Ein Personal-Manifest, das aufhorchen lässt

Auch die vermehrte Aus- und Weiterbildung steht auf dem Plan.

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Auch die vermehrte Aus- und Weiterbildung steht auf dem Plan.

Auch die vermehrte Aus- und Weiterbildung steht auf dem Plan.

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Der Hotel & Gastro Union reicht es: Tiefe Löhne, unattraktive Arbeitszeiten und fehlende Wertschätzung sind in vielen Fällen Ursachen für den gravierenden Personalmangel in Gastronomie und Hotellerie – Schritte, um dem entgegenzuwirken, werden bislang aber keine (großen) gesetzt; obwohl das Bewusstsein für die Herausforderungen da wäre, wie Roger Land, Leiter des Rechtsdienstes, beschreibt: »Dass die Branche eine Tieflohnbranche ist, Defizite in der Ausbildung sowohl bei den Arbeitgebern wie auch den Arbeitnehmern hat, die Arbeitszeiten attraktiver gestaltet werden müssen und die Führungsqualität sowie die Wertschätzung und damit das Arbeitsklima gefördert werden muss, sollte im Großen und Ganzen unbestritten sein.« Deshalb stellt die Schweizer Berufsorganisation nun einen eigenen, neuen Forderungskatalog auf, »damit nicht noch mehr Fachkräfte die Branche verlassen und junge Menschen für Berufe im Gastgewerbe wieder begeistert werden können«. Ein auf einer Mitgliederumfrage basierendes Manifest, das sich gewaschen hat und Forderungen zu Bildung, Lohn, Arbeitszeiten und Arbeitsklima enthält.

Bildung, Bildung & nochmals Bildung

Zunächst aber: An wen richtet sich das Schreiben? »Die Standpunkte und das Manifest sind an alle Branchenangehörige gerichtet«, sagt Lang. »An die Verbände, die Betriebe, die Wirte und selbstverständlich in erster Linie an die Angestellten und unsere Mitglieder.« Dabei sei das Manifest aber kein gewerkschaftliches Schreiben »mit utopischen und klassenkämpferischen Forderungen«, sondern stelle einen Lösungsvorschlag dar, welcher – der Meinung der Union nach – mehrheitsfähig ist respektive noch werden soll.

So startet das Manifest mit der Bildung als einer der ersten Punkte, hier soll vor allem in die unbefristete Fortsetzung der kostenlosen Aus- und Weiterbildung über 2023 hinaus, und die Steigerung der Anforderungen an die Berufsbildner zugunsten der Lernenden, mehr bezahlte arbeitsfreie Zeit für die Teilnahme an Aus- und Weiterbildung, in die verstärkte Teilnahme an Progresso-Kursen für Mitarbeitende ohne formelle Berufsausbildung und Förderung der unternehmerischen Kompetenzen der Arbeitgebenden investiert werden. Apropos Chef: Bessere Führungskompetenz, mehr Wertschätzung und ein angenehmes Arbeitsklima stehen auch auf der Agenda der Hotel & Gastro Union. Raus mit der »Ich bin der Chef«-Mentalität und rein mit mehr Mitsprache. »Wer im Betrieb mitbestimmen kann, identifiziert sich mit diesem«, argumentiert man im Manifest. Reden statt schreien lautet das neue Credo, ein professionelles Human-Resources-Management soll dabei helfen.

Rahmenbedingungen müssen passen

Das, was dem Gastgewerbe immer wieder vorgeworfen wird, sind seine (familien-)unfreundlichen Arbeitszeiten und die oftmals zu geringe Bezahlung. Daher setzt die Berufsorganisation auch hier an und fordert die Einführung von attraktiveren Arbeitszeiten, die unter anderem durch flexiblere Arbeitszeitmodelle erreicht werden sollen. »Es braucht dringend ein Überdenken der Arbeitseinteilung und Arbeitsprozesse«, argumentiert man weiter. Die frühere Bekanntgabe der Dienstpläne und eine damit einhergehende bessere Planung sei Teil der Lösung. Neu sind diese Forderungen der Hotel & Gastro Union im Großen und Ganzen gesehen aber nicht, bereits 2017 fordert der deutsche DEHOGA, die Arbeitszeiten individueller und flexibler auf die Wochentage aufzuteilen.

Eine große Herausforderung sind und bleiben wohl auch die Löhne, bei denen die Union eine generelle Erhöhungen auf allen Qualifikationsstufen und die Würdigung der Berufserfahrung als lohnrelevanten Faktor für zeitgemäß hält. »Mitarbeitende brauchen eine Lohnperspektive«, lautet das Postulat. Die Lohnerhöhung soll an die Konsumenten – wie in anderen handwerklichen Branchen üblich – weitergegeben werden. Legt man diesen Gedanken auf die österreichische Branche um, so stellt sich die Frage, ob sich die durch die Inflation in die Höhe schnellenden Preise nochmals mit Akzeptanz der Gäste erhöhen ließen.

Die neue Struktur macht’s

Zuletzt geht die Hotel & Gastro Union in ihrem Manifest auf die Weiterführung und Vertiefung der Sozialpartnerschaft ein, weshalb der Schweizer Arbeitgeberverband Gastrosuisse die seit Mai 2019 bestehende Verhandlungsblockade endlich aufgeben solle und einen Gesamtarbeitsvertrag im Schweizer Gastgewerbe (L-GAV) verhandeln müsse, »welcher der Branche gerecht wird«. Lang sagt scharf: »Solange GastroSuisse mit ihren Mitgliedsbetrieben die Verhandlungsblockade nicht löst, solange kommt die Branche nicht vorwärts.« Darüber hinaus fordert die Berufsorganisation die Arbeitgeberverbände auf, »ihre Führungsverantwortung wahrzunehmen und zu offensiven Strategien überzugehen, anstatt mit schlechten Anstellungsbedingungen die schwächsten Betriebe zu schützen«.

Mit all diesen Maßnahmen sollen nicht zuletzt die bisherigen Strukturdefizite überwunden werden, finanziell nachhaltige Betriebe die Unterstützung erfahren, welche sie brauchen, um Mitarbeitende zu finden und Arbeitgeber von sich aus genügend Geld für Investitionen zur Seite legen, um attraktive Arbeitsplätze mit entsprechendem Lohn zu schaffen. Inwieweit das Manifest der Hotel & Gastro Union Umsetzung erfährt, wird sich zeigen; für sie selbst sei es schwierig, den Erfolg abzuschätzen. Lang rät aber: »Die Verbände, die Betriebe und die Wirte sollen das Manifest und die Lösungsvorschläge schon aus dem reinen Eigeninteresse, nämlich dem Interesse genügend Personal zu finden, umsetzen.« Denn die Umsetzung der Standpunkte, basierend auf dem Manifest, wird seiner Meinung nach jedenfalls dazu beitragen, den Fach- und Personalkräftemangel zu beheben.

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