Die Seeterrasse der »Mole West« am Neusiedler See gehört zu den schönsten Österreichs
Die Seeterrasse der »Mole West« am Neusiedler See gehört zu den schönsten Österreichs / Foto: PR, Kerstin Rieger

Nein, einen Tisch kann ich Ihnen heute nicht geben. Auch morgen nicht und übermorgen ebenso wenig«, lässt der Mann am Telefon keine Zweifel aufkommen. »Wir sind«, so der Kellner am anderen Ende der Leitung, »in den nächsten Tagen voll ausgebucht. Wenn Sie einen Tisch haben wollen, müssen Sie am besten eine Woche vorher ­anrufen.«

Lokale wie die »Mole West« im burgenländischen Neusiedl am See werden gestürmt. Nicht ohne Grund. Das Restaurant, direkt am See gelegen, ist ein typisches Sommer­lokal mit einer der schönsten Seeterrassen Öster­reichs. Da will jeder hin, vor allem bei Schönwetter. Überdies ist die »Mole West« kein Neusiedler-See-Restaurant der üblichen Machart, es wird keine durchschnittliche Strandbadgastronomie geboten – mit Pan­nonia-Kitsch und Puszta-Grill.

Erfolgreicher Mix

Seine enorme Anziehungskraft verdankt dieser Betrieb einem modernen, zeitgemäßen Konzept. Die »Mole West« ist ein Designer­lokal, wie man es etwa aus Städten wie Barcelona schon lange kennt, wo derartige Bars und Restaurants vor allem in Meernähe wie Pilze aus dem Boden schossen. Das Konzept dabei entspricht dem Trend hin zu coolen, von der Lage her begünstigten und architektonisch modern gehaltenen Schlemmer- und Relax-Oasen. Freiluftbar, Seeterrasse, Chill-out-Sound und Sonnenuntergang – ein Mix, der nach wie vor Erfolg verspricht.
Die »Mole West« – immerhin schon vor rund sieben Jahren eröffnet – gehört damit noch immer zu den begehrtesten Sommerlocations Österreichs. Das ergab eine aktuelle Bewertung durch die Falstaff Gourmetclubmitglieder. Rund elf Prozent aller Befragten gaben an, für sie sei die »Mole West« das ideale Sommerlokal. Lediglich das »Motto am Fluss« in Wien erhielt noch mehr Wertungen. Fast zwölf Prozent gaben an, das neue »Motto am Fluss« von Szenegastronom Bernd Schlacher sei derzeit ein unüberbietbarer Sommertreff.

Motto am Fluss / Foto: PR, Marianne Greber
Motto am Fluss / Foto: PR, Marianne Greber



Kulinarik am Kanal
Da mag allerdings auch die Küche eine Rolle spielen. Denn in dem modern und stilsicher gestalteten Lokal direkt am Donaukanal steht mit dem jungen Küchenchef Mario Bernatovic, der zuletzt einige Jahre in New Yorker Gourmettempeln Erfahrungen gesammelt hat, ein ehrgeiziger Küchenchef am Herd. Insgesamt ging das »Motto am Fluss« jedenfalls als Gesamtsieger hervor – und gewann damit auch automatisch die Wien-Wertung.

Bodenständig im Westen

Im Westen Österreichs mag man es weniger cool. Da ist Bodenständigkeit gefragt. So gewann etwa in Vorarlberg das eher traditionelle »Wirtshaus am See« in Bregenz, mit einer Terrasse direkt am Bodensee in unmittelbarer Nachbarschaft zur Seebühne der ­Bregenzer Festspiele.

Noch uriger der Gewinner in Tirol: Das von Wolfgang und Barbara Obernauer geführte »Wirtshaus Steuerberg« liegt, umgeben von saftigen Wiesen und dichten Wäldern, auf einer Anhöhe über dem Kitzbüheler Schwarzsee, in der Hochmoorlandschaft des Bichlachs. Eine romantische Postkartenlandschaft, die zu langen Wanderungen in den Kitzbüheler Alpen verleitet. Basisstation aber ist die große Sonnen­terrasse des Wirtshauses, wo der Chef zumeist eher deftige Gerichte servieren lässt. Eine durch und durch österreichische Sommerlocation, traditioneller geht es kaum.

Ziegen quasi im Zimmer

Vom Stil her nicht unähnlich ist der Sieger der Steiermark: das »Steirereck Pogusch«. Die Steiermark-Dependance der Familie Reitbauer ist alles andere als ein Geheimtipp und wohl jedem, der gerne gut essen geht, hinlänglich bekannt. Neben der herausragenden Küche und dem konkurrenzlosen Gesamtangebot haben die Reitbauers auch eine durchaus beachtliche Neuigkeit anzubieten: Seit dem Vorjahr gibt es vier traumhafte Zimmer in einem umgebauten Ziegenstall, Zimmer, die so ausgefallen und ungewöhnlich sind, wie sie eben nur einem Heinz Reitbauer senior einfallen können.

Reitbauer verzichtete dabei auf einen Architekten und kreierte die neuen Übernachtungsmöglichkeiten nach seinen ganz eigenen Vor­stellungen. So befindet sich etwa eines der beiden größeren Zimmer direkt über dem Ziegenstall, was ihn dazu veranlasst hat, eine Glas­scheibe in den Fußboden einbauen zu lassen, damit die Gäste die Tierchen beobachten können.

Echtes Heu, Stroh und viel Holz als charakteristische Einrichtungselemente hat Reitbauer in seinen Zimmern zu kleinen Kunstwerken formen lassen. Zusammen mit modernen Lampen, elektrisch bedienbarem Kamin, Bädern mit modernster Ausstattung, Flat-Screens, den besten Matratzen, die derzeit erhältlich sind, sowie stimmigen Bildern an den Wänden. Zimmer wie diese wird man in Österreich kaum wo ein zweites Mal finden. Reitbauer: »Das Motto lautet zwar Schlafen im Stall, aber das mit größtmöglichem Komfort.«

Geheimtipp in der Steiermark: Das »Harkamp« liegt mitten in den Weinbergen / Foto: beigestellt
Geheimtipp in der Steiermark: Das »Harkamp« liegt mitten in den Weinbergen / Foto: beigestellt

Genuss im Weingarten
Während der Steiermark-Sieger den meisten Feinschmeckern bekannt sein dürfte, handelt es sich beim Zweitplatzierten eher noch um einen Geheimtipp. Das Weingartenhotel des steiri­schen Winzers Heinz Harkamp liegt direkt in den Weingärten der Riede Oberburgstall am Flamberg in der Naturparkgemeinde St. Nikolai im Sausal in der Südsteiermark. Es ist eine Mischung aus neu und alt. Das Hotel wurde modern gestaltet, von manchen der noch relativ neuen Zimmer ist der Blick über die Landschaft mehr als beeindruckend. Das Stammhaus mit Res­taurant hingegen entspricht noch immer dem Stil eines traditionellen Wirtshauses. ­Ins­gesamt ein rares Idyll.

Gourmet am See
Restaurants, die direkt an einem See liegen, sind als typische Sommer­locations generell beliebt. Und so überrascht es nicht wirklich, dass in Kärnten ein solches als Sieger hervorgeht. Hinter dem Namen »See Restaurant Saag« verbirgt sich ein aufwendig gestaltetes Ensemble aus Beachclub, Strandbad und Res­taurant – finanziert vom Unternehmer Robert Glock. Dieser konnte Hubert Wallner als Küchenchef gewinnen, der bereits im Veldener »Caramé« und im Reifnitzer »Aenea« Lorbeeren einheimste. Das »Saag« ist noch relativ neu und hat sich in kürzester Zeit zu einem echten Hotspot der Wörthersee-Szene entwickelt.

Das »See Restaurant Saag« hat sich schnell zu einem Hotspot der Wörthersee-Szene entwickelt / Foto: beigestellt
Das »See Restaurant Saag« hat sich schnell zu einem Hotspot der Wörthersee-Szene entwickelt / Foto: beigestellt

 

Freiluft-Idyll
In Niederösterreich gewann ein alter Klassiker der traditionellen Sommergastronomie: Das »Gut Oberstockstall« in Kirchberg am Wagram, wo Eva Salomon als Wirtin und Köchin regiert, bietet im Sommer ein filmku­lissenartiges Freiluft-Idyll. Das »Gut Ober­stockstall« zählt mit Sicherheit zu den schönsten Landgasthäusern Österreichs, und wenn Eva Salomon an einem schönen Sommertag im weißen Kochgewand durch den prachtvollen Innenhof huscht – immer mit einem entspann­ten Lächeln auf den Lippen –, dann liegt ein Hauch heile Welt über dem paradiesischen Kleinod.

Wie das »Gut Oberstockstall« zählt auch der Salzburg-Sieger »Schloss Fuschl« zu den klassischen und traditionellen Sommeradressen.

Bier und Stelze unter alten Kastanienbäumen
Die größte Überraschung aber ist der Drittplatzierte der Gesamtwertung. Und der befindet sich nicht an einem See, ist alles andere als cool und kann auch genauso wenig als Berghütte in alpiner Landschaft durchgehen. Es handelt sich um das »Schweizerhaus« im Wiener Prater, das größte Bierwirtshaus des Landes mit immerhin 1700 Sitzplätzen im Garten und weiteren 680 im Inneren des Lokals.
Das »Schweizerhaus«, der Legende nach um 1766 gegründet, ist eine gastronomische Institution, eine Welt aus Bier und Stelzen. Das sind die beiden Hauptprodukte der beliebtesten Bierinsel Österreichs, in der die Gäste an heißen Tagen so viel Gerstensaft in sich hineinschütten wie nirgendwo sonst im Land. Wer hierherkommt, will so schnell wie möglich ein Bier, und er bekommt es auch, kaum dass er es bestellt hat. Die Kellner im »Schweizerhaus« sind wahre Virtuosen im Umgang mit ihrer Klientel, sie ahnen schon im Vorhinein, wer wie viel trinken wird, und servieren den Gerstensaft nach dem Motto: »Wir fragen erst gar nicht, ob jemand ein Bier will, wir haben schon eines mit.« Eine Sommerlocation, wie es sie in Österreich wohl kein zweites Mal gibt.

Die schönsten Sommerlocations Österreichs sehen Sie in der Bilderstrecke!


Text von Herbert Hacker
Aus Falstaff Nr. 5/2011

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