Essay: Das Dilemma von Energiebedarf und Klimaschutz

© Eva Vasari

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Die Chance auf eine bessere Zukunft versetzt Menschen seit jeher in Euphorie. Anders würden wir lebensnotwendige Veränderungen erst gar nicht in die Wege leiten. Dafür muss man manchmal die Scheuklappen aufsetzen und losgaloppieren, kein links, kein rechts, die Augen auf das Ziel gerichtet. Auch wenn das Morgen schließlich anders aussieht als angenommen. Bei der Frage, woher wir in Zukunft unseren Strom und Treibstoff beziehen werden, ist das nicht anders. Seit einigen Jahren boomen erneuerbare Energien, Windräder schießen aus dem Boden, Investoren sind verrückt nach neuen Solarparks, mit Kohle und Öl will kaum jemand mehr etwas zu tun haben.

Grüne Technologien sind voll in Fahrt und kommen in der Mitte der Gesellschaft an – in vielen Teilen der Welt. Mit Blick auf die Erderwärmung ist dieser Wandel bitter vonnöten, schließlich stehen fossile Energieträger ganz oben auf der Liste der Klimasünder. Noch sind sie aber nicht wegzudenken, die meisten Autos fahren mit Benzin oder Diesel, vielerorts laufen alte Kohlekraftwerke weiter auf Hochtouren, werden Häuser mit Öl geheizt. Bis wir dieses schmutzige Kapitel abschließen können, werden noch Jahrzehnte vergehen, das sagen die Prognosen. Dennoch zeichnet sich bei der Energie eine Wende ab, auch wenn die anfängliche Begeisterung langsam abflaut.

Rausch und Kater

Auf die Erfindung von neuen Technologien folgt oft ein Wechselbad der Gefühle. Ein amerikanischer Unternehmer, der am Ende des 19. Jahrhunderts eines der ersten Automobile herstellte, wurde von seinem Bankbetreuer noch als Narr beschimpft, weil sich Autos nie gegen Pferdekutschen durchsetzen würden. Anfang dieses Jahrtausends verlautbarte der Trendforscher Matthias Horx, dass es beim Internet wahrscheinlich nicht für ein Massenmedium reichen würde.

In beiden Fällen folgte der Durchbruch, unglaubliches Wachstum, eine technologische Ekstase – die schließlich abgeklungen und der Skepsis gewichen ist. Auch bei der Energie gibt es ein Paradebeispiel für dieses Auf und Ab: die Kernkraft. Zu Beginn des Atomzeitalters nach dem Zweiten Weltkrieg waren damit große Hoffnungen verknüpft. Reaktoren für alle, damit könnte man jedes Energieproblem lösen. Noch dazu ohne die Umwelt zu verschmutzen oder Menschenleben zu gefährden. In der Realität kann es aber ganz anders laufen, das ist spätestens seit Tschernobyl klar.

Wie auch immer man zu ihnen steht, Atomkraftwerke haben sich durchgesetzt, in Ländern wie Frankreich bilden sie etwa das Rückgrat der Stromversorgung. Und sie feiern ein Comeback. Nicht zuletzt, weil der Druck steigt, auf CO2-arme Energieformen umzusteigen. Kleinere Reaktoren, die nach Angaben der Hersteller nahezu risikofrei betrieben werden können, sollen noch in diesem Jahrzehnt ans Netz gehen. Kluge Köpfe wie Bill Gates werben für ein Umdenken.

Realitäts-Check

Eine parallele Entwicklung zeigen die erneuerbaren Energien, die derzeit einem Realitäts-Check unterzogen werden. Schon als Deutschland nach der Kernschmelze in Fukushima die Energiewende ausrief, wurde Kritik laut. Windräder und Solarpanels alleine würden nicht ausreichen für den Atom- und Kohleausstieg, denn das Stromnetz müsse stabil sein, selbst bei wenig Wind oder Sonne. Jetzt, wo Nachhaltigkeit eine größere Rolle spielt, wird zunehmend angeprangert, dass Erneuerbare enorme Mengen an Rohstoffen verschlingen. Die speziellen Metalle für Generatoren oder Batterien werden oft unter bedenklichen Umständen in Minen abgebaut.

Doch diese Vorbehalte sind prinzipiell ein gutes Zeichen, sie zeugen von eingehender Beschäftigung. Und was wären die Alternativen? Stetiger Fortschritt, Verbesserungen von bestehenden Technologien sind immer möglich, das hat der Mensch oft bewiesen. Vielleicht geht es jetzt ein wenig langsamer voran, dafür mit mehr Vehemenz.


Umdenken?
Wie auch immer man zu ihnen steht, Atomkraftwerke haben sich durchgesetzt, in Ländern wie Frankreich bilden sie etwa das Rückgrat der Stromversorgung. Und sie feiern ein Comeback.

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