Design-Duos im Portrait

Prinz Carl Philip Bernadotte und Oscar Kylberg gelten als bekanntestes Design-Duo Schwedens – bernadottekylberg.se

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Prinz Carl Philip Bernadotte und Oscar Kylberg gelten als bekanntestes Design-Duo Schwedens – bernadottekylberg.se

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Eins plus eins ergibt zwei. Die mathematische Formel lässt sich durchaus auf gestalterische Prozesse übertragen: Wenn vier geschickte Hände ­und zwei kluge, fantasievolle Köpfe sich zusammentun, dann kann es den Output erhöhen. Man schöpft aus einer breiteren Basis und profitiert von den Stärken des anderen. Damit ein Designer-Duo zur Erfolgsmarke wird, müssen jedoch Ego und Eitelkeiten überwunden werden. Die folgenden Paarungen untermauern auf unterschiedliche Weise, dass es beim vertrauten gemeinsamen Arbeiten und Erfinden auch um Streitkultur, Freiräume und nicht nachlassende Neugierde geht. »Das ist wie in einer sehr intensiven Beziehung – nur ohne Sex«, haben das einmal die Brüder Fernando und Humberto Campana, eines der erfolgreichsten Designer-Duos der Welt, mit brasilianischer Gelassenheit formuliert.

»Beim gemeinsamen Zeichnen und Entwerfen haben wir uns jugendliche Verspieltheit bewahrt, die uns oft Unerwartetes entdecken lässt.«
Steffen Kaz
 Designer

Top-Paare

Die Vorwärtsdenker

Die Welt ist nicht genug« – in Anlehnung an einen berühmten James-Bond-Film praktizieren Reed Kram und Clemens Weisshaar ihr Design als grenzensprengendes Abenteuer. Alles ist möglich. »Wir verbieten uns Stillstand«, lautet das Credo des deutsch-amerikanischen Duos Kram/Weisshaar, das sich als »die kleinste multinational agierende Einheit« versteht.

Kräfte bündeln, neue Denkwege eröffnen, Genre-Regeln brechen: Im kollektiven Prozess werden neue Energien freigesetzt. Das erlebten die Geschäftspartner mit Büros in München und Stockholm erstmals im Jahr 2002. Beide Designer waren vom Star-Architekten Rem Koolhaas für die ambitionierte Gestaltung neuer Prada-Stores in New York und Los Angeles (2002) verpflichtet worden. Reed Kram, geboren 1971 in Ohio und ausgebildet an der Harvard University Graduate School of Design, brachte seine große Experimentierlust bezüglich interaktiver Tools ein. Und er traf auf einen Partner, den es gleichermaßen faszinierte, die Bezüge von Design und Architektur, Medien und Popkultur neu zu definieren. Nach einer Ausbildung als Metallarbeiter hat der gebürtige Münchner, Jahrgang 1977, am Londoner Saint Martins College of Art and Design studiert und dem Designer Konstantin Grcic assistiert. Seit dem Koolhaas-Projekt arbeitet das Duo auf einer Turbo-Erfolgswelle. Es erweitert kontinuierlich seine digitale Werkzeugkiste und den Kundenkreis. Mit spektakulären Roboter-Happenings will man die Furcht vor neuen Techniken abbauen. Weisshaar: »Jeder ist heute Designer, erst recht, seit es Computer gibt.«

Die Blaumacher

Die Farbe Blau hat für das Duo Bernadotte & Kylberg eine wesentliche Bedeutung. Und zwar nicht nur wegen des adeligen Familienhintergrunds, sondern vor allem, weil ihr Stockholmer Designstudio nah am Wasser gebaut ist. »Aquatic« haben die zwei ihre Porzellan-Serie für das dänische Traditionslabel Stelton genannt, die stark von der Atmosphäre aus Meeresblau-Schattierungen und weiten nordischen Horizonten inspiriert ist.

»Wir sind beide am großen Wasser aufgewachsen, verstehen uns ohne Worte. Fast wie Zwillinge«, sagt Prinz Carl Philip Bernadotte, 40, der jüngere Bruder der schwedischen Kron­prinzessin Viktoria, über die Zusammenarbeit mit seinem sieben Jahre älteren Partner Oscar Kylberg. Die beiden Männer kennen sich seit gemeinsamen Studientagen an der Stockholmer Design-Hochschule Forsberg Skola. Zuvor hatte Prinz Carl Philip Bernadotte in den USA studiert, unter einem Pseudonym an einem Wettbewerb teilgenommen – und diesen gewonnen (Rhode Island Award). Auch für das 2012 gegründete Designstudio Bernadotte & Kylberg, das neben Interior Design auch Kleidung und Brillen produziert, gilt: Der prominente Name mag Türen öffnen, aber beim Hindurchgehen  wird umso kritischer geprüft, ob es sich nicht nur um ein adeliges Hobby handelt. »Wir müssen besser sein als andere, wir arbeiten sehr hart«, sagt der Königssohn. Und das gilt auch für das Thema Nachhaltigkeit: Die beiden naturverbundenen Designer haben für die Marke Duni aus Mais- und Zuckerrohrfasern eine Geschirr- und Besteckserie produziert, die erstmalig zu 100 Prozent biologisch abbaubar ist.

Die Detailverliebten

»Wir sitzen auch abends noch gerne zusammen«, sagt Catharina Lorenz mit leicht baye­ri­scher Sprachfärbung. Ihr Mann Steffen Kaz greift den Satz sofort lächelnd auf: »Wir haben keinen Fernseher, wir reden gerne miteinander.« Vor nunmehr zwei Jahrzehnten hatten sich die Wege der Münchnerin und des Stuttgarters in Mailand erstmals gekreuzt – im Atelier des Star-Designers James Irvine, für den Kaz nach seinem Abschluss am Londoner Royal College of Art arbeitete. Catharina Lorenz, die Industriedesign in Darmstadt studiert und zunächst in London gearbeitet hatte, war im Begriff, ihr eigenes Büro zu gründen. Als Paar stellte man dann bald fest, dass man auf einer Wellenlänge liegt. Kaz: »Die Rollen sind dabei nicht fest verteilt. Ich denke über Farben und Stoffe genauso nach wie über das Technische – und umgekehrt.« Lorenz: »Wir kennen unsere Stärken und Schwächen sehr gut.«

Nach der Gründung im Jahr 2001 machte sich Lorenz + Kaz recht schnell einen Namen in der Mailänder Szene, entwarf für Marken wie Colé, De Padova oder Rossin. Für den Möbelbauer in Südtirol gelang im Jahr 2015 ein Coup: Lorenz + Kaz, inzwischen inter­national ausgezeichnet (u. a. Red Dot Design Award), gestalteten die Stühle für den G7-Gipfel im bayerischen Schloss Elmau. Das Duo nimmt für sich in Anspruch, skandinavisch geprägte Klarheit mit mediterraner Leichtig­-keit zu vermischen. Steffen Kaz: »Beim gemeinsamen Zeichnen und Ent­werfen haben wir uns jugendliche Verspieltheit bewahrt, die uns oft Unerwartetes entdecken lässt.«

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LIVING Nr. 03/2019
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