Die neuesten »Open Space« Trends

Das neue Headquarter des Fernsehsenders Sky in London zeichnet sich durch Leichtigkeit aus.

© Mark Cocksedge

Das neue Headquarter des Fernsehsenders Sky in London zeichnet sich durch Leichtigkeit aus.

© Mark Cocksedge

»Wir haben uns nach einem offenen, kommunikativen Ort gesehnt, der sowohl auf Kollegen als auch auf Besucher inspirierend und energetisierend wirkt«, sagt Andrew Jackson, Bau- und Projektmanager beim britischen Sport- und Nachrichtensender Sky. Die kürzlich eröffnete Unternehmenszentrale in Osterley, West-London, geistert derzeit durch Blogs in aller Welt. »Daher haben wir uns entschieden, ein Großraumbüro zu bauen, das weniger Office und mehr Campus ist.« Die 3500 Arbeitsplätze sind in 18 kleinere, sogenannte Neighbourhoods unterteilt. Jede Nachbarschaftseinheit fasst rund 200 Mitarbeiter und verfügt über Teeküche, Lounge, Rückzugsräume und vielfältig gestaltete Mittelzonen zum kollektiven Arbeiten. Hinzu kommen 30.000 Pflanzen und jede Menge Holz. »Der wichtigste Aspekt der neuen Bürokonzepte ist nicht der große Raum, sondern die Offenheit des Arbeitens«, sagt Günther Marchtrenker, Geschäftsführer der Hali Betriebs GmbH, die auf die Planung und Produktion hochwertiger, innovativer Büromöbel spezialisiert ist. »Daher verwenden wir statt Großraumbüro lieber den Begriff Open Space.« Zu den elementaren Vorteilen des Open Space gegenüber einem klassischen Büro zählen die offene, unmittelbare Kommunikation sowie die abwechslungsreiche Gestaltung mit Arbeitsplätzen unterschiedlicher Qualität.

»Der wichtigste Aspekt der neuen Bürokonzepte ist nicht der große Raum, sondern die Offenheit des Arbeitens«
Günther Marchtrenker

Ein essenzieller Bestandteil jedes Open Space, meint der Hali-Geschäftsführer, sei ein gewisses Spektrum an Rückzugsmöglichkeiten – angefangen von Telephone-Booths über akustisch abgeschirmte Besprechungszimmer bis hin zu individuellen Kojen zum Ausruhen. »Vielfalt ist notwendig. Und ich warne davor, auf diese Bonusräume zu verzichten, denn das führt meist zu einer Demotivierung der Mitarbeiter, zu einer Zunahme von Krankenstandstagen und letztendlich auch zu einem wirtschaftlichen Schaden für das Unternehmen.«

Die Abwechslung macht es aus

Je mehr Menschen sich einen Raum teilen, desto wichtiger wird die Abwechslung, bestätigt auch Helmut Sattler, CEO des burgenländischen Unternehmens Neudörfler. »In einem gut geplanten Open Space haben die Mitarbeiter die Wahl zwischen klassischem Workplace und verschiedenen, oft auch informelleren Arbeits- und Regenerationsbereichen. Es geht um die Abwechslung.« Während Teeküchen und Kaffeeplätze früher gerne versteckt wurden, bilden sie heute oft das Zentrum eines Open-Space-Büros. 

»Eine immer größere Rolle im Open Space spielen Akustik und Ergonomie, und da darf man nicht sparen«, so Sattler. »Die Hebelwirkung in diesem Punkt ist nämlich enorm. Gemessen an den Gesamtlebenszykluskosten eines Unternehmens entfallen 80 Prozent der Kosten auf die Mitarbeiter-Gehälter, 15 Prozent auf Errichtung und Miete eines Gebäudes und nur ein bis zwei Prozent auf die Inneneinrichtung. Und doch kann man mit dem richtigen Mobiliar vieles bewirken.« Laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts kann die Performance der Mitarbeiter – bei einer guten, schallabsorbierenden Akustik – um bis zu 38 Prozent gesteigert werden.

Die neuesten Open-Space-Impressionen:

Open-Space-Konzepte haben jedoch nicht nur mit technischen Maßnahmen zu tun, sondern vor allem auch mit der Nutzung und der damit verbundenen Ästhetik. »Wir haben in den letzten Jahren ein paar Leuchtturm-Projekte von Google, Facebook und Microsoft erlebt«, erklärt Markus Wiesner, Geschäftsführer von Wiesner-Hager. »Und natürlich haben all diese inszenierten Rutschen, Gondeln und Hängematten nur wenig mit der durchschnittlichen Realität zu tun. Aber man muss diesen Büros zugestehen, dass sie die Entwicklung der Büroarchitektur extrem beschleunigt haben. Wir haben heute ein ganz anderes Bild davon, wie ein modernes Büro auszusehen hat, als noch vor zehn Jahren.« 

Das Arbeiten sei längst nicht mehr monofunktional, sondern umfasse viele unterschiedliche Tätigkeiten, die im Laufe eines Arbeitstages sehr stark variieren können. Für Architekten, Fachplaner und Büromöbelhersteller ergibt sich damit ein völlig neues Betätigungsfeld. »Im Open Space arbeiten wir heute in einem Spannungsfeld zwischen Konzentration und Kommunikation«, meint Thomas Bene von den Bürofreunden. »Und dafür muss man nicht immer Besprechungszimmer buchen und Konferenzen einberufen. Oft reicht es, sich mit Zuruf oder Handzeichen und in informellen Kaffeerunden aus­zutauschen. Es ist ein Arbeiten in Blickgeschwindigkeit.« 

My Desk is my Castle

Ob ein Großraumbüro funktioniert oder nicht, ist auch eine Frage der Unternehmenskultur. Nur in einem Punkt zeigt sich Gabriele Blaha, Geschäftsführerin der Blaha Sitz- und Büromöbel GmbH, kritisch: »Teamarbeitsplätze und moderne Open Spaces sind sehr wichtig, um konstruktiv arbeiten zu können. Allerdings hat sich die Idee des Desk-Sharings als kontraproduktiv erwiesen. Die Teams werden durch diese Praxis zerrissen, und Kommunikation wird nicht leichter, sondern schwieriger.« My desk is my castle: Vor allem im Großraumbüro wird der individuelle Arbeitsplatz unverzichtbar. Diese Haltung der Wertschätzung jedes Einzelnen wirkt sich positiv auf das Betriebsklima aus und, wie Blaha ergänzt: »Wenn es gilt, die besten Köpfe für ein Unternehmen zu gewinnen und vor allem zu binden, dann spielt ein attraktiver Arbeitsplatz im ›War for Talent‹ eine zentrale Rolle.«

Aus dem Living Magazin 02/2017.

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