»DujmoVino« geht in der Pandemie online

Georg Dujmovits macht nicht nur Wein, er arbeitet auch als Fotograf.

© Georg Dujmovits

Georg Dujmovits macht nicht nur Wein, er arbeitet auch als Fotograf.

© Georg Dujmovits

Das Weingut »DujmoVino« hat in der historischen Kellergasse Heiligenbrunn und am von Georg Dujmovits wiederbelebten Sulzer Weinberg seine Heimat gefunden. Hier vereint der Start-Up-Winzer die traditionsreiche Weinbaukultur des 17. Jahrhunderts mit modernen Techniken des Kelterns. Doch damit ist die Weinphilosophie noch nicht vollkommen, »ein Tropfen Heimweh, ein Tropfen Fernweh. Weitblick«, beschreibt der Winzer. So steckt zwar das Burgenland in jedem Wein von »DujmoVino«, doch ist es nicht unwahrscheinlich, dass ein Schluck seiner Hawaii-Edition Reiselüste weckt.

In seinem Portfolio dürfen die südburgenländischen Spezialitäten, Blaufränkisch vom Eisenberg und Uhudler-Variationen aus dem Uhudlerland nicht fehlen. Was burgenländischer Wein mit Hawaii zu tun hat, weshalb er sagt, dass sein Wein einen Vogel hat, und wie er nun mit der Corona-Krise umgeht, verrät Georg Dujmovits im Interview.

PROFI: Durch die aktuellen Beschränkungen in Österreich ist ein direkter Abhof-Verkauf nur schwer möglich. Wie geschieht der Vertrieb der Weine?
Georg Dujmovits: Die Corona-Krise hat leider auch uns auf dem falschen Fuß erwischt. Wir sind gerade dabei ein neues Weingut aufzubauen und ein Großteil des Absatzes war in der Gastronomie und bei Wein-Events. Beides war in den letzten zwei Monaten leider nicht möglich. Es war eine große Herausforderung, in der kurzen Zeit den Vertrieb komplett auf online umzustellen und gleichzeitig die Arbeiten im Weingarten nicht zu vernachlässigen.

Trotzdem haben wir es geschafft, in der Krise einen neuen Online-Shop zu kreieren, damit unsere Weine noch einfacher und schneller bei den Weinliebhabern ankommen. Die Online-Alternative wird auch gut angenommen, jedoch kann diese den verlorenen Umsatz in der Gastronomie oder bei unseren Wein-Events leider nicht ersetzen.

Wie kann der Online-Vertrieb gepusht werden?
Gezieltes Social Media-Marketing ist eine Möglichkeit, kann aber den direkten Kontakt zum Kunden bestimmt nicht ersetzen.

Was hat Hawaii mit burgenländischem Wein zu tun?
Die Idee, meine zwei großen Leidenschaften – Wein zu kreiren und Aloha-Spirit zu tanken – in einem Produkt zu vereinen, kam mir vor einigen Jahren über den Wolken am Rückweg von Hawaii. In meiner Produktion der Hawaii-Edition denke ich Wein von hinten nach vorne. Am Anfang steht eine Idee, ein Gefühl, das der Wein später transportieren soll – inspiriert von den Eigenarten der einzelnen Pazifik-Inseln. Ein besonderer Geruch, ein außergewöhnliches Geschmackserlebnis oder ein unvergesslicher Augenblick – jede Insel hinterlässt einen einzigartigen Eindruck, den ich in Wein konservieren will. Dieser Gestaltungsprozess ist meine persönliche Medizin gegen das Fernweh. Und das Ergebnis für den Konsumenten? Eine Gaumenreise durch die Vielfalt der hawaiianischen Inselketten.

Auf Ihrer Website liest man, dass Ihr Wein »einen Vogel hat«. Was meinen Sie damit?
Ich wollte beim Uhudler neue Wege auf alten Spuren gehen und habe mich daher zu Beginn entschlossen, eine Eigenmarke in diesem Zusammenhang zu gründen. Nach einem längerem Kreativprozess, vielen Skizzen und einigen Telefonaten mit dem Patentamt, schlüpfte die »Rote Eule«. Unser »EulenWein« erfreut mittlerweile nicht nur viele Uhudler-Fans, sondern auch die Fachjury, die unseren »Rote Eule Uhudler Frizzante« letztes Jahr mit Gold prämiert hat.

Inwiefern kann die derzeitige Lage eine Chance für Weingüter sein?
Wenn die Gesellschaft im Zusammenhang mit dieser Krise erkennt, dass kleinere dezentrale Strukturen nicht nur in solchen Zeiten von Wichtigkeit sind, kann es eine Chance für kleinere Betriebe sein. Ich bin der Meinung, dass wir diese Tendenz zur Regionalität nutzen und nach dieser Krise wieder mehr Menschen in unseren Weinregionen und Weinkellern Willkommen heißen sollten. Ein gemeinsames und verstärktes Bemühen von Direktvertrieb und Ab-Hof-Verkauf würde der Branche langfristig gut tun. Es würde mich freuen, wenn in diesem Zusammenhang auch im Tourismus neue Impulse gesetzte werden würden, insbesondere im Südburgenland.

Haben Sie Tipps für Weingüter, wie sie gut durch diese Zeit kommen können?
Mit viel Leidenschaft und Engagement an dem weiterarbeiten, was sie auszeichnet. Die Landwirtschaft hat schon viele Krisen überstanden.

Möchten Sie einen Appell an die Branche richten – oder vielleicht auch ein Danke an Ihre Mitarbeiter?
Ich würde mir wünschen, dass der Handel in diesem Zusammenhang wieder ein Stück weit weg vom »Geiz ist geil« Gedanken rückt und respektiert, dass ehrliche Arbeit auch seinen Preis haben darf. Eine Rabattschlacht nach der Krise wird dem österreichischen Wein und seinen Produzenten bestimmt nicht helfen.

dujmovino.com

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