Die Weltspitze im Weinbiz

Das Château Lafite-Rothschild zählt zur absoluten Weltspitze.

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Das Château Lafite-Rothschild zählt zur absoluten Weltspitze.

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Alles andere wäre eine Über­raschung gewesen: Frankreich als Weinbau-Nation Nummer eins produziert die besten Weine der Welt. Die ersten sechs der Top Ten kommen aus Frankreich: Der perfekte Wein ist der Roma­née-­Conti der Domaine de la Romanée-Conti, gefolgt von Château Lafite-Rothschild und Château Latour.

Frankreich ist Spitzenreiter

Rund ein Fünftel der 100 besten Weine weltweit kommt aus Bordeaux, dazu edle Tropfen aus dem Burgund, dem Rhônetal, der Champagne und dem Elsass. Italien folgt mit 19 Weinen auf Rang zwei, wobei ausschließlich die Toskana und das Piemont vertreten sind. 14 Weine aus Spanien schafften den Sprung in die Top 100 – aus Rioja, Ribera del Duero, Priorat und Toro. Mehr entdecken

Rest-Europa

Und die Deutschen? Immerhin neun Rieslinge sind dabei, sowohl trocken als auch edelsüß – eine Renaissance auf dem internationalen Parkett. Österreich steuerte drei Weine bei, mit je einem sind aus Europa noch Portugal und die Schweiz vertreten.

Neue Welt

Die Neue Welt hat sich nur mit einigen Ausnahmeweinen auf dem internationalen Sammlermarkt durchgesetzt, Kalifornien liegt mit neun Weinen weit voran. Drei große Rotweine kommen aus Australien, einer aus Südafrika. Südamerika und der Osten Europas hingegen gingen leer aus. 

Der Live-Ex-Index in London gibt über die tagesaktuellen Preisentwicklungen im Fine-Wine-Markt Auskunft und war für die Fals­taff-Liste eine der wichtigsten Quellen. Auf ­dieser komplexen Plattform laufen die Auktions- und Handelsergebnisse aus aller Welt ­zusammen. Auf den ersten Blick ist bei den Top-100-Weinen des Live-Ex die absolute ­Dominanz der Weine aus Bordeaux ersichtlich.

Die Top3: Romanée-Conti, Château Lafite-Rothschild, Château Latour.
Die Top3: Romanée-Conti, Château Lafite-Rothschild, Château Latour.

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Zur Top 100 Liste

Die Preise sinken

Auch die Analysten von Live-Ex verzeichneten zum Jahresende 2011 ein Nachgeben der Preise. Im Laufe des letzten Jahres hat die Benchmark der Ersten Gewächse um nicht weniger als 18 Prozent verloren, wobei die Weine von Lafite-Rothschild, das durch den Asienboom am stärks­ten überbewertet war, nun auch die höchs­ten Einbußen verzeichnen. Nur drei Weine im Top-100-Index schlossen 2011 mit einem Wertzuwachs ab: Mouton-Rothschild 2000 erzielte einen Durchschnittspreis von 8.960 Pfund pro Kiste, ein Plus von 5,39 Prozent. Haut-Brion 2006 kostete 3.110 Pfund (plus 3,73 Prozent), Haut-Brion 1998 3.485 Pfund (plus 1,01 Prozent). Alle anderen Weine zeigten eine negative Performance, 24 verloren sogar über 10 Prozent des Vorjahreswertes. Zum Jahresende 2011 kamen die Live-Ex-Spezialisten zu dem Schluss, dass jeder Premier Grand Cru, der sich künftig zwischen 250 und 300 Pfund pro Flasche bewegt, eine Kaufoption darstellt. Wer also einen Haut-Brion 2006 für 260 Pfund erwischt – zuschlagen!

Asiaten erweitern ihr Portfolio

Die Auktionshäuser kassierten gleich zu Jahresbeginn 2012 einen Dämpfer: Bei Sotheby’s erster Auktion im Januar in Hongkong blie­ben vor allem die noch reichlich vorhandenen Jahrgänge der Premiers Grands Crus aus Bordeaux auf der Strecke. Kisten von Latour 2003 oder Mouton 2005 wurden nicht ab­gesetzt. Nach den großen Umsätzen dieser Weine – teils zu historisch hohen Preisen – zeigte der Ferne Osten kein Interesse. Gerade die chinesischen Käufer haben offenbar dazugelernt und wissen zwischen sehr gut und ­außergewöhnlich zu unterscheiden. Und sie beginnen, ihre Portfolios zu erweitern: Süßweine aus Sauternes im Bordelais – allen ­voran Yquem –, aber auch Spitzenburgunder setzen zu einem Höhenflug an. Kultweine aus Kalifornien stehen ebenfalls immer öfter auf den Wunschzetteln der asiatischen Klientel.

Romanée-Conti nicht zu bremsen

Die Weingüter werden spätestens mit den En-primeur-Preisen für die 2011er reagieren müssen. Ohne Frage gehören die Jahrgänge 2009 und 2010 zu den allerbesten, aber die führenden Häuser haben den Preisbogen mehr als überspannt. Ob es überhaupt möglich war, zu ­diesen Preisen alles zu verkaufen, darf man ­bezweifeln. Bordeaux-Insider berichten von vollen Lagern – gut möglich, dass das eine oder andere Château auf seinen überzogenen Weinen sitzen geblieben ist.
Während sich die Nachfrage und Preise für die großen Bordeaux-Weine im letzten Jahr deutlich abkühlten, war ein Weingut einfach nicht zu bremsen: Der Romanée-Conti der ­Domaine de la Romanée-Conti (DRC) ging  ab wie eine Rakete. Jahrgänge von Romanée-Conti steigerten ihren Preis um bis zu 64 Prozent innerhalb eines Jahres. Der DRC-Index von Live-Ex stieg allein von September 2010 bis 2011 um gewaltige 31,07 Prozent. Das bedeutet, dass auch die anderen Grands Crus der DRC gute Zuwächse verzeichnen, wobei La Tâche den kontinuierlichsten Anstieg zeigt.

Burgunder gefragt

Neben den Weinen der Domaine entwickelt sich eine wachsende Nachfrage für weitere Spitzenburgunder. Zahlreiche Berater sind im Einsatz, um den Investoren die richtigen Tipps in diesem hoch diffizilen Bereich des Weinmarktes zu geben. Bei den Blue Chips für Burgunder wird es in absehbarer Zeit zu Preissteigerungen kommen.

Kritiker als Richtmaß

Fraglos haben Weinkritiker einen Einfluss auf den Markt. Ein Global Player wie Robert Parker hat dies unlängst wieder einmal unter Beweis gestellt. Für eine Probe im November 2011 in Hongkong, die von ihm geleitet wurde, wählte er 20 Weingüter aus Bordeaux, die »die Qualität von Ersten Gewächsen erzeugen, ohne natürlich technisch gesehen solche zu sein, also solche, die unterbewertet sind und gute Kaufoptionen darstellen«. Präsentiert wurde der Jahrgang 2009 – prompt zogen die Preise exakt dieser 20 Weine daraufhin merklich an. 

Erstaunlich allerdings war die Auswahl selbst, denn Weine von Kalibern wie Palmer, Pape-Clément, Trotanoy, beide Pichons, Cos oder Léoville-las-Cases als unterbewertete preiswerte Weine (Jahrgang 2009!) in Hongkong einzuführen, entbehrt nicht einer gewissen – wenn auch unfreiwilligen – Komik. 

Die Winzer jedenfalls mühen sich nicht ab, um Spekulationsobjekte zu schaffen, sondern um einen möglichst guten Wein zu keltern, der Freude machen soll. Und das verdient nach wie vor Respekt.

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