Andreas Schumann vom Weingut Odinstal: spannende Weine dank biodynamischer Methoden / Foto: beigestellt
Andreas Schumann vom Weingut Odinstal: spannende Weine dank biodynamischer Methoden / Foto: beigestellt

Die Pfalz ist eines der größten und spannendsten Weinbaugebierte Deutschlands. Hier ist man arbeitsam, doch dabei ganz und gar dem Wein ergeben. Ein Land der sieben himmlischen Sünden:

1. Die eerschd Sind: Woi (Die erste Sünde: Wein)
Wenn Herbst ist in Deidesheim, in Forst und Ruppertsberg, in Königsbach, Kallstadt, Siebeldingen und Birkweiler und in allen anderen 140 Weinbauorten der Pfalz, dann bilden sich auf den Land- und Dorfstraßen lange Schlangen von Traktoren. Kleine grün und gelb gefärbte Träubchen, Riesling vor allem, und manchmal auch blaue Spätburgunder leuchten aus den Bottichen, die auf Anhängern in einen der zahllosen Keller transportiert werden. Über den Ortschaften liegt der Duft von Gärung, betörend ätherisch, berauschend. Und nach und nach weicht die Anspannung der Lese der beruhigenden Gewissheit, dass das liebste Produkt der Pfälzer nicht zur Neige gehen wird, dass auch für die nächsten zwölf Monate Arbeit in Weinberg und Keller genug Treibstoff vorhanden sein wird. Dabei geht es nur in zweiter Linie um Gelderwerb. Vor allem geht es darum, zu tun, was getan werden muss. Denn mehr als alles andere sitzt dem Pfälzer diese eine Mahnung und Vorsichtsmaßregel im Nacken: »Die Zeit vergeht. Wie schnell is’ nix getrunke!« So steigert sich sein Arbeitsethos bis zum Sendungsbewusstsein. Auf einem alten Fass in Sausenheim steht geschnitzt: »Hätt’ Adam Pälzer Woi besesse, hätt’ er den Abbel nit gegesse.«


Typische Pfälzer Weinlandschaft: Schon die Römer bauten hier Wein an / Foto: Shutterstock

2. Mädscher (Frauen)
Dieselbe Weinbegeisterung ist auch den Pfälzerinnen zu eigen. Ihre Trinkfestigkeit und ihre Weinvorlieben brechen mit vielen Klischees. So berichtet etwa Regine Minges, Tochter des für seinen Perfektionismus bekannten Winzers Theo Minges, dass der kernigste Riesling des Familienbetriebs, ein Flemlinger Ortswein mit weniger als einem Gramm Restzucker, vor allem von Frauen um die 30 gekauft werde. Wie die junge Diplom-Önologin selbst belegt, trinken die Pfälzerinnen nicht nur gerne Handfestes, sie streben auch nach Verantwortung – tatkräftig und, quer durch alle Generationen, sehr gut ausgebildet. Die Vollblutwinzerin Steffi Weegmüller aus Haardt ist schon seit 20 Jahren für ihren brillanten Riesling bekannt, neuerdings auch für einen der besten Grünen Veltliner außerhalb Österreichs. Die quirlige Tina Pfaffmann aus Frankweiler gibt dem Betrieb ihrer Familie seit 2000 eine neue Richtung – hin zu Weinen, die ebenso fröhlich und unbekümmert daherkommen wie die 36-Jährige selbst.

Im romantischen Nordpfälzer Zellertal beging die energische Chris­tine Bernhard eine Pioniertat mit Signalwirkung, als sie 1989 die Rebflächen des Fami­lienguts auf Bio umzustellen begann. »Die Mischwirtschaft meiner Eltern funktionierte immer schlechter. Als eines Tages sogar Batterien mit Legehennen auf dem Hof standen, habe ich meinem Vater gesagt: ›Jetzt reicht’s. Das muss alles weg, und jetzt will ich machen.‹« Die Konzentration auf den Weinbau hat sich ausgezahlt, und Bernhards Öko-Kurs hat in der Nachbarschaft zahlreiche Nachahmer gefunden. In Forst steht Sabine Mosbacher-Düringer seit den Neunzigerjahren dem Weingut der Familie Mosbacher vor – und damit einem Schatz an Spitzenlagen der Mittelhaardt. »Unsere Weine sind schlanker und zarter als die mancher Kollegen«, charakterisiert sie den Mosbacher-Stil. Zeigt sich darin die weibliche Hand? Mosbacher-Düringer muss herzlich lachen: »Das fragen alle Journalisten.« Man könnte noch gut und gern zwei Dutzend anderer Frauen nennen, die Trinkenswertes schaffen. Carolin Bergdolt aus Duttweiler, 35 und wie die meisten ihrer Kolleginnen mit einem Geisenheimer Önologie-Diplom versehen, warnt aber auch davor, sich den beruflichen Weg der Frauen im Weinbau als Idyll vorzustellen: »Töchter haben oft größere Probleme beim Generationenübergang als Söhne. Und wenn ich
im Markt für Winzerbedarf einen neuen Schlauch oder irgendein Ersatzteil kaufen gehe, dann werde ich schon manchmal schräg angeguckt nach dem Motto: Das Mädel hat doch bestimmt der Vater geschickt.«


Nicht nur geschmacklich, sondern auch optisch bietet der Weinkeller der Familie Knipser einiges / Foto: beigestellt

3. Werscht unn Flääsch (Würste und Fleisch)
Der Pfälzer Saumagen ist Legende – und Anek­dote. In der Ära Kohl wurde die rustikale Spezialität häufig bei Staatsempfängen serviert. François Mitterrand soll ebenso maliziös wie diplomatisch kommentiert haben: »Très interessant.« In der traditionsreichen Metzgerei Hambel in Wachenheim an der Weinstraße, deren Saumagen als der beste weit und breit gilt, bilden sich jeden Samstag lange Schlangen vor dem kleinen Laden:

Das in einen Schweinemagen gefüllte Mischmasch aus Schweinefleisch, Kartoffelstückchen und Gewürzen ist Teil des Pfälzer Alltags. Der Saumagen wird an seinen Öffnungen verschnürt und gekocht, dann in Scheiben geschnitten und gebraten. Er steht sinnbildlich für die typische Pfälzer Diät: eine weitgehend gemüsefreie Kost. Bei Grumbeere, also »Grundbirnen«, Kartoffeln, macht der Pfälzer eine Ausnahme, schließlich sind diese überall dort der Stolz der Pfälzer Landwirtschaft, wo die Böden zu fett für den Weinbau sind. Ansonsten aber kombiniert die Pfälzer Küche Fleisch am liebsten mit Fleisch: etwa beim mit Leberwurst bestrichenen Rumpsteak – einer Pfälzer Variante des Tournedos Rossini. Für den kulinarischen Tagesablauf des Pfälzers gilt zudem: »Wenn mer wach sin, hämmer Hunger; simmer satt, dann simmer mied.« (Wenn wir wach sind, haben wir Hunger; sind wir satt, dann sind wir müde.)

Den vollständigen Text von Ulrich Sautter lesen Sie im neuen Falstaff Deutschland 02/14 - jetzt am Kiosk!

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