Die Barkultur: Cognac-Revolution

Gerhard Kozbach-Tsai.

© Alexandre Bachmayer

Gerhard Kozbach-Tsai.

Gerhard Kozbach-Tsai.

© Alexandre Bachmayer

Was ist eigentlich aus dem guten alten Cognac respektive Brandy respektive Weinbrand geworden? Es ist still um ihn geworden. Die (unter amerikanischem Einfluss stehenden) Zeitläufte des Trinkens haben ihn aus der Hitliste verdrängt. Zuerst durch den Gin, dann durch Vodka, schließlich durch Rum und Tequila sowie andere Objekte der geweckten Begierde des furiosen Modernismus. Brandy im Angelsächsischen galt als zu rustikal, deutscher Weinbrand als zu geschichtsbelastet, die Brände aus den südlichen Ländern als zu süß, französischer Cognac hingegen als zu überkandidelt. In Mixgetränken war zudem auch der ausgeprägte Eigengeschmack hinderlich.

Cognac als Aperitif

Diesen ständigen Abstieg ihrer Signature-Spirituose versuchte die französische Agraragentur schon einmal zu stoppen, indem sie eine eigene Kampagne startete, die aufgespritzten, kühlen Cognac als Aperitif zu etablieren versuchte. Eine Schnapsidee im wahrsten Sinne des Wortes. Dabei wäre es so einfach, den Geist des Weins zurückzurufen – auch in einem Aperitif-Cocktail. Man muss nur auf einen Klassiker wie den »Sidecar« zurückgreifen, den nicht nur David A. Embury in seinem Standardwerk »The Fine Art of Mixing Drinks« zu den sechs Grundcocktails zählt. Der französische Cocktail aus der Zwischenkriegszeit sei, in einer Paraphrase von Tennessee Williams, eine Art »sidecar of desire«: 4 Teile Cognac, 2 Teile Cointreau, 1 Teil Zitronensaft, einfach auf Eis schütteln.

Ein erster Schritt auf einem weiten Weg, der da noch vor den Shakern unserer heutigen Mixologen-Elite liegt. Ein weiterer ist das Cocktail-Rezept von Gerhard Kozbach-Tsai: »Trilogie«.

ERSCHIENEN IN

Falstaff Nr. 01/2015
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