Das Weinbaugebiet ist dem klimatischen Spiel zwischen warmen pannonischen Einflüssen im Osten und den kühleren Strömungen vom höher gelegenen Waldviertel ausgesetzt und kann von der Dynamik zwischen eher niedrigen Nachttemperaturen und guter Erwärmung bei Tag profitieren. Die Trauben besitzen dadurch in aller Regel finessenreiches Säurespiel und gut ausgebildete Aromatik. Die Geologie im Kamptal ist recht vielfältig: Man findet Urgesteins­böden, aber auch Schotter und Löss sowie Raritäten wie den Wüstensandstein mit vulkanischen Elementen, der den berühmten Zöbinger Heiligenstein so unverwechselbare Weine hervorbringen lässt. Auf den steilen Terrassen am Südhang des Berges – so steil, dass keine dauerhafte Lössauflage angeweht werden konnte – wurzeln hauptsächlich Riesling­reben, die kraftvolle, mineralische und oft langlebige Weine hervorbringen. Richtung Donau verändern sich die Bodenformationen der Weinberge, hier sind auf breiten Löss- und Lehmterrassen ideale Voraussetzungen für klassische, aber auch kräftige Grüne Veltliner gegeben. Daneben spielen auch weiße und rote Burgundersorten sowie der Blaue Zweigelt ihre Stärken aus. Für die Produk­tion von Kamptal-DAC-Reserve-Weinen sind per Verordnung ausschließlich Grüner Velt­liner und Riesling zugelassen, alle anderen Weine laufen unter der Bezeichnung »Nieder­österreich«.

Die Cup-Sieger in der Kategorie Riesling
Der Riesling stellt von Haus aus höchste Ansprüche an Lage und Boden. Die duftigsten und rassigsten Weine entstehen auf Schiefer- und Urgesteinsverwitterungsböden. Riesling ist spätreifend, was in der Praxis eine Ernte ab Ende Oktober bis November bedeutet. Sein charmantes Bukett besitzt zumeist zarte Anklänge an Pfirsiche, Marillen und Zitrusfrüchte. Am Gaumen wirkt der Riesling wegen seiner pikanten Säure sehr rassig und anhaltend. Er entwickelt sich kontinuierlich und ist daher sehr gut lagerfähig, dies gilt im Besonderen für die raren Spät- und Auslesen. Die verwitterten Gesteinsböden mit vulkanischen Bestandteilen wie am Zöbinger Heiligenstein garantieren unvergleichliche Mineralik, Biss und hervorragendes Reifepotenzial. Die heißen Sommer mit ihren kühlen Nächten führen zu extrem konzentrierten Weinen mit perfekter Säure.

Im Kamptal dominiert der Grüne Veltliner, er gedeiht auf fruchtbaren und auf mageren Böden / Foto: beigestellt
Im Kamptal dominiert der Grüne Veltliner, er gedeiht auf fruchtbaren und auf mageren Böden / Foto: beigestellt


Im Kamptal dominiert der Grüne Veltliner, er gedeiht auf fruchtbaren und auf mageren Böden

Der Cup-Sieger aus der Rieslinggruppe kommt diesmal aus Strass, wobei der Wein selbst vom Zöbinger Heiligenstein stammt. Dieser gehört zum selben Gebirgskamm wie der Strasser Wechselberg und der Kammerner Gaisberg – er ist der westlichste der drei und wird vom Gaisberg durch die Grub, eine Riede zwischen Heiligenstein und Gaisberg, getrennt. Die Hangneigung ist süd­lich bis südwestlich und bringt die besten ­Voraussetzungen für große Rieslinge. Für den erfolgreichen Winzer Johann Topf ­be­ginnt Riesling überhaupt erst mit dem Heiligenstein, wo er vor rund zwanzig Jahren seine Rebstöcke aussetzen konnte. Der Riesling Heiligenstein Kamptal DAC Reserve wurde im Oktober 2011 geerntet und spontan vergoren, der Ausbau erfolgte im Edelstahltank. Auf diese Weise ist ein Wein entstanden, der die Mächtigkeit, Unverwechselbarkeit und Größe einer der berühmtesten Rieslinglagen Österreichs wiedergibt. Ein Kunstwerk mit viel Potenzial und großen
Zukunftschancen.

Auf Platz zwei rangiert ein weiterer legendärer Riesling vom Heiligenstein, und zwar der finessenreiche Heiligenstein »Lyra« von Willi Bründlmayer aus

Fred Loimer aus Langenlois ist mit seinen Weinen immer an der Spitze zu finden / Foto: beigestellt
Fred Loimer aus Langenlois ist mit seinen Weinen immer an der Spitze zu finden / Foto: beigestellt

Langenlois. Der Name verweist auf das spezielle Reberziehungssystem in Form einer Lyra; hier entsteht ein besonders eleganter Rieslingstil mit enormem Entwicklungspotenzial. Sechs, sieben Jahre sollte so ein Wein schon auf der Flasche heranreifen, bis er all seine Facetten zeigen kann, davon ist Willi Bründlmayer überzeugt. Der dritte Riesling stammt von Fred Loimer aus Langenlois, der mit der ausdrucksstarken Lage Seeberg die Phalanx der Heiligenstein-Rieslinge durchbrechen konnte. Ein engmaschiger, salzig-mineralischer Riesling mit einiger Kraft, der ebenfalls einer glänzenden Zukunft entge­gen­blickt. Insgesamt sind 57 Riesling DAC Reserven bei diesem Bewerb angetreten.

Die Cup-Sieger in der Kategorie Grüner Veltliner
Der im Kamptal dominierende Grüne ­Veltliner ist eine fruchtbare Sorte, die auf mageren und fruchtbaren Böden gedeiht, am besten aber auf Löss- und Verwitterungs­böden. Er ist in der Blüte empfindlich, reift verhältnismäßig spät und benötigt einen langen, schönen Herbst. Das Qualitätsspektrum des Grünen Veltliners ist groß: Es beginnt beim leichten Wein, der am besten jung getrunken wird, und geht bis zur substanz- und alkoholreicheren Reserve, die sehr lagerfähig ist. Der Grüne Veltliner ist in der Regel betont feinfruchtig und würzig. Im Kamptal lebt der Grüne Veltliner seit Jahrhunderten in vollkommener Harmonie mit den Urgesteinsböden aus Granit, Gneis und Glimmerschiefer sowie den Lössböden. Aus optimalem Terroir, reduzierten Erträgen, perfekt ausgereiften Trauben und schonender Kellertechnik resultieren dichte, harmonische, fines­sen­reiche und langlebige Weine. Das Wechselspiel von hohen Tagestemperaturen und kühlen Nächten ergibt eine perfekte Sortenausprägung. Die Lagerfähigkeit der großen Kamptaler Veltliner ist legendär und wird in Jahrzehnten bemessen.

Willi Bründlmayer ­präsentierte 2012 sowohl bei Riesling als auch bei Grünem ­Veltliner eine echte Topserie / Foto: Erich Reismann
Willi Bründlmayer ­präsentierte 2012 sowohl bei Riesling als auch bei Grünem ­Veltliner eine echte Topserie / Foto: Erich Reismann


Willi Bründlmayer ­präsentierte sowohl bei Riesling als auch bei Grünem ­Veltliner eine echte Topserie

Von den 88 DAC-­Reserven aus 2011 konnte sich das Weingut Jurtschitsch mit der Reserve aus der Paradelage Lamm durchsetzen, aus derselben Riede stammt auch der zweitplatzierte Wein, vinifiziert von Michael Moosbrugger vom Weingut Schloss Gobelsburg. Südöstlich des Heiligensteins schließt die Riede Lamm an. Die tiefgründige Löss-Lehm-Formation ist durchzogen von Vulkangestein mit prägendem Silt-Anteil. Auf diesen tiefgründigen und fruchtbaren Lössterrassen, die nach ­Süden ausgerichtet sind, findet der Grüne Veltliner ideale Voraussetzungen, um einen besonders vielschichtigen und aussagekräf­tigen Wein entstehen zu lassen. Die Lage Lamm begeistert alljährlich mit überaus eigenständigen und besonders ausdrucksstarken Grünen Veltlinern. Am Gaumen zeigen diese Weine vollen Körper und Tiefgang mit reifen Kernobst­aromen, die vielschichtig aufgefächert sind. Er hat eleganten Biss und Saftigkeit mit feinmineralischen Noten im Abgang und verfügt über Lagerpotenzial.

Alwin Jurtschitsch gönnte dem Lamm 2011 eine zwölfstündige Maischestandzeit, vergoren wurde der Most ohne Temperaturkontrolle in 500-Liter-­Eichenholzfässern mit der weinbergseigenen Hefe. Über den Sommer reifte dieser Veltliner dann auf der Feinhefe und wurde im September 2012 auf die Flasche gebracht. Entstanden ist so ein individueller Grüner Veltliner von großem Facettenreichtum und ausgestattet mit großem Zukunftspotenzial. Den dritten Rang belegte diesmal in einem engen Ringen um die Stockerlplätze Willi Bründlmayer aus Langenlois mit seinem ­Veltliner Käferberg, einem mächtigen Grünen Veltliner, der dank der höheren Lage des Weingartens über besonders gute Frische verfügt und durch den Ausbau in gebrauchten Holzfässern sehr ­harmonisch wirkt.

Zu den Ergebnissen im Detail

Text von Peter Moser
Aus Falstaff Nr. 08/2012

Mehr zum Thema

News

Wein der Etrusker an der toskanischen Küste

Podere La Regola, ein Ort an dem, Natur, Menschen und Kunst aufeinandertreffen.

Advertorial
News

Teil 3: ¡Viva la Revolución! – Der Kult um den Rioja

Die Weinrevolution in der Rioja steckt noch in den Kinderschuhen. Die auf dem Markt noch raren Einzellagenweine sind mehr als vielversprechend.

News

Hommage à Jacques Perrin

Eine Ikone aus Châteauneuf-du-Pape zu Gast in Österreich.

News

Teil 2: ¡Viva la Revolución! – Der Kult um den Rioja

In der spanischen Rioja Region entstehen immer noch hervorragende Reservas und Gran Reservas nach dem klassischen Prädikatssystem. Gleichzeitig setzen...

News

Bussi, Baba & Prost: Hanna Glatzers Wein grüßt von Postkarten

Die Welt der Nachwuchs-Winzerin aus Göttlesbrunn ist bunt. Das beweist einmal mehr ihre Weinlinie, die nun bei der CCA-Gala im Verpackungsdesign und...

News

Historischer Fund: Englisches Kriegsschiff voller ungeöffneter Weinflaschen

Das Wrack der 1682 gesunkenen »Gloucester« wurde bereits 2007 entdeckt. Nun gibt es erstmals Informationen zur Ladung der archäologischen Sensation.

News

Sommerliche Frische

Sommerliches Wohlgefühl stellt sich ein, da wird es Zeit, sich über die passende Weinbegleitung für die lauen Sommerabende Gedanken zu machen.

Advertorial
News

Brad Pitt und Angelina Jolie streiten erneut um Weingut »Château Miraval«

Jolie soll ihre Hälfte des Gutes ohne Pitts Zustimmung an einen »Fremden« verkauft haben. Berichten zufolge handelt es sich dabei um einen russischen...

News

Teil 1: ¡Viva la Revolución! – Der Kult um den Rioja

Niemals zuvor war die Vielfalt der Rioja-Weine größer als heute. Die Fokussierung auf das Terroir kommt einer kleinen Revolution gleich.

News

Hans Herzog: Erster Blaufränkisch in Neuseeland

Die gebürtigen Schweizer Therese und Hans Herzog bringen mit ihrem neuseeländischen Weingut den ersten Blaufränkisch auf den Markt.

News

Tinazzi (R)evolution: Bio im Vormarsch

Biologischer Anbau von erlesenen Weinen findet immer mehr Anklang. Tinazzi‘s Engagement im biologischen Anbau spiegelt sich in der wunderbaren Bio...

Advertorial
News

Bond aus Napa Valley zu Besuch in Wien

Geballte Cabernet-Klasse aus Kalifornien.

News

Bordeaux en Primeur 2021: Claret reloaded

Das Leben ist zurückgekehrt nach Bordeaux. Nach zweijähriger Pause fanden Ende April wieder reguläre En-primeur-Verkostungen vor Ort statt. Die...

News

Living Soils Forum in Arles (Tag 2)

Moët Hennessy veranstaltet einen großen Kongress zum Thema Bodenleben, Nachhaltigkeit und Klimaschutz (Teil 2).

News

Living Soil Forum in Arles

Moët Hennessy veranstaltet einen großen Kongress zum Thema Bodenleben, Nachhaltigkeit und Klimaschutz.

News

Bordeaux: St. Emilion-Chaos geht weiter

Ein weiterer Premier Cru verlässt das Klassement.

News

EILMELDUNG: Chianti Classico

Die Epi-Gruppe übernimmt Isole e Olena.

News

Ponsot: zweimal 100-Punkte für den Clos de la Roche

Die Domaine Ponsot lud anläßlich ihres 250-jährigen Bestehens zu zwei Vertikalen nach Morey-St-Denis: Den Grand Cru Clos de La Roche gab es bis zurück...

News

Das Priorat-Wunder: 100 Punkte für den Master of Wine

Philipp Schwander, der erste Master of Wine der Schweiz, mischt das Priorat auf. Seine Sobre Todo Master Selection 2017 wurde von Falstaff mit 100...

News

»Copyright by Steiermark« wo der steirische Wein zur Marke wird

Steierische Winzer haben es sich zum Ziel gesetzt mit »Copyright by Steiermark« ihr Wissen über Weinbau zu manifestieren.