Die elegantesten Gaderoben

Die lackierten Fronten der »Senzafine Plus«-Garderobe harmonieren perfekt mit den weichen
Oberflächen der Sitzmöbel. poliform.it

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Die lackierten Fronten der »Senzafine Plus«-Garderobe harmonieren perfekt mit den weichen
Oberflächen der Sitzmöbel. poliform.it

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Man kennt sie, die schweren Coffeetable-Books, prall gefüllt mit den lässigsten Interior-Projekten weltweit. Was einem auf den ersten Blick vielleicht nicht auffällt: Nur selten ist ­­ein Ankleideraum abgebildet. Man sieht vielleicht einen Schrank angedeutet – links hinter dem Bett, da ist doch was –, aber im Fokus stehen die Kleider-Kammern nie. Das überrascht umso mehr, als die Produktbilder der re­nommierten Hersteller – sei es Poliform, Molteni&C oder Rimadesio – beeindruckende Welten inszenieren. So gut wie immer in dunkle Nuancen gekleidet, gerne mit frei stehenden Elementen und immer öfter mit gigantischen Glasvitrinen. Der Schrank wird zum Schrein, der Besitzer kuratiert seine Sammlung: Hüte, Uhren, Manschettenknöpfe, antike Koffer – oder das Paradebeispiel Schuhe. Die Schranksysteme passen sich an den Nutzer an und nicht umgekehrt. Vorbei die Zeiten, in denen offen oder geschlossen, mit Griffen oder ohne, Kleiderlift ja oder nein die einzigen Entscheidungen waren. Die Schränke werden mit Leder oder Stoff bespannt, teils mit sichtbaren Nähten, das Gestell schimmert mal matt schwarz, mal dezent kupferfarben. Alles wird maßgeschneidert, alles wird individualisiert. Und Schiebetüren mutieren nicht selten zum Kunstobjekt und zeigen mindestens so viel, wie sie verbergen.

Impressionen der schönsten Ankleideräume

Bewohnen statt nur begehen

»Der Trend geht in Richtung Boutique-Optik«, sagt Philipp Hoflehner, Creative Director des Interior-Design-Hauses Bernd Gruber. »Durch dunkle Materialien schafft man eine gemütliche und exklusive Atmosphäre. Auch das Licht wirkt direkt angenehmer. Durch einen weichen Teppichboden kann diese Wohlfühlwirkung noch ­verstärkt werden. Farbe wird dann durch die Kleidung in den Raum gebracht und wirkt auf dunklen Flächen noch hochwertiger – das ist der Grund, warum dieses Konzept auch gerne in Boutiquen verwendet wird.« Direktes Sonnenlicht, das auf die Kleidungsstücke knallt, sollte vermieden werden, aber: »Wenn Licht vorhanden ist, sollte es unbedingt inte­griert werden. Falls nicht, empfehlen wir, mit warmem Licht zu arbeiten, um dem Körper und dem Aussehen zu schmeicheln. Keiner mag die klassische, viel zu helle Umkleidenbeleuchtung in den Shops.« Sich an Ladendesign zu orientieren kann also durchaus Sinn ergeben. Ein Fauteuil kann diese Wirkung noch verstärken. Verspiegelte Fronten sind gerne ­gesehen, da sie Räume größer machen und eine interessante Optik kreieren. Hier und da werden Schrankfronten auch mal durchbrochen, etwa durch einen Schminktisch, wie beim Immo-Projekt »Holland Park Villas« ­der angesagten UK-Designerin Sophie Ashby. Auch Boudoirs feiern seit Längerem ein Mini-­Revival. Der Heimeligkeit sind jedoch auch Grenzen gesetzt – Ankleiden sollen ­vornehmlich der Funktionalität dienen, ­das betont Hoflehner, angesprochen auf ­Material-Trends. »Die Materialauswahl folgt dem übergeordneten Konzept des Projekts«, sagt er und verweist auf die haus­eigene Manufaktur, in der aus Extras persön­liche Standards werden. 

»Ein Schrank hat optimalerweise eine Tiefe von 65 cm, mit einer Durchgangsbreite von einem Meter – drei Meter sind das Minimum.
⅓ bis 50 Prozent des Schranksystems sollten zumindest geschlossen sein.«
P. Hoflehner, Creative Director Bernd Gruber

Holz ist nicht zu unterschätzen

Bei den internationalen Design-Brands mag der ursprüngliche Entwurf des Garderoben-Systems zum Beispiel schon ein paar Jahre zurückliegen, aber die aktuellen Kollektionen bieten den Kunden ein kaum überschaubares Spektrum an Bespannungen und Auskleidungen. Hochglanz, matt, lackiert, verchromt, mit gegerbtem Leder überzogen oder ganz aus Holz. Holz ist ein Klassiker, der sich ungebrochener Beliebtheit erfreut, wenn auch hier eher dunkle Zeiten angebrochen sind, wie Sebastian Desch, Head of Design bei TEAM 7, berichtet. »Dunkle Hölzer wie Nussbaum liegen im Trend, aber auch helle Hölzer wie Eiche werden stark nachgefragt. Die Buche ist ein hervorragendes Möbelholz, hat aber in den vergangenen Jahren als Trendholz etwas an Bedeutung verloren.« Die Vorteile des Materials sind überzeugend: »Naturholz schafft ein angenehmes Raumklima, wirkt geruchsfilternd und antistatisch. Das sind perfekte Eigenschaften für eine begehbare Garderobe.« Werden die Schränke ins Schlafzimmer inte-griert, kommt noch hinzu: »Holz wirkt wie eine natürliche  Klimaanlage, nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie sukzessive wieder an die Raumluft ab.« Desch weist, ähnlich wie Hoflehner, auf die eigentliche Bedeutung des Garderobensystems hin: »Ein Ankleideraum schenkt sehr viel Komfort im Alltag, er trägt erheblich zum Wohlbefinden bei – sofern er gut durchdacht und perfekt umgesetzt ist.« Beide Interior-Designer reagieren auf die Frage nach technischen Spielereien auffallend verhalten. Hoflehner sieht diese eher im Wirtschaftsraum: »Der begehbare Kleiderschrank muss eine atmosphärische Funktion erfüllen.« Desch formuliert es so: »Wir befinden uns hier in der Nähe
des Schlafzimmers, und wir sind der Überzeugung, dass dieser Raum dem Schlafen und der Erholung gewidmet sein sollte.« Diskretion in ihrer schönsten Form! 

»Naturholz schafft ein angenehmes Raumklima, wirkt geruchsfilternd und antistatisch. Das sind perfekte Eigenschaften für eine begehbare Garderobe.«
S. Desch, Head of Design TEAM 7

5 Tipps für die Ankleide von Philipp Hoflehner

  • Durch schlichte Oberflächen eine ruhige Atmosphäre schaffen.
  • Ausreichend Stauraum planen und die Innenaufteilung passend zur »Kleidungsfunktion« gestalten.
  • Große und auffällige Griffe meiden. Lieber auf integrierte oder kleine Griffe, die wie Kunstobjekte wirken, setzen.
  • Wärme! Ganz wichtig in diesem Raum ist eine gute Beheizung, damit ein angenehmes An- und Umkleiden möglich ist. Dies kann durch Lichtelemente und einen Teppich noch verstärkt werden. Regelmäßiges Lüften darf dabei aber nicht vergessen werden.
  • Einen ausreichend großen Spiegel von Anfang an mit einplanen. Dabei sorgfältig auf das Licht und die Position achten. Der »last check« muss sitzen.

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LIVING Nr. 04/2019
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