Die mittlerweile legendäre Pyramide von Catena Zapata erinnert an den prä­kolumbianischen Baustil
Die mittlerweile legendäre Pyramide von Catena Zapata erinnert an den prä­kolumbianischen Baustil


Die mittlerweile legendäre Pyramide von Catena Zapata erinnert an den prä­kolumbianischen Baustil

Einwanderer aus Europa haben den Weinbau in Südamerika entscheidend beeinflusst.

In Chile hat Eric de Rothschild (Lafite-Rothschild) mit dem Weingut Los Vascos neue Maßstäbe gesetzt: 1988 erwarb er eine Hacienda mit 3600 Hektar in der Region Colchagua, der Weinberg umfasst heute 580 Hektar in einem Stück. 85 Prozent sind mit der Bordelaiser Edelsorte Cabernet Sauvignon bepflanzt, die Jahresproduktion beträgt heute rund 450.000 Kisten.

In Argentinien ist Baron Eric 1999 ein Joint Venture mit der Bodega Catena ­Zapata eingegangen. Das Projekt heißt ­»CARO« und ist seit 2010 im wunderschön restau­rierten ehemaligen Escorihuela-Weingut in Mendoza untergebracht.

Mouton-Rothschild hat unter der Ägide von Baronin Philippine de Rothschild ­gemeinsam mit Concha y Toro in Chile das Joint Venture »Almaviva« entwickelt – der Premium-Wein gilt seit dem ersten Jahrgang 1996 als einer der besten des Landes. Bereits 1997 wurde das Weingut Baron Philippe de Rothschild Maipo Chile gegründet, dort ­entsteht der Escudo Rojo.

In Argentinien wiederum gründete die ­Familie Benjamin de Rothschild (Companie Vinicole Baron Edmond de Rothschild, ­Château Clark) mit Laurent Dassault das Weingut Flechas des Andes.

Auf Anregung des Starönologen Michel Rolland kauften sich gleich mehrere Bordelaiser Investoren eine Rebfläche von mehr als 800 Hektar, um den Clos de los Siete (»Weingarten der Sieben«) zu produzieren. Zusätzlich haben die meisten der Investoren ihr eigenes Weingut gebaut.

Weitere prominente Winzer aus Bordeaux: Pierre Lurton, Direktor von Cheval Blanc und Yquem, erzeugt in Mendoza den Cheval des Andes. Der Chef von Château Margaux, Paul Pontallier, gründete 1984 mit dem Ex-Besitzer von Cos d’Estournel in Chile das Weingut Viña Aquitania, 2003 stieß Ghislain de Montgolfier, langjähriger Chef von Champagne Bollinger, dazu. Hélène Garcin-Lévêque (Clos d’Eglise, Barde-Haut, Branon, Haut-Bergey) keltert mit ihrer Malbec-Cuvée Poesia einen Top-Wein. Patrick d’Aulan brachte mit Jean-Michel Arcaute (Château L’Évangile) auf Alta Vista als Erstes den ­Malbec Single Vineyard heraus.

Italienische Herkunft verraten viele Namen der Weingüter – von Luigi Bosca bis Zuccardi. Jüngeren Datums sind die Projekte des Amaronehauses Masi aus Venetien mit Masi Tupungat. Das Weingut erzeugt den Passo Doble – eine Cuvée aus Malbec und Corvina.

Piero Incisa della Roccheta, Enkel des Sassicaia-Erfinders, erzeugt den herausragenden Chakra Pinot Noir. Der langjährige Chef­kellermeister Antinoris, Alberto Antonini, gründete mit dem toskanischen Starönologen ­Attilio Pagli und anderen Investoren Altos los Hormigas. Und ein weiterer bekannter Önologe, Roberto Cipresso (La Fiorita, Montalcino), steht hinter dem Erfolg der Weine von Achával-Ferrer.

Aus dem spanischen Ribera del Duero kommt José Manuel Ortega Gil-Fournier, der unter dem Branding O. Fournier sowohl in Argentinien als auch in Chile Top-Weine herstellt. Der Schweizer Donald Hess betreibt in ­Argentinien mit Colomé das höchstgelegene Weingut. Aus Kalifornien stammt Paul Hobbs, der 1999 mit Partnern Viña Cobos gründete und dort weltweit gefragte Kultweine keltert.

Die Ende des 19. Jahrhunderts vom englischen Ingenieur Edmund Norton gegründete Kellerei Bodega Norton wurde 1989 vom österreichischen Geschäftsmann Gernot ­Langes-Swarovski erworben und unter der Führung seines Sohns Michael Halstrick wieder zu neuer Blüte gebracht. Zuletzt wurde der Norton 2011 vom amerikanischen Magazin »The Wine Enthusiast« als »Best New World Winery of the Year« gewürdigt.


Von Jürgen Mathäss
Aus Falstaff Nr. 07/2012 / Aus Falstaff Deutschland Nr. 05/2012