Die schönsten Dachterrassen in Wien

Wien, 2. Bezirk: Ein grüner Traum, gestaltet von Kramer & Kramer. www.kramerundkramer.at 

© katsey.org

Wien, 2. Bezirk: Ein grüner Traum, gestaltet von Kramer & Kramer. www.kramerundkramer.at 

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Erst 100 Jahre nach Erfindung des Aufzugs haben wir begonnen, unsere Dachlandschaften zu er-schließen«, sagt Erich Bernard, Partner im Wiener Architekturbüro BWM. »Doch dafür erleben wir heute einen regelrechten Dachterrassen-Boom, der sich über den Dächern manifestiert wie eine eigene Stadt über der Stadt.« Es ist nicht nur die atemberaubende Aussicht, die die Menschen an die Frischluft treibt, so der Architekt, sondern vor allem auch die Option, das Wohnzimmer in der warmen Jahreszeit ins Freie zu verlängern und das Wohn- und Lebensgefühl auf diese Art zu erweitern.

»Ich kann nur jedem raten, die Dachterrasse mit der gleichen Sorgfalt wie einen Innenraum zu behandeln. Das bezieht sich nicht nur auf die architektonische Qualität, sondern auch auf die Auswahl an Materialien und Verarbeitungstechniken«, so Bernard. Outdoor-Möbel müssen robust, UV-beständig und vor allem schwer genug sein, um bei den bisweilen hohen Windgeschwindigkeiten in luftiger Höhe nicht beim ersten Sturm weggewirbelt zu werden. Viele Details, wie etwa Belastung, Befestigung und Absturzsicherung, müssen ganz genau festgelegt und von der zuständigen Baubehörde bewilligt werden.

»Ich kann nur jedem raten, die Dachterrasse mit der gleichen Sorgfalt wie einen Innenraum zu behandeln.« Erich Bernard 

Materialwahl und Statik

Ein wichtiger Punkt betrifft die Oberflä­chen: Terrassenbeläge sollten, da sich Stein und Beton in der Hitze allzu sehr aufheizen und damit zu hohe Temperaturen abstrahlen, nach Möglichkeit aus Holz sein. Am bes­ten eignen sich heimische Lärche und Douglasie oder tropische Hölzer wie etwa Ipe und Teak aus Plantagenanbau. Als günstige Alternative bieten sich Holzkunststoffe an. Nachteil an der Sache: Die mit Holzmehl und Harz gebundenen Kunststoffe bleichen in der Sonne nach einigen Jahren aus. »Besonders helle oder sehr dunkle Baustoffe sollten generell vermieden werden«, rät Erich Bernard. »Diese blenden und reflektieren oder absorbieren zu viel Hitze.«

Im Grunde genommen sind der Gestaltung auf der Dachterrasse keinerlei Grenzen gesetzt – vorausgesetzt, man beachtet die ­statischen Gegebenheiten und rüstet die Dachkonstruktion bei Bedarf nach. »Dachterrassenaufbauten sind sehr schwer und müssen daher von Anfang an exakt geplant und berechnet werden«, sagt Christian Prasser von CP Architektur. »Vor allem, wenn man mit Erde, Wasser-flächen und mit Bäumen, Sträuchern und Blumenbeeten arbeiten möchte, sind hohe Lasten einzukalkulieren.« Im Notfall müssen Träger und Decken mit Holz oder Stahl ertüchtigt werden.

Ausstattung und Bepflanzung

»Die meisten Menschen wünschen sich eine Südterrasse«, so Prasser, »aber davon rate ich dringend ab, denn im Sommer kann es in diesen exponierten Lagen unangenehm heiß werden. Weitaus mehr Aufenthaltsqualität haben nordseitig gelegene Terrassen mit teilweiser Verschattung.« Mit ent-sprechenden Mitteln lässt sich das Mikroklima zudem noch verbessern: Pergolen spenden Schatten und Windschutz, Pflanzen sorgen für bessere Luftfeuchtigkeit, Wasserflächen bieten optische und klimatische Abkühlung.

»Mit einem Pool wird die Dachterrasse zum fast ganzjährigen Urlaubsersatz«, sagt Prasser, der bereits im 3. und 19. Wiener Gemeindebezirk sehr hochwertige Privatterrassen realisiert hat. »In beiden Fällen haben wir ein beheizbares und abdeckbares Becken mit Gegenstromanlage eingeplant. Auf diese Weise bleibt der Swimmingpool bis in den Spätherbst für Sport und Regeneration nutzbar.« Die dafür nötige Pooltechnik sollte sich idealerweise im gedämmten Bereich befinden. Zu beachten sind zudem ausreichend Stauräume für Möbel, Pölster und Spielsachen sowie eine flächendeckende Bewässerungstechnik.

Doch was wäre die Dachterrasse ohne Vegetation? »Die Pflanzen sollten sehr sorgfältig ausgewählt und aufeinander abgestimmt werden«, empfiehlt Stefan Hinterhölzl vom steirischen Gartenplanungsbüro Kramer & Kramer. »Vor allem empfehle ich, auf die richtige Blütenfolge zu achten. Mit etwas Geschick kann man die bunte Blütezeit in unseren Breitengraden auf die Zeit zwischen April und September ausdehnen.« Besonders geeignet und resistent gegen Wind und Sonne, so Hinterhölzl, seien Lavendel, Gräser, Staudensorten, Kräuter wie etwa Thymian und Rosmarin sowie Beerensträucher und Gemüse. Immer wieder findet man in den von Kramer & Kramer gestalteten Dachgärten auch expressive Gehölze und Bonsai-Bäume.

»Aber auch größere Bäume sind möglich, wenn man die nötigen statischen Maßnahmen ergreift und genügend Erde vorsieht«, erklärt Janos Kárász vom Wiener Landschaftsplanungsbüro Auböck & Kárász. »Bei einer 60 bis 70 Zentimeter hohen Substratschicht kann man bereits Zieräpfel, Felsenbirnen und japanischen Fächerahorn einpflanzen.« Alternativ kann man auch auf sogenannte Flachwurzler zurückgreifen, die für niedrigere Substratschichten herangezüchtet werden – so geschehen im Dachgarten am von Auböck & Kárász geplanten Erste-Campus.

Dachterrassen-Impressionen in der Bildergalerie:

Aussergewöhnliche Perspektiven

Bei allen – oft asiatisch angehauchten – Trends und kurzfristigen Modeerscheinungen gibt es nur ein Veto: »Viele träumen davon, auf ihrer Dachterrasse Bambus anzupflanzen, aber davon rate ich dringend ab«, so Kárász. »Erstens ist Bambus sehr windanfällig, und zweitens sind die Wurzeln so aggressiv, dass sie handelsübliche Wurzelvliese durchbohren und auf diese Weise die Dachisolierung beschädigen.« Bauliche Gegenmaßnahmen sind möglich, aber technisch sehr aufwendig.

Dass man über den Dächern auch ohne viel Grün verweilen kann, beweist die exotische Dachterrasse der Familie Kawamoto in Japan. Als würde sich eine Gletscherzunge durch die Stadt schieben, spitzt sich die weiß lackierte, in einem Stück betonierte Terrasse dramatisch zu und steigt auf acht Meter Höhe an. Während der Zugang auf die Terrasse ganz unaufgeregt im ersten Stock liegt und diese vom Wohn-zimmer aus stufenlos betreten werden kann, bietet sie dem Wan­derer am steilen Weg nach oben nicht nur Bäume fürs Gemüt, sondern auch so manch Bänkchen zum Verweilen, ehe sie ganz oben eine fantastische Aussicht auf das dicht verbaute Dächermeer von Nishinomiya offenbart.

»Wir pflegen in Japan die Kultur, in unseren Blicken die Landschaft, die Bäume, die Berge einzufangen«, sagt der Tokioter Architekt Sou Fujimoto. »Diese Tradition spiegelt sich nicht nur in der Kunst wider, sondern auch in unserer Architektur. Allein: In den großen Ballungszentren wie etwa Kobe, Nishinomiya und Osaka sucht man vergeblich nach dieser Landschaft. Also habe ich beschlossen, inmitten des Wohnviertels, umgeben von Hunderten Häusern, einen künstlichen Berg in die Stadt zu setzen.« Bleibt zu hoffen, dass Familie Kawamoto schwindelfrei ist, wenn sie ihre Dachterrasse mit rutschfesten Pantoffeln besteigt.

Gute Aussichten

Vor dem Schlafzimmer blühen Rosmarin und Lavendel. An der Wand klettern Efeu und Veitschi hoch. Und im Halbschatten der Wendeltreppe erwarten uns zwei Terrassenliegen mit fantastischem Ausblick in den sommerblauen Himmel. Schon bald könnte dieses Szenario Wirklichkeit werden. Vorausgesetzt natürlich, man ist bereit, 7500 Euro pro Quadratmeter zu berappen. »Wir stehen kurz vor Fertigstellung, und von den insgesamt 19 Wohnungen sind noch drei zu haben«, sagt Marcus Haider, Makler bei Alexandra ­Gabriel Immobilien. »Das sind High-Quality-Wohnungen mit 2,70 Meter Raumhöhe, Dreifach-Verglasung und hochwertigsten Materialien. Das hat seinen Preis.«

Die Rede ist von den sogenannten Sky Gardens in der Rasumofskygasse im dritten Wiener Gemeindebezirk. Das Haus dürfte den meisten Wienern bekannt sein, schließlich befand sich in dessen Erdgeschoß bis 2005 der Gourmet-Tempel »Steirereck«. »­Im gehobenen Segment müssen die Dachterrassen-Wohnungen schon tadellos sein«, so ­Haider. »Dazu gehört, dass die Wohnung möglichst ohne Schrägen auskommt und dass die Terrasse vom Wohnzimmer aus niveaugleich zu erreichen ist.«

Die Ansprüche sind hoch

Das bestätigt auch Peter Marschall, Geschäftsführer von Marschall Immobilien. »Eine gute, hochwertige Dachterrassen-Wohnung muss den höchsten Ansprüchen gerecht werden. Raumhöhen sollen großzügig, die Raumaufteilung muss gut durchdacht sein, und die Terrasse soll einen Ausblick auf die Stadt bieten, darf dabei aber nicht einsichtig sein.« Das Angebot, das all das erfüllt, ist rar. Und es ist über den heiß umkämpften Dächern immer seltener anzutreffen. Entsprechend exklusiv ist auch der Preis. »Natürlich gibt es auch noch Dachterrassen-Wohnungen um 500.000 Euro, aber das ist heute schon die Ausnahme. Ein größeres Angebot gibt es im Luxusbereich ab einer Million Euro aufwärts«, so Marschall.

Die beiden Bauvorhaben im Kaasgraben und in der Langackergasse in Wien-Döbling beweisen recht anschaulich, wie überwältigend der Luxus ist, wenn man entsprechend tief in die Tasche greift. Thermobehandelte Holzdielen, Naturstein, eingespannte Glasgeländer, begrünte Terrassenflächen und eingelassene Swimmingpools sind hier State of the Art. »Die Zeiten von Marmor, Messing und Prunk auf der Terrasse sind endgültig vorbei. Was die Menschen heute erwarten, ist eine kühle, kubistische Eleganz mit Leichtigkeit, Luftigkeit und ohne schräge Wände.«

»Eine gute, hochwertige Dachterrassen-Wohnung muss den höchsten Ansprüchen gerecht werden.« Peter Marschall

Besonders wichtig, meint Clemens Riha von Gebrüder Riha Immobilien, sei ein niveaugleicher Austritt ins Freie. »In Mietwohnungen sind die Bewohner unter Umständen noch bereit, ein paar Stufen zu steigen, wenn sie ­auf die Terrasse wollen. Im Eigentum muss alles barrierefrei erreichbar sein.« Besonders gefragt sind Dachterrassen mit 20 Quadratmetern oder mehr. Zu groß dürfe die Freifläche unter dem Himmel allerdings auch nicht sein. »In den meisten Fällen werden Terrassen je nach Größe mit 25, 33 oder 50 Prozent des Quadratmeterschlüssels berechnet. Zu große Flächen machen die Wohnung in Summe unverhältnismäßig teuer«, so Riha.

Immer häufiger, erklärt Johanna Prosenik von RE/MAX Austria in Wien-Hietzing, legen die Käufer bei Terrassen Wert auf ganz praktische, alltägliche Dinge wie etwa Licht, Strom, Wasseranschluss, rutschfeste Beläge und Nachrüstbarkeit für diverse Formen der Verschattung. All diese Details müssten in der Planung bereits berücksichtigt werden. Damit ergeben sich neue Vorgaben und Aufgabengebiete für den Bauträger.

»Wenn Sie mich nach meinen Beobachtungen fragen, so kann ich nur sagen, dass Dachwohnungen nicht mehr so stark nachgefragt werden wie in der Vergangenheit«, sagt ­Andrea Mittermayr, Expertin für Privatwohnungen und Zinshäuser bei Spiegelfeld Immobilien. »Wenn also Dachwohnung, dann muss schon alles tiptop passen. Lieber ein paar Quadratmeter weniger, aber dafür eine wirklich schöne Dachwohnung. Nicht jedes Objekt am Markt wird diesem Anspruch gerecht.«

Mehr »Gute Aussichten« in der Bildergalerie:

Small is Beautiful

Dachwohnungen mit etwas weniger Fläche sind genau das, woran es heute in der Großstadt mangelt. »Die meisten Dachterrassen-Wohnungen sind groß und entsprechend teuer«, so Alexander Scheuch, Geschäftsführer von Rustler Immobilien. »Unter 800.000 Euro ist in Wien kaum noch was zu finden. Daher empfehle ich allen Bauträgern und Projektentwicklern, kleinere Wohnungen zu bauen, damit das Wohnen über den Dächern auch für Normalsterbliche wieder leistbar wird.«

In den beiden Dachgeschoß-Projekten Margaretenstraße und Siebertgasse wurde genau darauf Wert gelegt: Wohnungen mit 80 bis 90 Quadratmetern und kompakter, aber gut nutzbarer Dachterrasse. »Parallel zum Luxussegment sehe ich also ganz klar einen Trend zu smarten, leistbaren Dachterrassen-Wohnungen. Das wird ein neues Marktsegment im städtischen Wohnen werden.«

Aus dem Living Magazin 02/2017.

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