Angelos Töchter: Rossanna und Gaia Gaja
Angelos Töchter: Rossanna und Gaia Gaja / Foto: Othmar Kiem

Die Welt des Weins ist Män­nersache. Klar. Weingar­tenarbeit? Männersache! Kellerarbeit? Männersache! Oder vielleicht doch nicht mehr so klar? Gerade im Piemont, wo aus der Nebbiolo-Traube mächtige, tanninreiche Weine, Barbaresco und Barolo, gewonnen werden, häuft sich die Frauenpräsenz in den Betrieben zusehends. Und die Rolle dieser Frauen ist auch nicht mehr auf Medienarbeit oder Verkaufsassis­tenz beschränkt. Sie packen richtig mit an, arbeiten im Keller, koordinieren die Arbeiten im Weinberg, organisieren den Versand der Weine und präsentieren ihre Weine auf Messen und bei Präsentationen in aller Welt.

Angelo Gaja und seine Töchter
Gaia und Rossana Gaja (siehe Bild oben) zählen unbestritten zu dieser Kategorie der Allrounderinnen. Wer in solch einem berühmten Weingut aufwächst und solch einen bekannten Mann wie Angelo Gaja zum Vater hat, hat im Berufsleben nur zwei Möglichkeiten: entweder sich völlig vom Betrieb zu distanzieren und in einer anderen Branche tätig zu sein oder doch den Spuren des Vaters zu folgen. Bei einem Perfektionisten wie Angelo Gaja ist das gewiss nicht leicht. Seit 2004 ist Gaia Gaja, geboren 1979, im Betrieb an der Hauptstraße von Barbaresco tätig. Für sie sei immer klar gewesen, dass sie den Spuren des Vaters folgen wolle. Wein war und ist ihre Leidenschaft. Begegnete ihr die Fachwelt anfänglich noch etwas skeptisch, wie sie wohl mit dem weltbekannten Vater mithalten können würde, so wuchs sie nach und nach immer besser in ihre Rolle hinein. Heute kümmert sich Gaia vornehmlich um den Vertrieb und ist für das Weingut auf der ganzen Welt unterwegs. Auch für die jüngere Schwester Rossana, geboren 1981, stand schon immer fest, dass sie in den elterlichen Betrieb einsteigen würde. Sie besuchte die Weinbauschule in Alba, entschied sich dann auf der Uni aber für das Studium der Psychologie. »Gerade wenn man in einem Familienbetrieb arbeitet«, sagt sie verschmitzt, »ist Psychologie oft wichtiger als alles andere.« Vor eineinhalb Jahren begann sie, selbst mit Hand anzulegen. In Ca’ Marcanda, dem Gaja-Weingut an der toskanischen Küste, durchlief sie alle Stationen der Weinproduktion: von der Arbeit im Weinberg über Lese, Ver­gärung und Ausbau des Weins im Keller bis hin zur Betreuung der Kunden bei den ­Besuchen im Weingut. Nun ist sie zurück in Barbaresco und durchwandert auch dort langsam alle Bereiche. Angelo Gaja kann sich auf jeden Fall entspannt zurücklehnen: Auch die nächs­te Generation wird das Weingut erfolgreich weiterführen.

Bruno Rocca und seine Tochter Luisa
Bruno Rocca gehörte in den frühen Achtzigerjahren zu den jungen Wilden von »Langa In«. Seinen Barba­resco Rabajà, auf dessen Etikett die charakteristische Feder prangt, machte er in aller Welt bekannt. Heute steht er an der Schwelle zum Rentenalter, auf dem Weingut ist bereits die nächste Generation tätig.

Luisa, das neue Gesicht bei Bruno Rocca
Luisa, das neue Gesicht bei Bruno Rocca


Nachdem Luisa Rocca zuerst eine Ausbildung zur Kosmetikerin absolviert hatte, kehrte sie 2005 in den elterlichen Betrieb zurück. »Die Familienbande«, erklärt sie, »sind halt doch stärker gewesen.« Fortan kümmerte sie sich um die gesamte Verwaltungsarbeit. Im Lauf der Zeit übernahm sie auch den Kontakt zu den Kunden und stieg ­aktiv in den Verkauf ein. Heute ist meist Luisa unterwegs, wenn es darum geht, das Weingut irgendwo auf der Welt zu präsentieren. Vater Bruno Rocca werkt indessen im Keller und trifft die letzten Vorbereitungen für die be­vorstehende Ernte. Das Herumfahren und ­Händeschütteln liegt ihm sowieso nicht, sagt er. Viel lieber sei er im Keller und drau­ßen in den Weinbergen.

Tiziana Cortese, herzliche Repräsentantin der Langhe
Tiziana Cortese, herzliche Repräsentantin der Langhe

Tiziana Cortese vom Weingut Giuseppe Cortese
Wie viele andere in der Umgebung besuchte auch Tiziana Cortese vom Weingut Giuseppe Cortese die Weinbauschule in Alba. Seit zehn Jahren arbeitet sie im Betrieb. Ihr Vater begann einst mit der Flaschenfüllung. Er kümmert sich nach wie vor um die Weinberge, ihr Bruder macht den Keller, Tiziana hat sich vorrangig
auf Verkauf, Weingutsbesuche und Kunden­kontakte verlegt. Es macht ihr Spaß, ihre Weine, ihr Weingut und dazu die gesamte Landschaft der Langhe zu präsentieren. Knapp acht Hektar bearbeiten die Corteses, vier davon liegen in der Renommierlage Rabajà. Die Familie versucht, einen Wein gemäß der Tradition zu ­erzeugen, das heißt lange Maischegärung und Ausbau im großen Holzfass. Die Barbarescos von Cortese gefallen durch ihre Klarheit und Geradlinigkeit. Von einer Parzelle mit vierzig Jahre alten Nebbiolo-Reben erzeugen die Corteses auch eine Riserva. Der Jahrgang 2004 kommt erst im nächsten Jahr in den Verkauf. Der nachverkostete 2001er wirkte noch immer sehr jugendlich und zeigte viel feinkörniges Tannin. Hier heißt es warten können.

Von Barolo-Boys zu Barolo-Girls

Paolo Scavino ist einer der großen Namen bei Barolo. Enrico Scavino zählte einst zu den sogenannten Barolo-Boys, die angetreten waren, dem Barolo einen moderneren Auftritt zu geben. Neuerdings geben bei Scavino aber die Barolo-Girls den Ton an. Enricos Töchter Enrica (geboren 1974) und Elisa (geboren 1981) haben weite Bereiche übernommen. Enrica ­Scavino geht ihrem Vater schon lange zur Hand und kümmert sich um Verwaltung und Verkauf. Bei Präsentationen im Ausland ist meis­tens sie vor Ort. Elisa besuchte die Weinbauschule und anschließend die Universität in Turin. Seit 2006 ist sie zurück und kümmert sich um Landwirtschaft und Keller.

Aufgabenteilung: Enrica (l.) und Elisa Scavino
Aufgabenteilung: Enrica (l.) und Elisa Scavino


Auf die Frage, was sie anders machen möchten als ihr Vater, gibt es zunächst einmal nur Schweigen. Bei einem Betrieb, der unter der Führung des Vaters so erfolgreich wurde, will man nicht unbedingt etwas ändern. Dann beginnt Elisa zögerlich: Sie möchte auf die schonende Bewirtschaftung der Weinberge noch mehr Bedacht legen. Man müsste es schaffen, so gibt sie vor, die Weine wieder etwas weniger alkoholreich zu machen, sie dürften dabei aber nicht an Konzentration verlieren. Eine Herausforderung, die in den nächsten Jahren sicher nicht nur auf Scavino zukommt.

Text und Fotos von Othmar Kiem

Den ganzen Artikel mit den weiteren Winzerinnen Marina Marcarino, Silvia Altare, Barbara Sandrone, Maria Teresa Mascarello und Marta Rinaldi lesen Sie in Falstaff 08/10.


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