oder das »Gut Purbach« von Max Stiegl.

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