Die diesjährigen Sieger des Kamptal-DAC-Reserve-Cups: Hans Topf (l.) aus Strass und Alwin ­Jurtschitsch aus Langenlois
Die diesjährigen Sieger des Kamptal-DAC-Reserve-Cups: Hans Topf (l.) aus Strass und Alwin ­Jurtschitsch aus Langenlois / Foto: Moritz Schell

Das Weinbaugebiet ist dem klimatischen Spiel zwischen warmen pannonischen Einflüssen im Osten und den kühleren Strömungen vom höher gelegenen Waldviertel ausgesetzt und kann von der Dynamik zwischen eher niedrigen Nachttemperaturen und guter Erwärmung bei Tag profitieren. Die Trauben besitzen dadurch in aller Regel finessenreiches Säurespiel und gut ausgebildete Aromatik. Die Geologie im Kamptal ist recht vielfältig: Man findet Urgesteins­böden, aber auch Schotter und Löss sowie Raritäten wie den Wüstensandstein mit vulkanischen Elementen, der den berühmten Zöbinger Heiligenstein so unverwechselbare Weine hervorbringen lässt. Auf den steilen Terrassen am Südhang des Berges – so steil, dass keine dauerhafte Lössauflage angeweht werden konnte – wurzeln hauptsächlich Riesling­reben, die kraftvolle, mineralische und oft langlebige Weine hervorbringen. Richtung Donau verändern sich die Bodenformationen der Weinberge, hier sind auf breiten Löss- und Lehmterrassen ideale Voraussetzungen für klassische, aber auch kräftige Grüne Veltliner gegeben. Daneben spielen auch weiße und rote Burgundersorten sowie der Blaue Zweigelt ihre Stärken aus. Für die Produk­tion von Kamptal-DAC-Reserve-Weinen sind per Verordnung ausschließlich Grüner Velt­liner und Riesling zugelassen, alle anderen Weine laufen unter der Bezeichnung »Nieder­österreich«.

Die Cup-Sieger in der Kategorie Riesling
Der Riesling stellt von Haus aus höchste Ansprüche an Lage und Boden. Die duftigsten und rassigsten Weine entstehen auf Schiefer- und Urgesteinsverwitterungsböden. Riesling ist spätreifend, was in der Praxis eine Ernte ab Ende Oktober bis November bedeutet. Sein charmantes Bukett besitzt zumeist zarte Anklänge an Pfirsiche, Marillen und Zitrusfrüchte. Am Gaumen wirkt der Riesling wegen seiner pikanten Säure sehr rassig und anhaltend. Er entwickelt sich kontinuierlich und ist daher sehr gut lagerfähig, dies gilt im Besonderen für die raren Spät- und Auslesen. Die verwitterten Gesteinsböden mit vulkanischen Bestandteilen wie am Zöbinger Heiligenstein garantieren unvergleichliche Mineralik, Biss und hervorragendes Reifepotenzial. Die heißen Sommer mit ihren kühlen Nächten führen zu extrem konzentrierten Weinen mit perfekter Säure.

Im Kamptal dominiert der Grüne Veltliner, er gedeiht auf fruchtbaren und auf mageren Böden / Foto: beigestellt
Im Kamptal dominiert der Grüne Veltliner, er gedeiht auf fruchtbaren und auf mageren Böden / Foto: beigestellt


Im Kamptal dominiert der Grüne Veltliner, er gedeiht auf fruchtbaren und auf mageren Böden

Der Cup-Sieger aus der Rieslinggruppe kommt diesmal aus Strass, wobei der Wein selbst vom Zöbinger Heiligenstein stammt. Dieser gehört zum selben Gebirgskamm wie der Strasser Wechselberg und der Kammerner Gaisberg – er ist der westlichste der drei und wird vom Gaisberg durch die Grub, eine Riede zwischen Heiligenstein und Gaisberg, getrennt. Die Hangneigung ist süd­lich bis südwestlich und bringt die besten ­Voraussetzungen für große Rieslinge. Für den erfolgreichen Winzer Johann Topf ­be­ginnt Riesling überhaupt erst mit dem Heiligenstein, wo er vor rund zwanzig Jahren seine Rebstöcke aussetzen konnte. Der Riesling Heiligenstein Kamptal DAC Reserve wurde im Oktober 2011 geerntet und spontan vergoren, der Ausbau erfolgte im Edelstahltank. Auf diese Weise ist ein Wein entstanden, der die Mächtigkeit, Unverwechselbarkeit und Größe einer der berühmtesten Rieslinglagen Österreichs wiedergibt. Ein Kunstwerk mit viel Potenzial und großen
Zukunftschancen.

Auf Platz zwei rangiert ein weiterer legendärer Riesling vom Heiligenstein, und zwar der finessenreiche Heiligenstein »Lyra« von Willi Bründlmayer aus

Fred Loimer aus Langenlois ist mit seinen Weinen immer an der Spitze zu finden / Foto: beigestellt
Fred Loimer aus Langenlois ist mit seinen Weinen immer an der Spitze zu finden / Foto: beigestellt

Langenlois. Der Name verweist auf das spezielle Reberziehungssystem in Form einer Lyra; hier entsteht ein besonders eleganter Rieslingstil mit enormem Entwicklungspotenzial. Sechs, sieben Jahre sollte so ein Wein schon auf der Flasche heranreifen, bis er all seine Facetten zeigen kann, davon ist Willi Bründlmayer überzeugt. Der dritte Riesling stammt von Fred Loimer aus Langenlois, der mit der ausdrucksstarken Lage Seeberg die Phalanx der Heiligenstein-Rieslinge durchbrechen konnte. Ein engmaschiger, salzig-mineralischer Riesling mit einiger Kraft, der ebenfalls einer glänzenden Zukunft entge­gen­blickt. Insgesamt sind 57 Riesling DAC Reserven bei diesem Bewerb angetreten.

Die Cup-Sieger in der Kategorie Grüner Veltliner
Der im Kamptal dominierende Grüne ­Veltliner ist eine fruchtbare Sorte, die auf mageren und fruchtbaren Böden gedeiht, am besten aber auf Löss- und Verwitterungs­böden. Er ist in der Blüte empfindlich, reift verhältnismäßig spät und benötigt einen langen, schönen Herbst. Das Qualitätsspektrum des Grünen Veltliners ist groß: Es beginnt beim leichten Wein, der am besten jung getrunken wird, und geht bis zur substanz- und alkoholreicheren Reserve, die sehr lagerfähig ist. Der Grüne Veltliner ist in der Regel betont feinfruchtig und würzig. Im Kamptal lebt der Grüne Veltliner seit Jahrhunderten in vollkommener Harmonie mit den Urgesteinsböden aus Granit, Gneis und Glimmerschiefer sowie den Lössböden. Aus optimalem Terroir, reduzierten Erträgen, perfekt ausgereiften Trauben und schonender Kellertechnik resultieren dichte, harmonische, fines­sen­reiche und langlebige Weine. Das Wechselspiel von hohen Tagestemperaturen und kühlen Nächten ergibt eine perfekte Sortenausprägung. Die Lagerfähigkeit der großen Kamptaler Veltliner ist legendär und wird in Jahrzehnten bemessen.

Willi Bründlmayer ­präsentierte 2012 sowohl bei Riesling als auch bei Grünem ­Veltliner eine echte Topserie / Foto: Erich Reismann
Willi Bründlmayer ­präsentierte 2012 sowohl bei Riesling als auch bei Grünem ­Veltliner eine echte Topserie / Foto: Erich Reismann


Willi Bründlmayer ­präsentierte sowohl bei Riesling als auch bei Grünem ­Veltliner eine echte Topserie

Von den 88 DAC-­Reserven aus 2011 konnte sich das Weingut Jurtschitsch mit der Reserve aus der Paradelage Lamm durchsetzen, aus derselben Riede stammt auch der zweitplatzierte Wein, vinifiziert von Michael Moosbrugger vom Weingut Schloss Gobelsburg. Südöstlich des Heiligensteins schließt die Riede Lamm an. Die tiefgründige Löss-Lehm-Formation ist durchzogen von Vulkangestein mit prägendem Silt-Anteil. Auf diesen tiefgründigen und fruchtbaren Lössterrassen, die nach ­Süden ausgerichtet sind, findet der Grüne Veltliner ideale Voraussetzungen, um einen besonders vielschichtigen und aussagekräf­tigen Wein entstehen zu lassen. Die Lage Lamm begeistert alljährlich mit überaus eigenständigen und besonders ausdrucksstarken Grünen Veltlinern. Am Gaumen zeigen diese Weine vollen Körper und Tiefgang mit reifen Kernobst­aromen, die vielschichtig aufgefächert sind. Er hat eleganten Biss und Saftigkeit mit feinmineralischen Noten im Abgang und verfügt über Lagerpotenzial.

Alwin Jurtschitsch gönnte dem Lamm 2011 eine zwölfstündige Maischestandzeit, vergoren wurde der Most ohne Temperaturkontrolle in 500-Liter-­Eichenholzfässern mit der weinbergseigenen Hefe. Über den Sommer reifte dieser Veltliner dann auf der Feinhefe und wurde im September 2012 auf die Flasche gebracht. Entstanden ist so ein individueller Grüner Veltliner von großem Facettenreichtum und ausgestattet mit großem Zukunftspotenzial. Den dritten Rang belegte diesmal in einem engen Ringen um die Stockerlplätze Willi Bründlmayer aus Langenlois mit seinem ­Veltliner Käferberg, einem mächtigen Grünen Veltliner, der dank der höheren Lage des Weingartens über besonders gute Frische verfügt und durch den Ausbau in gebrauchten Holzfässern sehr ­harmonisch wirkt.

Zu den Ergebnissen im Detail

Text von Peter Moser
Aus Falstaff Nr. 08/2012

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