Design-Auftritt im Paradies

Haus der Sinne: Die »Owner's Villa« ist das architektonische Herzstück des »Cheval Blanc Randheli«

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Haus der Sinne: Die »Owner's Villa« ist das architektonische Herzstück des »Cheval Blanc Randheli«

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Die Malediven gelten als das Taucherparadies schlechthin, darüber hinaus steht die Inselgruppe heute im Ruf eines internationalen Hotspots für den Luxustourismus. Eine solche Entwicklung erschien vor wenigen Jahrzehnten noch utopisch. Die erste Hotelanlage der Malediven eröffnete am 28. Oktober 1972 auf der Insel Kurumba ihre Tore und erfreute ihre Gäste mit eher spartanischen Genüssen. Zu essen gab es endlos repetierte Variationen aus Thunfischcurry, Reis und Bananen; zum Schlafen zogen sich die vom Tauchen ermatteten Urlauber in strohgedeckte, aus Korallenkalk und Kokospalmenbalken errichtete Hütten zurück. Architektur und Kulinarik dürften den ersten Malediven-Fans jedoch ziemlich egal gewesen sein. Was zählte, war das blaue Meer, der weiße Strand, der weite Horizont und die farbenprächtige Unterwasserwelt – woran sich bis heute nichts geändert hat: Es ist vor allem die paradiesische Natur, die Menschen auf die Malediven zieht. Doch längst sind andere touristische Attraktionen hinzugekommen. Was die Luxus-Resorts der Region heute in puncto Design, Küche, Wellness, Sport- und Kulturprogramm bieten, entspricht allerhöchsten Standards. Und wie überall gilt auch hier: Konkurrenz belebt das Geschäft. 

Was die Architektur angeht, locken derzeit immer mehr Anbieter ihre Gäste zum Relaxen in die Tiefe des Ozeans. Schule gemacht hat in dieser Hinsicht das gläserne Unterwasser-Restaurant »Ithaa« auf Rangali; inzwischen gibt es diverse von Haien und Manta­rochen beäugte Bars, Spas und Nightclubs. Anderswo entstehen turmhohe Architektur-Highlights: Auf Velaa beispielsweise schraubt sich ein »Weinkeller« spiralförmig in den azurblauen Himmel. Spektakuläre Inszenierungen bestimmen immer mehr das Bild – nur an den Schauplätzen des ultimativen Luxus nicht: Privatinseln wie Kuba Hithi, Voavah oder Randheli bezaubern durch die Kombination aus atemberaubender Naturschönheit, einzigartiger Privatsphäre – und vornehm zurückhaltender Architektur.

Dabei sind die Behausungen naturgemäß alles andere als bescheiden dimensioniert. 1000 Quadratmeter Wohnfläche etwa umfasst jede der drei Strandvillen auf der Privatinsel Voavah, wo die Hotelgruppe Four Seasons neben den bereits bestehenden Resorts »Landaa Giraavaru« und «Kuda Huraa« Ende des Jahres das weltweit einzige UNESCO-Hideway inmitten eines Biosphärenreservats eröffnen wird. Die vom Architekturbüro MICD aus Sri Lanka entworfenen Gebäude erinnern mit ihren luftigen Balkenkonstruktionen, den vorgelagerten Veranden und den textilen Wandschirmen an traditionelle Wohnbauten der Region, während die Möblierung eher dem westlichen Geschmack huldigt. Neben der Weitläufigkeit der Räume ist es die Offenheit, die den Charakter der raffiniert einfachen Wohlfühl-Architektur bestimmt: Der Salon präsentiert sich als überdachter Freiraum, die Master-Schlafsuite öffnet sich auf drei Seiten zur Natur. Bei der Ausstattung dominieren Holz und Textilien in Naturtönen, ausgewählte Accessoires setzen orientalische Akzente.  

Auf die ingeniöse Verschmelzung westlicher und östlicher Stilelemente versteht sich vielleicht niemand besser als der Belgier Jean-Michel Gathy, der ein auf Hotelplanung spezialisiertes Büro in Kuala Lumpur betreibt und für den Entwurf mehrerer Malediven-Resorts verantwortlich zeichnet. Zu seinen Raumschöpfungen sagt Gathy: »Während wir in Europa Zwischenwände einziehen, um getrennte Zimmer zu schaffen, nutzt man in Asien verschiebbare Wandschirme, um Räume zu zonieren. Auch so lassen sich Bereiche voneinander abtrennen, aber es bleibt immer ein Gefühl von Offenheit und luxuriöser Größe. Wenn der Raum sich gut und sexy anfühlt, fehlen nur noch Licht und Textur. Ich mische die Rationalität eines europäischen Architekten mit dem asiatischen Gefühl für fluide Schichtungen.« Beispielhaft für Gathys eklektischen Stilmix sind die Villen des Malediven-Resorts »Cheval Blanc Randheli«. Bei der Ausstattung geben Materialien des Indischen Ozeans den Ton an. Teak, Rattan, Bambus, Stroh und Kokosnussschale präsentieren sich in einer stylishen Farbpalette von Weiß, Braungrau und Austernschalengrau; Akzente setzen poppige Gelb- und Grüntöne sowie hand­gefertigte Dekoelemente und ausgesuchte Farbspots des Künstlers Vincent Beaurin. Großzügigkeit entsteht durch raumbildende Details wie die imposanten, kathedralenartigen Decken und die hohen, handgezimmerten Türen, die ein Gefühl von Weite und Offenheit vermitteln. 

Ein ebenso versierter Architekt wie Jean-Michel Gathy ist Guz Wilkinson, der Büros in Singapur und dem englischen Bowdon betreibt und unlängst das Privatinsel-Refugium »Coco Privé Kuda Hithi« errichtet hat. Auch Wilkinson nimmt in seinen Entwürfen Bezug auf regionale Architekturtraditionen. »Im Fall des ›Coco Privé‹-Projekts haben wir versucht, den maledivischen Maßstab einzuhalten«, sagt der Architekt. »Da wir Materialien aus dem nahe gelegenen Indien oder aus Sri Lanka verwenden mussten, wurden zudem eher einfache Konstruktionsmethoden angewandt.« Im übrigen beweist Wilkinson, dass Luxus nicht unbedingt mit Energieverschwendung einhergehen muss: »Wir entwickeln Gebäude immer unter Berücksichtigung passiver Energienutzung. Das heißt, natürliche Belüftung hat den Vorrang vor Klimaanlagen, weshalb es viele Öffnungen für die Querlüftung gibt. Außerdem planen wir gewöhnlich weite, schattenspendende Dachüberhänge.« Zu den von den Gästen am meisten geschätzten Architekturdetails befragt, müssen die Planer nicht lange überlegen. »Die Leute lieben das Schwimmbecken auf dem Dach und den großen Pool«, sagt Guz Wilkinson. Auch Jean-Michel Gathy nennt das Wasser an erster Stelle. »Es wogt, reflektiert und plätschert«, sagt er. »Es fasziniert wie Feuer. Menschen starren liebend gern aufs Wasser.« So ist es nun mal. Auch für Luxustouristen auf den Malediven gilt: The best things in life are free. 

Architekt Jean-Michel Gathy designte das »Cheval Blanc Randheli« 

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LIVING Luxuriös ausgestattete und dekorierte Gebäude in Luxus-Retreats wurden in der Regel entwickelt, um wohlhabenden Menschen aus der ganzen Welt zu gefallen – was sie oft unpersönlich wirken lässt. Dennoch will ein Architekt ein einzigartiges Haus schaffen. Gab es genug Handlungsspielraum für Sie auf Randheli? Wie würden Sie die Ergebnisse beschreiben?

Jean-Michel Gathy: Wenn ich designe, vergesse ich, ob ich theoretisch oder politisch korrekt bin. Was zählt, ist die Frage, ob mein Produkt erfolgreich ist. Meine Klienten sind Menschen, die bereits alles haben. Deshalb versuche ich erst gar nicht, mit ihrem Heim, wo alles so ist, wie sie es wünschen, zu konkurrieren. Ich biete ihnen etwas völlig Neues an. Etwas Traumhaftes, Überraschendes und etwas, das sich zwanglos und frei anfühlt. Im Prinzip geht es um die perfekte Atmosphäre. Deshalb arbeite ich mit Farben, die sich gut fürs Auge anfühlen. Nichts gleicht dem anderen. Jede Ecke, jeder Raum spricht unterschiedliche Gefühle an. Ob aus Russland, dem Mittleren Osten oder New York, sie werden es alle mögen, weil sie dieses lebendige, energetische Zusammenspiel von Vielfalt und unterschiedlichen Stimmungen und Farben fühlen werden. 

Haben Sie sich auch von der regionalen Architektur beeinflussen lassen? Was sind denn die typischen Merkmale der Architektur auf den Malediven?

Grundsätzlich ist die Architektur der Malediven völlig von deren Lage und Klima beeinflusst. Es ist ein sehr flaches Land, es gibt viel Wind, Regen und sehr viel Sonne. Wenn Sie all diese Komponenten kombinieren, ist die lokale Architektur beispielsweise ein Haus, das vor diesen Eigenschaften schützt oder diese verstärkt. Und genau das machen wir auch. Wir haben den Blick auf das Meer betont, arbeiten mit Querlüftung und haben die Deckenhöhe so angepasst, dass ein Schacht selbst das Erdgeschoß des Hauses kühlen kann. Bei den Materialien sind wir ebenso »regional« und verwenden beispielsweise Stroh für die Dächer. 

Welche architektonischen Merkmale werden Besucher des »Cheval Blanc« und der »Owner’s Villa» lieben?  

Ich hoffe, dass sie die Stimmung lieben werden, und ich glaube, die Leute werden den Hauptraum lieben – das harmonische Zusammenspiel von Wohnzimmer, Bar, Klavier und Lounge. Es hat außerdem ein sensationelles Volumen. Das sind meiner Meinung nach die Hauptmerkmale. Aber ich liebe auch das Gästeschlafzimmer. Es ist absolut außergewöhnlich. Ich will mich nicht selbst loben, aber was einzelne, freistehende Räume betrifft, ist es wahrscheinlich das Beste, was ich je geschaffen habe. Außerdem mag ich das überdachte Freiluft-Schwimmbad, das in der Achse des Wohnzimmers liegt.

Aus dem Falstaff Living Magazin 04/2016.

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