Die Noblesse der Burgunderweine

Pannonisches Klima und Neusiedler See lassen feine Burgunderweine entstehen.

© Mischa Nawrata

Pannonisches Klima und Neusiedler See lassen feine Burgunderweine entstehen.

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Während die roten Burgundersorten Pinot Noir und St. Laurent in ganz Österreich eher Raritäten sind, haben sich im Burgenland die Bestände in der letzten Dekade auf insgesamt circa 800 Hektar fast verdoppelt. Das Vorhandensein des Blauen Burgunder im Burgenland reicht sicher mehrere Jahrhunderte zurück. In der Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts wurde bereits über die roten ungarischen »Burgunderweine« geschrieben – aber meist bezog man sich damit auf einen französischen Stil und nicht auf die Sorte.

Da die Zisterzienserklöster rund um den Neusiedler See bereits früh begütert waren – der »Heiligenkreuzer-Keller« in Winden oder der Ortsname Mönchhof erinnern daran –, ist auch das frühe Vorhandensein der Burgundersorten naheliegend. Dass der Pinot Gris auf Ungarisch bis heute den Namen »Grauer Mönch« trägt, unterstreicht diese uralte Verbindung mit dem Burgund, das das Ur­­sprungsgebiet der Zisterzienser war. Sie waren die treibende Kraft bei der Urbarmachung des heutigen Seewinkels und zugleich Impulsgeber für den Weinbau.

Heinz Velich aus Apetlon zählt zu den international anerkannten Produzenten der Sorte Chardonnay.
Heinz Velich aus Apetlon zählt zu den international anerkannten Produzenten der Sorte Chardonnay.

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Wein wie in Frankreich

Dabei war der Blauburgunder dazumal eher das Steckenpferd reicher Leute und begüteter Aristokraten, da er aus wirtschaftlichen Überlegungen wenig interessant war. Immerhin ist er schwierig im Anbau und hat im Vergleich zu anderen Rebsorten einen geringeren Ertrag. Im Schlossweingut der Familie Esterházy wird der Pinot Noir nachweislich seit 1758 gekeltert, auch auf Schloss Halbturn hat der Blauburgunder eine lange Tradition.

Der St. Laurent wurde in Österreich erst 1893 erstmalig erwähnt und zählt zu den anspruchsvollsten Sorten des Landes. Es wird auch beim St. Laurent ein französischer Ursprung vermutet, er könnte von Mönchen ins Stift Klosterneuburg gebracht worden sein, wo er bereits im 18. Jahrhundert unter dem Namen »Schwarzburgunder« auftaucht. Als Qualitätsrebsorte ist der St. Laurent in Österreich erst seit 1972 anerkannt, seine größte Verbreitung hat die würzige Rotweinsorte heute im nördlichen Burgenland und in der Thermenregion. Es ist seine Eigenständigkeit, die die Sorte heute für manchen Winzer zunehmend spannend macht.

Gerhard Pittnauer aus Gols keltert sowohl große St.-Laurent- wie auch Pinot-Noir-Weine.
Gerhard Pittnauer aus Gols keltert sowohl große St.-Laurent- wie auch Pinot-Noir-Weine.

© Mischa Nawrata

Die Wissenschaft hat die Zugehörigkeit

des St. Laurent zur Burgunderfamilie durch Genforschung nachgewiesen: Er ist eine Kreuzung aus Pinot Noir mit einem noch unbekannten Partner. St. Laurent ist meist etwas säurebetonter und gerbstoffreicher als Blauburgunder. Sein Bukett erinnert an Kirschen, Weichseln, Kaffee und Schokolade, mit einigen Jahren Reife nimmt er eine angenehme samtig-trockene Textur an.

»Wenn vom Burgenland die Rede ist, denkt der Weinfreund automatisch an unsere erstklassigen Rotweine, manch einer vielleicht auch an die Süßweine. Dass das Burgenland auch tolle Weißweine erzeugt, ist noch immer zu wenig in den Köpfen der Konsumenten verankert«, weiß Andreas Liegenfeld, seines Zeichens Präsident des burgenländischen Weinbauverbandes. »Dabei können gerade mit Chardonnay, Weißburgunder, aber auch Grauburgunder unsere Winzer immer öfter auch international reüssieren.« Rund 1500 Hektar sind im Burgenland mit diesen weißen Burgundersorten bepflanzt, das entspricht einem Viertel der Weißweinfläche. Der Löwenanteil der Weine kommt aus den beiden Appellationen rund um den Neusiedler See, der auf das Klima entscheidenden Einfluss nimmt.

Im Westen bestimmt der Leithaberg mit seinen speziellen Böden die Güte der Weißweine, ein hoher Anteil an Kalk, aber auch Glimmerschiefer kommt den Burgundersorten sehr entgegen. Aber auch der Seewinkel mit seinen teils schottrigen, teils sandig geprägten Lagen bringt sehr feine und lagerfähige Weißweine hervor. In den südlicheren Regionen des Burgenlands, wo König Blaufränkisch regiert, ist der Weißwein generell eher ein Randthema.

In der Region um Rechnitz im Südburgenland gibt es eine nennenswerte »Weißwein-Insel«, im Mittelburgenland zeigt Albert Gesellmann seit Jahren welches Potenzial für Spitzenweißweine vorhanden ist. Auch wenn sich die Weine von den beiden Seeseiten schon wegen den geologischen Gegebenheiten unterscheiden, so weisen sie im Charakter doch gewisse Gemeinsamkeiten auf, die vom See­klima bestimmt sind. Die Weine besitzen stets eine gute Reife und dadurch einen angenehmen, extraktsüßen Grundton. Die Säurestruktur ist weniger ausgeprägt als in den kühleren Anbauzonen. Dennoch lassen die weißen Burgunder des Burgenlands eine angenehme, oft salzig-mineralische Frische nicht vermissen, die den Weinen einen guten Trinkfluss verleiht. Ein weiterer Pluspunkt ist die Lager­fähigkeit, die speziell bei den in Holzfass geschulten Vertretern zu den Stärken der weißen Burgundersorten zählt.

»Der aktuelle Jahrgang 2015 ist ein Jahr, wie man es sich wünscht«, sagt Winzer Georg Prieler aus Schützen, »ein perfektes Erntewetter brachte uns kleinbeerige, reife und kerngesunde Trauben, da kann man sich auf einen großartigen Jahrgang freuen – und es lohnt sich, den weißen Burgunder einige Jahre an Reife angedeihen zu lassen. Er wird dann noch facettenreicher und ausdrucksvoller.«

Die Top-Burgunder in Weiß und Rot finden Sie unter »MEHR ENTDECKEN«.
Burgunder wird im Schloss Halbturn im kleinen Holz ausgebaut.
Burgunder wird im Schloss Halbturn im kleinen Holz ausgebaut.

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