Die Küchen-Trends 2019

Musterbeispiel für einen klassischen Anspruch ist die Küche »Artex« von R&D Poliform, bei der die edlen Materialien Hauptprotagonisten sind. poliform.it

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Musterbeispiel für einen klassischen Anspruch ist die Küche »Artex« von R&D Poliform, bei der die edlen Materialien Hauptprotagonisten sind. poliform.it

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Die Kaffeemaschine wird noch vom Bett aus via App angeworfen, und während man zum Duft des frisch Aufgebrühten in die Küche kommt, zeigt der Kühlschrank schon Wetter und Nachrichten an. Selbst an die Milch muss man keinen Gedanken mehr verschwenden, denn der Mistkübel denkt mit und scannt die leeren Milchkartons und andere Abfälle, um Fehlendes gleich wieder auf die virtuelle Einkaufsliste zu setzen – ganz schön smart! Und das ist auch das Stichwort, denn am vernetzten Leben kommt bald keiner mehr vorbei – schon gar nicht in der Küche. »Die digitalisierte Welt schenkt uns viel neuen Freiraum. Abläufe automatisieren sich, per Mausklick ist praktisch alles und in kürzester Zeit erreichbar«, heißt es etwa bei Bulthaup. Das eben beschriebene Szenario ist vielleicht noch Wunschdenken, dennoch zielt es der technische Fortschritt genau darauf ab, derlei Abläufe in einem Haushalt zu standardisieren. »Das kann theoretisch heute schon sein«, erklärt Willi Bruckbauer, Gründer von BORA Lüftungstechniken, der durch die Entwicklung von patentierten Kochfeldabzugssystemen selbst zur -Innovation in der Küche beigetragen hat.

»Der Trend zur Individualität bedeutet auch eine stärkere Fragmentierung. Und ich erlebe mehr Experimentierfreude und Offenheit für Neues beim Konsumenten.« Willi Bruckbauer Gründer von BORA Lüftungstechnik

Die Küchentrends der Zukunft

Simply Clever

Bruckbauer sieht großes Potenzial für »einfache Lösungen auf hohem Niveau« und bringt damit vielleicht auch den Leitgedanken der diesjährigen EuroCuccina, der wohl größten Fachmesse für Küchen, auf den Punkt. Denn bei all den unterschiedlichen Herstellern lässt sich doch ein Trend als gemeinsamer Nenner orten: außen clean, innen clever! Was das in der Designsprache bedeutet? Offene Konzepte mit Kochinseln sind weiterhin im Vormarsch, die Integration der Küche in den Wohnbereich ist dabei längst keine Überraschung mehr. Ursache dafür ist laut Bruckbauer die aktuelle Immobilien-Entwicklung mit steigenden Mietpreisen und geringerem Platz­angebot: »Es wird eng in den Städten.«

Mehr denn je zählt daher »die Verbindung authentischer Materialien mit einer zeitlos reduzierten, eleganten Formensprache«, wie Thomas Pfister, Head of Product Design bei next125, erklärt. »Weniger ist mehr – wenn es gut durchdacht und designt ist«, meint auch Bruckbauer. Viele Finessen kommen so erst bei genauerem Hinsehen zum Tragen: verschiebbare Arbeitselemente bei Bulthaup, höhenverstellbare Kochinseln bei Team 7, Oberflächen aus Ceramic und grifflose Küchendetails dank Tip-on-Technik beim Hersteller next125 – Flexibilität ist Trumpf.

Rezept für die Zukunft

Während das Design also auf Understatement setzt und mit cooler Eleganz überzeugt, spielt die Ausstattung längst alle Stückerl. Hightech- Geräte sind nicht mehr nur den Profiköchen vorbehalten, auch der Endverbraucher profitiert enorm, allerdings bei unterschiedlichen Ansprüchen. Gesundheit oder besser die vermeintliche Optimierung derselben ist dabei ­einer der größten Antriebsfaktoren. Teller, ­die Kalorien zählen, Trinkgefäße, die jeden Schluck erfassen – alles wird in Echtzeit getrackt und ausgewertet. Bei Ausreißern in der Statistik kommt da schon mal eine mahnende Nachricht der App als Erinnerung. Ob und wie viel das dabei hilft, die eigenen Gewohn­heiten zu verbessern, ist noch unbekannt, beeindruckend sind die Möglichkeiten aber allemal – und einfach in der Handhabung. Das bringt auch das zweite Argument für die smarte Küche ins Spiel: die Bequemlichkeit!

Technologie und künstliche Intelligenz im Speziellen machen unser Leben deutlich effizienter, indem viele Abläufe automatisiert werden«, schwärmt etwa Sarah Pieters, die als Head of Marketing bei Smarter Einblicke in die Zukunft der Küchen hat. Die steigende Nachfrage nach Produkten wie Kühlschrank­kameras und WiFi-gesteuerten Kaffeemaschinen hat den britischen Technik­hersteller zum am schnellsten wachsenden Unternehmen auf dem heiß umkämpften »Connected Home« Markt gemacht. Vor ­allem ­die automatisierte Nachbestellung von Lebensmitteln sieht Pieters dabei als Innovation, die das Konsumverhalten nachhaltig ändern wird: »Schon jetzt sehen wir beispielsweise einen Umschwung von einem Groß- ­zu mehrfachen kleineren Einkäufen. Dank künstlicher Intelligenz werden dazu noch Rezepte geliefert – je nachdem, was sonst noch im Kühlschrank wartet.«

Das Ziel – und spätestens an dieser Stelle dürfen auch weniger technikaffine Köche aufatmen – ist: mehr Zeit gewinnen! Nämlich für das »Wesentliche«, heißt es bei Bulthaup. Und deshalb machen laut Bruckbauer nur Produkte Sinn, »die ohne Bedienungsanleitung vom Umfang einer Doktorarbeit auch im Alltag kompromisslos überzeugen«. Ähnlich sieht es Pieters: »All diese Innovationen werden in den Alltag einfließen. Nicht als Gadgets, sondern als Teil unseres Lifestyles.« Auf die Frage, ob wir in Zukunft selbst für simple Aufgaben wie das Kochen eines Eis eine App benötigen, meint Pieters: »Wahrscheinlich werden wir es einfach via Voice-Botschaft abrufen.« Wir sind begeistert.

 

 

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LIVING Nr. 04/2018
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