Die Kamptaler Granaten

Falstaff präsentiert die »Kamptal DAC Reserve«-Sieger der DAC-Rebsorten Grüner Veltliner und Rieslingaus dem spannenden Jahrgang 2012.

Der Cup-Sieg 2013 in der Kategorie Riesling war heiß umkämpft, hier lieferten sich einige großartige Weine ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Am Ende gab es hinter der Kommastelle ein ganz leichtes Plus für die glückliche Siegerin: Michaela Allram überzeugte die Jury mit ihrem finessenreichen, fein ziselierten Riesling Kamptal DAC Reserve aus der Lage Gaisberg. Der Kammerner Gaisberg ist der Nachbar des bekannteren Zöbinger Heiligensteins, getrennt nur durch einen Einschnitt, die Grub, und besitzt nahezu idente Voraussetzungen für die Rebe. Der Gaisberg besteht aus Gföhler Gneis mit einer vertikalen Schieferstruktur – geologische Anlagen, die ihn speziell im oberen Teil zu einer prädestinierten Rieslinglage machen. Verarbeitet wurden die handverlesenen Rieslingtrauben mittels temperaturkontrollierter Gärung bei 19° Celsius, im Edelstahltank ausgebaut und schließlich im April auf die Flasche gebracht. Auf Platz zwei landete Fred Loimer mit dem elegant-verspielten Riesling Kamptal DAC Reserve aus der Riede Seeberg. Diese Lage im Westen von Zöbing zeichnet sich durch die hohen Temperaturunterschiede aus, die hier zwischen Tag und Nacht herrschen, gleichzeitig ist der Boden sehr vielschichtig. Voraussetzungen, die für feinfruchtige, würzige Weine mit guter Konzentration sorgen. Den dritten Platz teilen sich auf­-grund exakter Punktegleichheit das Weingut Bründlmayer mit dem Riesling Heiligenstein Alte Reben und Schloss Gobelsburg ebenfalls mit dem Riesling Heiligenstein.

Die Siegerweine / © Moritz SchellParadeveltliner
In der Kategorie Grüner Veltliner geht der Sieg an das Weingut Sonnhof Jurtschitsch aus Langenlois, das mit seinem Grünen Veltliner Kamptal DAC Reserve aus der Ried Lamm einen echten Paradeveltliner vorlegte. Die Riede Lamm bildet den südöstlichen Hangfuss des berühmten Zöbinger Heiligensteins und ist wegen ihrer reicheren ­Böden für die Sorte Grüner Veltliner ideal ­geeignet. Zum »Making of« des Siegers sagt Alwin Jurtschitsch: »Die Trauben wurden durch mehrfache händische Selektion Ende Oktober in kleine Kisten geerntet. Im Presshaus erfolgte eine schonende Rebelung mit anschließender 12-stündiger Maischestandzeit. Der sich selbst klärende Most vergor langsam ohne Temperaturkontrolle in 500- Liter-Eichenholzfässern durch weinbergseigene, autochthone Hefen. Nach dem Abstich im Frühjahr reifte der Veltliner auf seiner Feinhefe im 700-jährigen Naturkeller bei konstanten 11° C, bevor er im August auf die Flasche gezogen wurde.« Den zweiten Platz belegt Heinz Weixelbaum aus Strass im Strassertal mit dem Grünen Veltliner Alte Reben 2012, und der dritte Rang geht an das Weingut Peter Schweiger aus Zöbing für den Grünen Veltliner Kamptal DAC Reserve Heiligenstein. Die Ehrung der diesjährigen Sieger des Falstaff-Kamptal-DAC-Reserve-Cups erfolgte im Rahmen der »Kamptaler Wein- Nacht« im Schloss Grafenegg, wo dem zahlreich erschienenen Publikum auch die Möglichkeit geboten wurde, sich selbst ein Bild der ausgezeichneten Weine zu machen.

Klein aber fein
Wie hoch das Qualitätsniveau in der Kategorie insgesamt ist, darüber geben folgende überaus erfreulichen Eckdaten Auskunft. Nicht weniger als 40 von 50 Weinen der Kategorie Riesling Kamptal DAC Reserve erreichten eine Punktezahl von 90 oder mehr, bei den Grünen Veltlinern kamen 49 von 70 vorgestellten Weinen auf ähnlich hohe Bewertungen. Das beweist nicht nur, dass der Jahrgang 2012 dem Kamptal qualitativ sehr entgegengekommen ist, sondern auch, dass die amtlichen Verkostungskommissionen bei der Vergabe des Herkunftsprädikats DAC sehr sorgfältige Arbeit leisten. Das ist komfortabel für den Konsumenten, denn das bedeutet, er kann auf die Herkunftsbezeichnung Kamptal DAC Reserve ungeachtet des Namens des Produzenten vertrauen. Einziger Wermutstropfen des Jahrgangs 2012 war der schlimme Spätfrost im Mai, der zu einer teilweise drastischen Verringerung der Erntemenge im Kamptal führte, speziell beim Grünen Veltliner sind die Einbußen markant. So lautet das Fazit: 2012 ist im Kamptal zwar mengenmäßig ein kleiner, dafür qualitativ ein großer Jahrgang, und es würde sich lohnen, von den stoffigen und lagerfähigen Reserve-Weinen einiges zurückzulegen. Denn noch zeigen sie lange nicht all ihre feinen Nuancen und Facetten.

>> Zu den Verkostungsnotizen

Text von Peter Moser   
Fotos von Moritz Schell
Aus Falstaff Nr. 08/2013