Im Falstaff-Test traten einige sehr leichte Biere mit wenig Geschmack gegen stärkere mit intensiveren Aromen an. / Foto: © Heineken
Im Falstaff-Test traten einige sehr leichte Biere mit wenig Geschmack gegen stärkere mit intensiveren Aromen an. / Foto: © Heineken

Ist es heiß, greift man zum leichten Bier – man will ja den Durst löschen. Dabei löscht gutes Bier den Durst gar nicht, im Gegenteil: Gute Biere regen zum Weitertrinken an. Wer sich in der Bierwelt umsieht, stellt noch etwas fest: Gerade in heißen Gegenden wird gerne starkes Bier getrunken, und auch in unseren Breiten war der Maibock lange ein durchaus den ganzen Sommer über geschätztes Starkbier. Inzwischen wurde dieser Stil wiederbelebt: Er bringt mehr Sommeraroma ins Glas als die leichten hellen Lagerbiere.


Riesling Style / Foto: beigestellt
Riesling Style / Foto: beigestellt

98 Punkte
Riesling Style
Brauerei: Hofbräu Kaltenhausen
Braumeister: Günther Seeleitner
Alkohol: 7,7 % ABV
Bierstil: Hybrid
Dieses hellstrohgelbe Bier will vorsichtig dekantiert sein, um blank auszusehen. Der Schaum ist bescheiden, der Duft umso betörender: Man meint wirklich, einen Riesling vor sich zu haben, Zitrus- und Melonenaromen kommen in die Nase, der Antrunk ist sehr erfrischend säuerlich-fruchtig, der weiche Trunk ist einer Portion Weizenmalz im Bieranteil dieses Getränks geschuldet. Kaum Bittere – dennoch schön trocken.
www.kaltenhausen.at

Tap X / Foto: beigestellt
Tap X / Foto: beigestellt

98 Punkte
Tap X, Meine Sommer Weisse
Brauerei: Private Weissbierbraurei Schneider, Kelheim
Braumeister: Hans-Peter Drexler
Alkohol: 5,4 % ABV
Bierstil: Hefeweizen hell
Ein Duft nach Sommerwiese verdeckt, dass es sich hier um ein Weizenbier handelt: Es ist sehr hellgelb und trüb, zeigt im spritzigen Antrunk eine leichte Süße und füllt den Rachenraum mit Aromen, die an Riesling und Grapefruit erinnern. Die Bittere ist unaufdringlich, aber gegen den Nachtrunk hin doch präsent. Überraschend ist, dass der Nachtrunk wirklich staubtrocken ist, man bleibt durstig.
www.schneider-weisse.de

Heineken / Foto: beigestellt
Heineken / Foto: beigestellt

95 Punkte
Heineken
Brauerei: Wieselburg
Braumeister: Christian Huber
Alkohol: 5 % ABV
Bierstil: helles Lager
Goldgelb mit bescheidenem, aber stabilem weißem Schaum. Der blumig-esterige Duft ist unverkennbar, der Antrunk schlank, prickelnd und sehr weich. Am Gaumen zeigt sich rasch ein herber, hopfenbitterer Eindruck, der den schlanken Charakter dieses Bieres (das auf manchen Märkten als Pils durchgeht) unterstreicht, ohne aufdringlich zu sein. Trockenes Finish, in dem fruchtige Aromen (Honigmelone!) wirken.
www.heineken.com

Jan de Lichte / Foto: beigestellt
Jan de Lichte / Foto: beigestellt

94 Punkte
Jan de Lichte
Brauerei: De Glazen Toren Erpe Mere
Braumeister: Jef Van den Steen
Alkohol: 7 % ABV
Bierstil: Belgian Wit
Viel, aber wenig stabiler Schaum, trübes Hellbernstein und ein erfrischender, an Zitrusschale erinnernder Duft charakterisieren dieses belgische Ale, das von Abaco importiert wird: Der Antrunk ist erfrischend und leicht fruchtig-süß, die ausgeprägte Bittere balanciert den Eindruck, sodass man geneigt ist, den hohen Alkoholgehalt zu unterschätzen. Dennoch ideal für Sommerabende.
www.glazentoren.be

Schnaitl Maibock / Foto: beigestellt
Schnaitl Maibock / Foto: beigestellt

94 Punkte
Schnaitl Maibock
Brauerei: Schnaitl, Gundertshausen
Braumeister: Alexander Pöllner
Alkohol: 6,9 % ABV
Bierstil: obergäriges Starkbier
Verführerisch fruchtig und spritzig präsentiert sich dieses bernsteinfarbene Bier mit der dichten weißen Schaumkrone. Der Geruch ist obergärig-bananenartig – die auf dem Etikett nachzu­lesende Malzmischung (Gersten-, Weizen- und Dinkelmalz) weist aus, dass hier der Maibock-Stil sehr frei interpretiert wird. Der Antrunk ist erfrischend und herb – den hohen Alkoholgehalt kann man »blind« nicht erkennen.
www.schnaitl.at

Egger Sprizz / Foto: beigestellt
Egger Sprizz / Foto: beigestellt

93 Punkte
Egger Sprizz
Brauerei: Egger, Unterradlberg
Braumeister: Wolfgang Reither
Alkohol: 3,5 % ABV
Bierstil: leichtes Lager
Helles Goldgelb und ein reinweißer, recht stabiler Schaum sowie eine kräftige Entbindung von Kohlensäure zeichnen dieses Bier aus. In der Nase ein Duft von Hefe und frischen Sägespänen. Der Antrunk ist schlank und leicht herb. Auch wenn die Bittere nicht sehr ausgeprägt ist, spielen CO₂ und Hopfengeschmack gut zusammen, was für ausreichende Vollmundigkeit sorgt – insgesamt ein Bier mit hoher Drinkability.
www.egger-bier.at

Sixtusbräu Schankbier / Foto: beigestellt
Sixtusbräu Schankbier / Foto: beigestellt

91 Punkte
Sixtusbräu Schankbier
Brauerei: Ottakringer, Wien
Braumeister: Tobias Frank
Alkohol: 4,2 % ABV
Bierstil: helles Lager
Ein goldgelbes Lager als Eigenmarke von Hofer – reinweißer, nicht sehr stabiler Schaum, spritziger, schlanker Antrunk mit einer angenehm herben Note auf dem Obergaumen. Mild-süßlicher Trunk, Aromen von frisch geerntetem Getreide und einem Hauch Vanille – erinnert vor allem retronasal ein wenig an Whisky. Sanfter, insgesamt trockener Nachtrunk mit einer dezentprickelnden Bittere.
www.hofer.at

Ottakringer Kühles Blondes / Foto: beigestellt
Ottakringer Kühles Blondes / Foto: beigestellt

90 Punkte
Kühles Blondes
Brauerei: Ottakringer
Braumeister: Tobias Frank
Alkohol: 5 % ABV
Bierstil: helles Lager
Das Ottakringer für die Hofer-Märkte: Strohgelb mit reinweißem, leider nicht sehr stabilem Schaum, getreidiger Malzduft – wie ein sommerliches Gers­tenfeld. Prickelnder, fast neutraler Antrunk. Leichte Malznoten im Trunk, kaum wahrnehmbare Bittere, dafür ein fast cremiger Eindruck am Gaumen. Sehr weiches Mundgefühl. Hohe Drinkability bei niedrigem Flavor-Profil – würde mehr Hopfen vertragen.
www.ottakringer.at

Pittinger Premium Schankbier / Foto: beigestellt
Pittinger Premium Schankbier / Foto: beigestellt

88 Punkte
Pittinger Premium Schankbier
Brauerei: Egger, Unterradlberg
Braumeister: Wolfgang Reither
Alkohol: 4,2 % ABV
Bierstil: helles Lager
Diese Spar-Eigenmarke ist strohgelb mit dichtem, reinweißem Schaum. Gras-, Vanille- und Laubholztöne in der Nase. Prickelnd und malzsüß im Antrunk, kaum wahrnehmbare Bittere. Sehr schlanker Trunk, erst gegen das Finish meldet sich die leichte Süße wieder. Ganz leicht herbe Noten am Obergaumen, aber kaum Hopfengeschmack, die Bittere im Nachtrunk erinnert eher an Mandeln – insgesamt sehr mild.
www.spar.at

Skol / Foto: beigestellt
Skol / Foto: beigestellt

87 Punkte
Skol
Brauerei: Schwechat
Braumeister: Andreas Urban
Alkohol: 4 % ABV
Bierstil: helles Lager
Diese internationale Marke feiert im kommenden Jahr ihren 50. Geburtstag. Hierzulande steht sie für ein Schankbier der BrauUnion. Es ist goldgelb mit reinweißem, wenig stabilem Schaum. Kräuterartige Hopfenaromen, Wiesenduft. Überraschend voller Antrunk, leicht malzige Süße, etwas getreidig – und dann sehr schlank. Die Rezenz ließe auf Hopfenbittere hoffen, aber der Hopfen ist leider nur in der Nase zu spüren.
www.brauunion.com

 

BEWERTUNGSKRITERIEN
Bewertet wird nach einem 100-Punkte-­Schema, jeweils unter Berücksichtigung der Stilbeschreibung, die für den World Beer Cup verwendet wird.
Aussehen (0–12 Punkte): Schaum (Farbe, Stabilität, Cling, Beschaffenheit), Farbe und Klarheit des Bieres. Hier wird jeweils die Stil­beschreibung berücksichtigt. Kölsch hat typischerweise weniger Schaumstabilität als Pils.
Aroma (0–20 Punkte): ebenfalls entsprechend dem Stil Gerüche und Fehlgerüche von Malz, Hopfen, Hefe, Gärungsprodukten – fruchtig, esterig, blumig etc.
Geschmack (0–30 Punkte): Antrunk, Balance von Süße, Säure, Bittere. Bittere entsprechend dem Stil (0–9 Punkte): Intensität, Qualität (kratzig, weich, metallisch, röstartig, anhängend).
Mundgefühl (0–9 Punkte): ­Rezenz, Körper, Wärme (alkoholischer Eindruck), Cremigkeit, Adstringenz etc. Gesamteindruck (0–20 Punkte): Hier kommen die Einschätzungen von Drink­ability sowie Stilgerechtigkeit und ­Interpretation des Stils durch den Braumeister zum Tragen.



Text von Conrad Seidl
Aus Falstaff Nr. 04/2013

 

 

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