Ein Fest für die Stadt

© Markus Morianz

© Markus Morianz

Feste sind besondere Ereignisse. Das FEST als gemeinschaftliches Ritual stellt den Alltag und die Ordnung der Dinge auf den Kopf und eröffnet Gelegenheiten für den geistigen, emotionalen und gesellschaftlichen Ausnahmezustand. In diesem Sinne begreifen wir auch die Wiener Festwochen als FEST für die Stadt und wollen gemeinsam mit den eingeladenen KünstlerInnen, DenkerInnen und unserem Publikum ein rauschendes FEST feiern. Neben dem Geist sollen in gleichberechtigter Weise auch all unsere Sinne stimuliert und temporäre wie lang währende Gemeinschaften geschaffen werden. Denn ein FEST ist auch in gewisser Weise ein groß angelegtes geistiges wie sinnliches Experiment, das utopische Gegenentwürfe produziert. Es stellt sowohl gängige Denk- und Handlungsmuster infrage, schafft aber auch Raum für ekstatische Erfahrung und setzt Potenziale und Utopien frei.

Franz Schuh hat im Vorwort der Publikation »Wiener Festwochen 1951–2001. Ein Festival zwischen Repräsentation und Irritation« kulturkritisch festgestellt, dass »heutzutage … keiner mehr Feste ernst nimmt und sie deshalb gespielt werden müssen«. Der zivilisatorische Prozess der artifiziellen Trennung von Geist und Körper in der abendländischen Tradition lässt sich auch ganz gut anhand des Symposiums, der wissenschaftlichen Konferenz, und seinem altgriechischen Ursprungsritual, dem Symposion als gemeinsames, geselliges Trinken, erkennen.

Die Wiener Festwochen verstehen sich – ganz in ihrer Tradition als spartenübergreifendes Kunstfestival, das Hoch-, Avantgarde- und Subkulturen in sich vereint – auch als kulturkritisches Festival, das tradierte Konzepte in der Kunst, aber auch im Denken und Handeln infrage stellt. Wir wollen zu einem lustvollen Perspektivenwechsel anregen, Dinge infrage stellen, ohne einfache Antworten auf komplexe Themen zu geben, wir wollen zu GastgeberInnen eines fünfwöchigen FESTES im geistigen wie sinnlichen Ausnahmezustand werden.

In diesem Sinne freue ich mich ganz besonders über die Sondernummer des Falstaff zum Anlass der Wiener Festwochen. Wenn eine Stadt und ihre Menschen, vernetzt und im Austausch mit der ganzen Welt, ein FEST feiern, dann gehören so sinnliche Erfahrungen wie Essen und Trinken nicht nur untrennbar dazu, sie sind – ebenso wie die Kunst – ein Statement für Kommunikation jenseits kultureller, sozialer, sprachlicher oder ideologischer Barrieren!

Zur Person

Tomas Zierhofer-Kin gibt dieses Jahr sein Debüt als Intendant der Wiener Festwochen. Mit seinem Vorgänger Markus Hinterhäuser gründete der Kulturmanager Anfang der 1990er-Jahre das »Zeitfluss Festival« als Teil der Salzburger Festspiele. Zuletzt war er bis 2016 Intendant des »donau-festivals« in Krems.

Aus dem Falstaff Wiener Festwochen Spezial 2017

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