Kaffeplantage in Brasilien
Kaffeplantage in Brasilien / Foto: Corbis

In der Vergangenheit haben sich einige Hotspots herausgebildet, die qualitativ und von der Geschmacksvielfalt ausgehend als äußerst hochwertig gelten. Jedoch auch hier gilt: Geschmack ist subjektiv – und abhängig von der Plantage und vom Jahrgang.

Jamaika Blue Mountain ist zweifellos die bekannteste Herkunftsregion der Welt. Dieser Kaffee hat sich als Mythos etabliert und gehört mit Preisen zwischen 120 und 160 Euro pro Kilogramm zu den teuersten der Welt. In den nebelverhangenen Blue Mountains auf Hochlagen von etwa 1500 Metern lassen das Hochlandklima und der säurehaltige Boden den Arabica-Bohnen ganze zehn Monate Zeit, um langsam zu reifen. Das Ergebnis sind blaugrüne, große, dichte und gehaltvolle Bohnen. Um den vollen Genuss zu erfahren, sollten jedenfalls mehr Bohnen als bei anderen Kaffees pro Tasse verwendet werden. Beachtet man diese »Blue Mountain«-Grundregel, steht dem Hochgenuss nichts mehr im Wege. Der fruchtbare, gut durchlässige Boden bringt -Kaffeebohnen mit einem runden, vollen Geschmack, säurebetont und harmonisch, dies gepaart mit einer schönen Frucht, hervor. Vulkanische Böden geben dem Kaffee ein besonders intensives und kräftiges Aroma. Geschmacklich zeigt sich Jamaica Blue Mountain als eine variantenreiche Überraschung: Das Bukett wird hintergründig umrahmt mit Nuancen von Schokolade, Gewürzen und Kräutern. Die Anbauregion Blue Mountain besteht aus rund 6000 Hektar mit ausschließlich kleinen Plantagen. Angebaut wird in Terrassierung und Mischkultur, zumeist mit Bananen und Avocados.

Kona-Coast auf Hawaii
Ein ganz besonderes Geschmackserlebnis findet man auf Hawaii. Die Kaffeeplantagen an der Kona-Coast bringen außergewöhnliche Kaffeebohnen hervor, berühmt für ihr erlesenes Aroma. Der 32 Kilometer lange Kaffeegürtel zählt zu den weltbesten Anbaugebieten. Direkt im Kona-Distrikt, an den Hängen des Vulkans Mauna Loa, zaubert ein nährstoffreicher Boden einen der exzellentesten Kaffees mit einem gehaltvollen, schönen, fruchtigen Körper hervor. Leichte süße Nussnoten heben den lieblichen Geschmack. Mit seiner dezenten Säure, seinem weichen, milden Aroma und vollen Körper hat sich dieser Kaffee einen fixen Platz in der Gourmet-Kaffee-Industrie erobert. Die Sorte »Kona« ist jedoch pur kaum zu bekommen – und wenn, dann zu Apothekerpreisen.

Brasililen
Eine mengenmäßige Weltmarktführung schließt Qualität nicht aus. Diesen Beweis erbringt Brasilien mit seiner Rohkaffeesorte Santos aus der Region rund um São Paulo. Milde Kaffeebohnen ohne jede Spur von Bitterkeit machen diesen Kaffee besonders bemerkenswert. Gerne wird er als Füllkaffee eingesetzt, denn er greift nicht in die Charaktere anderer Kaffees ein, sondern unterstützt diese. Die besten brasilianischen Santos-Bohnen weisen ein komplexes und gleichzeitig ausbalanciertes Aroma mit süßem, starkem Abgang auf. Ein brasilianisches Geschmackserlebnis sind die Hochland-Arabicasorten, insbesondere der Bourbon Santos. Aus dem mineral- und nährstoffreichen Boden im Hochland der Region Cerrado entsteht ein weiches, fast liebliches Aroma, ausgewogen im Geschmack, mit überraschend geringer Säure.

Äthiopien
Das Ursprungsland des Kaffees, Äthiopien, hat noch immer hohe Qualitäten zu bieten. Äthiopische Qualitätskaffees sind unverwechselbar im Geschmack und zählen nach wie vor zu den besten Arabicakaffees der Welt. Kein anderes Land produziert derartig viele verschiedene Sorten höchster Qualität. Merken sollte man sich jedenfalls Bezeichnungen wie Longberry Harer, Lima, Babeka oder Sidamo. Letzterer schmeckt leicht schokoladig und zeichnet sich durch eine feine Säure aus. Ein würziger, mittelkräftiger Kaffee, ein rundes, in sich stimmiges Genusserlebnis. Dennoch heißt der Champion in der starken Liga äthiopischer Kaffees »Longberry Harer«. Wie seine äthiopischen Brüder hat auch er eine feine Säure, der Kenner schmeckt sogar leichte Weinnoten heraus. Ausgesprochen würzig-kräftig – ein Kaffee von unvergleichlichem Aroma. Ist auch verständlich, reift er doch in den durchlässigen mineralstoffreichen Böden Harers in 1500 Meter Seehöhe langsam und gleichförmig konzentriert heran.

Katzenkaffee aus Java
Besonders kurios ist die Entstehungsgeschichte von Kopi Luwak, dem indonesischen »Katzenkaffee« aus Java. Die Palmzibetkatze frisst die reifen Kaffeekirschen und scheidet anschließend die Kaffeebohnen aus. Durch den Verdauungstrakt des Tieres werden die Bohnen natürlich fermentiert. Auf dem Weltmarkt werden pro Kilo rund 1.000 Dollar bezahlt, vermutlich weil von dieser Sorte nur zirka 250 Kilo verkauft werden.

Nicaragua
Eindeutig auf der Überholspur ist Nicaragua. Zunehmend entstehen dort Top-Kaffees, die international Beachtung erfahren. Den Cup of Excellence 2009 konnte ein nuancenreicher Kaffee mit dem Namen »Monte Cristo« gewinnen, der auf 1400 Meter Seehöhe in der Nähe der Stadt Madriz reift.

Biokaffee im Trend
Allerdings gilt auch für die Hotspots: Die Rohware ist nur ein Teil des Sinneserlebnisses. Sehr viel hängt in weiterer Folge von der punktgenauen Bearbeitung des Kaffees ab. Der beste Rohkaffee verzeiht beispielsweise keine schlechte Röstung. Deshalb gilt es, mit Wissen ans Werk zu gehen, sonst bleibt die Enttäuschung, »viel Geld für nichts« ausgegeben zu haben. Die Anlaufstellen für alle, die es zum Kaffee-Aficionado bringen wollen, ist in erster Linie der Fachhandel – wo sich auch schon der neueste Trend manifestiert: Die jüngste Generation der Plantangenbesitzer setzt auf Bio-Kaffee.

Aus: Falstaff Nr. 6/2010

von Bernhard Krumpel

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