Durch und durch ein Gastgeber: Christian Hollweck

Der Hausherr im »Brauereigasthof Hotel Aying« Christian Hollweck.

© Thomas Straub

Christian Hollweck Direktor des Brauereigasthof Hotel Aying

Der Hausherr im »Brauereigasthof Hotel Aying« Christian Hollweck.

© Thomas Straub

Christian Hollweck ist als Direktor im »Brauereigasthof Hotel Aying« tätig, einem Familienunternehmen, dem er mittlerweile angehört. Im gleichnamigen Ort, nahe München, kümmern sich 65 Mitarbeiter um das Wohlergehen der Gäste. 48 Zimmer wollen täglich gereinigt und vorbereitet werden. Er selbst stammt aus der klassischen Hotellerie und Gastronomie. Hollweck lebt die Gastgeberrolle durch und durch. Persönliche Begrüßungen beim Check-in, ein kurzer Kaffee oder ein selbstgebrautes Bier mit dem Gast inklusive.

Profi: Wo sehen Sie die größten Unterschiede zwischen einem Familienunternehmen und der Tätigkeit in einem Konzern?
Christian Hollweck:
Ich habe für viele Konzerne gearbeitet, in denen vieles nach einem bestimmten Schema erfolgte und es für alles ein Handbuch gab. Wir führen das Haus sehr persönlich und treffen auch manchmal emotionale Entscheidungen. Beispielsweise wenn es um den Wareneinsatz eines Gerichts geht. In einem Konzern hast du ein Ampelsystem, steht es auf rot, musst du deine Rezeptur überarbeiten. Wir entscheiden uns auch für Gerichte, die einfach zu uns passen, losgelöst vom Wareneinsatz.

Wie sieht die Mitarbeiterführung von heute aus?
Der Generationswechsel ist massiv zu erkennen. Früher warst du dankbar, wenn du eine gute Stelle hattest. Heute musst du deine Mitarbeiter begeistern. Ich nehme mir für unsere Mitarbeiter viel Zeit. Ich habe ein feines Radar. Wenn ich merke, etwas läuft nicht, dann nehme ich mir Zeit und gehe auf die Person ein. Ich bin ein Generalist und habe vor unseren Spezialisten auch dementsprechend Respekt. Ich mische mich nicht in alles ein. Dabei ist die eigene Stimmung wichtiger, als viele denken. Diese überträgt sich auf die Mitarbeiter – dessen muss man sich bewusst sein! Und schlussendlich spürt diese Stimmung dann auch der Gast. Was macht einen Top-Ausbildungsbetrieb aus? Man muss viel machen. Wir haben Partnerschulen und agieren auf Lehrlingsmessen. Wir laden Praktikanten zum Schnuppern ein, machen zusammen Kochkurse und laden auch gerne deren Eltern zum Abschluss zum Abendessen ein. Wir müssen begeistern und im Gedächtnis bleiben. Auch ermöglichen wir gerne Weiterbildungen, sofern Interesse besteht.

Wie können wir uns Ihren Alltag vorstellen?
Ich fange um 9 Uhr an und mache meine Runde durchs Haus. Bis mittags schaue ich, dass das Bürogeschäft erledigt ist. Um 12.30 Uhr haben wir jeden Tag ein Familien-Mittagessen. Es trifft sich die gesamte Familie, ohne Ausnahme. Wir nützen diese Zeit für Besprechungen und suchen nach Lösungen, wenn notwendig. Diese Aktivität stärkt die Familienzusammengehörigkeit ungemein. Am Nachmittag habe ich dann abwechselnd Meetings mit den Abteilungsleitern. Danach folgt bereits das Abendgeschäft. Ich begrüße Gäste gerne beim Check-in oder beim Abendessen. Man hat immer wieder Gäste, die Wert auf diese persönliche Betreuung legen. Man muss seinen Beruf mögen, das ist enorm wichtig.

Was schätzten Sie an Ihrem Beruf?
Es gibt wenige Berufe, in denen man sich so viele Fähigkeiten aneignet, so viele Menschen und so viele Perspektiven und Facetten kennenlernt. Man lernt viel über andere Kulturen, dadurch entwickelt man sich auch permanent weiter.

Zur Person:

Ursprünglich eine Lehre zum Koch absolviert, ist Hollweck mittlerweile Direktor des »Brauereigasthofs Hotel Aying« mit rund 100 Mitarbeitern. Hollweck blickt unter anderem auf Stationen als Direktor bei den Geisel Privathotels zurück, als Hotel-Manager im »St. Regis Mardavall Mallorca Resort« und als General Manager des »Lanserhof Tegernsee«.

Brauereigasthof Hotel Aying
Zornedinger Strasse 2
85653 Aying

www.brauereigasthof-aying.de

ERSCHIENEN IN

Falstaff Profi Magazin 02/2019
Zum Magazin

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  • Restaurant
    August und Maria im Brauereigasthof Hotel Aying
    85653 Aying, Bayern, Deutschland
    Punkte
    87
    2 Gabeln

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