Die größten Interior-Trends 2018

Kräftige Farben, geradlinige Formen, gekonntes Spiel mit Gegensätzen. Arper hat mit »The Box« in Mailand einen Workspace ausgestattet und beweist dabei viel Gespür für aktuelle Trends. arper.com

© Giorgo Possenti

Kräftige Farben, geradlinige Formen, gekonntes Spiel mit Gegensätzen. Arper hat mit »The Box« in Mailand einen Workspace ausgestattet und beweist dabei viel Gespür für aktuelle Trends. arper.com

Kräftige Farben, geradlinige Formen, gekonntes Spiel mit Gegensätzen. Arper hat mit »The Box« in Mailand einen Workspace ausgestattet und beweist dabei viel Gespür für aktuelle Trends. arper.com

© Giorgo Possenti

Geometrie-Update

Diese Klarheit und der Wille zur Reduktion zeigen sich bei Interiors und Designs sehr deutlich bei der Betonung von Funktionalität und einer Formgebung, die zurzeit nicht selten ins Geometrische und eindeutig Kantige driftet. Egal, ob im Kleinen wie etwa bei ­Vasen und Kerzenhaltern, oder im Großen wie bei Esstischen oder Sofas der Fall. Das kann einem bekannt vorkommen, muss aber nicht weiter verwundern, denn: »Die Suche nach Alternativen zu immer ähnlicher werdenden Gebrauchs-gegenständen ist die Kernaufgabe eines Designers«, wie es Thomas Feichtner auf den Punkt bringt. Wie kann so etwas gelingen? »Es ist wichtig, den Dingen eine Identität zu geben. Neue Materialien und digitale Produktionsmethoden sind dabei ebenso inspirierend wie die Berücksichtigung kultureller und historischer Aspekte«, so der 48-Jährige, der seinen Ansatz konsequent verfolgt. Etwa bei seinem berühmten »Linz ­Hocker«, der aus recyceltem Kunststoff gefertigt wird und mittlerweile zum Design-klassiker avancierte, oder dem nicht minder berühmten »Carbon Chair«, einem streng geometrischen Stuhl aus Kohlefasern – quasi ein Hightech-Sitzchassis fürs Wohnzimmer.

»Wir sind Enkel und Urenkel der Moderne. Das ist ein schweres Erbe, aus dem ich gerne ausbrechen möchte.«   Thomas Feichtner, Designer

Neigt sich eine Dekade dem Ende zu, wird es für Trendsetter und Trendforscher spannend. Dann präsentiert sich nämlich langsam die Essenz des Jahrzehnts und liefert die Antworten auf die drei wichtigen Fragen im Lifestyle-Kosmos: Was geht? Was kommt? Was bleibt?
Wenn man dereinst auf die 2010er-Jahre zurückschaut und bewertet, was diese zehn Jahre so ausmachte, wird 2018 wohl eine Schlüsselrolle zugesprochen werden. Wirkt es doch durchaus so, dass die Trends, die man für heuer bestimmt und vorausgesagt hatte, eher keine ephemeren Verlegenheits-postulate sind. Vielmehr haben sich Strömungen und leichte Tendenzen der letzten Jahre verdichtet. 
Noch nicht ganz Mainstream, aber dennoch eindrucksvoll und stark genug, um zu überdauern, steht man heuer vor kräftigen Farben, die harmonisch in Wohnlandschaften Akzente setzen. Hinzu kommen Designs, die gekonnt mit Minimalismen und eleganten Linienführungen spielen. Vieles wird dabei auf die Spitze getrieben und gipfelt in verspielten Material- und Strukturmixturen oder am Ende gar in einer Musterorgie aus geometrischen Formen, monochromen Streifen oder Blumen-, Pflanzen- und Tierprints. Letztere waren ja bereits 2017 ein großes Thema. Auffällig ist beim Trend-Watching in jedem Fall: Man verliert nie den Blick fürs große Ganze.

Die wichtigsten Trends des Jahres stehen für sich selbst, funktionieren aber auch in Kombination miteinander sehr gut. »Ich glaube, wir sind grundsätzlich alle die Enkel- und Urenkel der Moderne«, meint der österreichische Stardesigner Thomas Feichtner, wenn man ihn bittet, die Gegenwart einzuschätzen, und präzisiert: »Die Moderne ist dabei als abstrakte Idee der Klarheit, Vereinfachung und Reduktion zu verstehen.«

Organic Forms

Das Pendel schlägt aber auch in die andere Richtung aus, gibt es doch durchaus starke Tendenzen, die sich gegen die – wenn auch verspielte – Strenge geometrischer Figuren richten. So trifft man 2018 vermehrt auf organische, geschwungene, fließende Formen, die ihre Inspiration eindeutig in der Natur holten. Es ist also kein Zufall, dass sich Designerin Ayala Serfaty bei ihrem Lichtobjekt »Horn« von Unterwasserpflanzen inspirieren ließ. Im Zuge der Wiederentdeckung des Organischen bekommt auch ein alter Design-Bekannter ein Update. Den schwungvollen »Panton Chair« von Vitra, der ja bekanntlich aus den 1960er-Jahren stammt, gibt es noch auf Hochglanz poliert mit Chrom-Oberfläche und wahlweise auch mit einer Lackierung, die im Dunkeln leuchtet. Und gleich doppelte Naturnähe zeigt ­Fernando Mastrangelo. Der New Yorker, der für seine skulpturalen Entwürfe zwischen Design und Kunst gefeiert wird, kreierte eine Chaiselongue, bei der weiche, organische Formensprache auf einen harten Materialmix aus Stein, Zement und zermahlenem Porzellan trifft. Denn im Design kommt es mehr denn je auf haptische Erlebnisse an.

Naturmaterialien & Struktur

»Wir wünschen uns wieder mehr Authentizität bei den Materialien. Wir leben digital, swipen täglich tausendfach über die glatte Oberfläche unserer Smartphones und haben kaum noch haptische Erlebnisse«, analysiert Hanne Willmann. Die deutsche Designerin zählt momentan zu den Shootingstars der Branche und ist überzeugt, dass uns die Bewegung hin zu Naturmaterialien und schönen Oberflächenstrukturen noch länger begleiten wird. »Wir sind vermehrt auf der Suche nach dem Echten, wollen, dass es ein wenig kitzelt, wenn wir über Oberflächen streicheln, und lieben mittlerweile auch kleine Fehler in der Struktur.« Einen Grund dafür macht die 31-Jährige in einer Art Digitalflucht aus. »Naturmaterialien wie Sandstein, raue, offene Keramiken, unbehandeltes Holz und Textilien mit haptischer Struktur helfen einem, sich zu erden und aus der digitalen Welt in die reale zurückzukehren.« Kaum verwunderlich also, wenn Branchenhelden wie der Brite Tom Dixon nun Textil-Kollektionen präsentieren, die mit dicken Steppdecken, getufteten Teppichen und Pölstern aufwarten. 

Auf Augenhöhe mit dem Zeitgeist ist in dieser Hinsicht auch das Label Tine K aus Dänemark. Einerseits, weil skandina­vische Design und das Hygge-Lagom-Thema nach wie vor ein globaler Interior-Trend sind. Andererseits, weil hier bewusst Naturmate­rialien verarbeitet werden und sich Kollek­tionsstücke finden, die einen globalen Ethno-Chic propagieren und fair produziert werden. Wer sich also innenarchitektonisch in Bohemien-Sphären katapul­tieren möchte, bringt heuer wohldosiert Möbelstücke aus fernen Kulturen in seinen Lebensbereich.

Neo-Folklore

Das darf und soll durchaus auch ins Folklo­ristische gehen. 2018 tauchen vermehrt alte Hochkulturen im Wohnzimmer auf. Das kann von chinesischen Drachenmotiven auf Teppichen über gezackte, farbenfrohe Aztekenmuster auf Wohntextilien bis hin zu Tapeten, die an die Kultur amerikanischer Ureinwohner erinnern, gehen. Federschmuck trifft Tomahawk und vermischt sich zu einem bunten Neo-Folklore-Mix. Richtig eingesetzt sorgen diese mystischen Akzente für ein gediegenes Maß an Opulenz. 
Francis Sultana ist einer dieser Meister der wohldosierten Opulenz. Der aus Malta stammende Designer, der in London lebt und arbeitet, wurde eben zum Kulturbotschafter seines Landes ernannt und ist sich sicher, dass vor allem Samt-, Tweed- und Bouclé-Stoffe die nächsten Jahre prägen werden. Dazu – und auch das passt perfekt in die Strömung des Neo-Folklorismus – kommen Materialien wie Rattan, Korb oder Bambushölzer. In Sachen Farben sieht Sultana vor allem ein Comeback kräftiger Töne: »Ocker, sattes Sonnenblumengelb, aber auch edles, tiefes Blau werden für Akzente und Kontrastierungen sorgen.«

Monochrom

Überhaupt sind Kontraste ein wichtiges Thema. In der »einfachsten« Form wäre dies das monochrome Spiel mit Weiß und Schwarz. Aber einfach ist gegenwärtig gar nichts, und so werden auch monochrome Stilwelten genussvoll gebrochen. Gerne mit Farbtupfern oder, noch besser, mit knalligen Farbinseln. Da darf dann schon einmal ein animalischer Tigerkopf aus dem schwarz-weißen Streifenmuster der Wand herausschauen und so auch eine der Grundthesen des Jahres mit Gebrüll bestätigen: Es geht 2018 um ein gleichberechtigtes und gut abgestimmtes Miteinander verschiedener Stile und Ideen, ohne dabei in Beliebigkeit zu versinken.

ERSCHIENEN IN

LIVING Nr. 01/2018
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