Der »Young Hotelier Award« als Karriere-Sprungbrett

Marisa Rossmann wurde nach dem Sieg beim YHA sofort befördert.

© Hilton Vienna

Marisa Rossmann wurde nach dem Sieg beim YHA sofort befördert.

© Hilton Vienna

In der letztjährigen Auflage des »Young Hotelier Awards« gingen Marisa Rossmann und Vera Rieger als Erstplatzierte hervor, beide profitierten vom Sieg in ihrem Berufsleben. Darüber hinaus dient dieser Award zur Förderung von Nachwuchstalenten und fand 2016 bereits zum 12. Mal in Wien statt. Der YHA wird österreichweit vergeben.

KARRIERE Warum habt ihr euch beim »Young Hotelier Award« beworben?
MARISA ROSSMANN Meine Chefin, Frau Fleur van Velthoven, hat im Jahr 2013 ebenfalls am Wettbewerb teilgenommen und hat unserem Team die Teilnehme nahegelegt.
VERA RIEGER Ich wurde gefragt, ob ich am YHA teilnehmen möchte und für mich war die Antwort sofort klar – Ja! Meiner Meinung nach bietet der YHA eine einmalige Chance für Mitarbeiter in der Hotellerie eine neue Herausforderung anzunehmen, sich mit einem aktuellen Thema der Branche intensiv auseinander zu setzen, einen eigenen Lösungsansatz zu erarbeiten und vor allem ein Netzwerk in der Wiener Hotelbranche aufzubauen.

Haben euch eure Arbeitgeber bei eurer Entscheidung bestärkt? Inwiefern haben sie das gemacht?
ROSSMANN Meine Vorgesetzten haben mich in jeder Hinsicht unterstützt. Während der Anmeldefrist war der Award ein großes Thema im Hotel und wurde intensiv beworben. Auch während der Vorbereitung waren sich die Teilnehmer inklusive mir gegenseitig eine große Stütze, wir haben zum Beispiel voreinander geübt und uns Feedback gegeben.
RIEGER Von der Bewerbung für den Wettbewerb bis hin zum Feinschliff der Präsentation wurde ich von Kollegen und Vorgesetzten intensiv bestärkt und immer wieder aufs Neue motiviert. Bestärkt hat mich vor allem ihr Interesse, ihre Geduld und natürlich, dass sie an mich geglaubt haben. Eine bessere Unterstützung hätte ich mir nicht wünschen können. Vielen Dank dafür.

Die Preise beim YHA bestehen aus diversen Stipendien. Wie wichtig ist für euch Weiterbildung im Beruf?
ROSSMANN  Weiterbildung ist vor allem in einer schnelllebigen Branche wie im Tourismus eine wichtige Voraussetzung. Bereits während meines Tourismusstudiums in Krems war immer die Kernaussage, dass das Wichtigste sei, sich flexibel an Veränderungen, sei dies technischer oder anderer Natur, anpassen zu können. Diesem Leitspruch versuche ich treu zu bleiben. »Hilton« legt sehr großen Wert auf Training, was ich sehr zu schätzen weiß.
RIEGER Meiner Meinung nach sind Weiterbildungen essenziell, um sich beruflich weiterzuentwickeln und die Karriereleiter zu erklimmen. Diese Stipendien machen den YHA noch attraktiver und motivieren das Beste zu geben. Aber ich würde bereits die Teilnahme an diesem Wettbewerb als eine Art persönliche und berufliche Weiterbildung bezeichnen.

Die Präsentationen beim YHA sind auf Englisch, ihr sprecht diese Sprache fließend. Wie wichtig sind Fremdsprachen in der Hotellerie? Reicht Englisch alleine aus?
ROSSMANN  Fremdsprachen sind definitiv unverzichtbar in der Hotellerie, da einem die Erlernung einer neuen Sprache nicht nur Mittel zur Kommunikation gibt, sondern auch die Welt zu einer fremden Kultur öffnet. Dieses Verständnis ist in unserem »People Business« sehr wichtig.
RIEGER Fremdsprachen gehören in der Hotellerie zum Berufsalltag. Vor allem in einer Stadt wie Wien, die von Touristen aus der ganzen Welt besucht wird, ist die Mindestanforderung, dass die Mitarbeiter Englisch fließend beherrschen. Jede weitere Fremdsprache ist von Vorteil.

Ihr habt euch beide den Sieg beim YHA geholt. Welche Erfahrungen für euer berufliches oder privates Leben konntet ihr mitnehmen?
ROSSMANN  Für mich war vor allem der Sommerkurs an der »Cornell University« in Ithaca, New York, der Hauptpreis des Awards, das bereicherndste Erlebnis. Dort durfte ich mir an einer der angesehensten Tourismusuniversitäten der Welt gemeinsam mit internationalen Größen der Branche neues Wissen aneignen. Für das Gelernte sowie die neu gewonnen Kontakte bin ich sehr dankbar.
RIEGER In beruflicher Hinsicht habe ich vor allem mitgenommen, dass sich Ausdauer und Aufwand auszahlen. Auch den Mut aufzubringen, sich von anderen durch die eigene Persönlichkeit und Meinung abzuheben, gehört zu den Erfahrungen, die ich mitgenommen habe.

Karrieresprungbrett Award: Was hat sich beruflich für euch seit der Teilnahme verändert?
ROSSMANN  Bereits am Tag nach der Preisverleihung wurde ich von meinen Vorgesetzen befördert.
RIEGER Seit der Teilnahme hat sich beruflich einiges getan. Mit der Beförderung zum F&B Assistant Manager habe ich beruflich die Chance bekommen, mich neu zu beweisen. Auch der Start des MBA Studiums an der »Modul University« im Oktober letzten Jahres stellt eine neue Herausforderung für mich dar.

Auch Vera Rieger profitierte beruflich vom YHA: Sie wurde zum F&B Assistant Manager befördert.

© Steigenberger Hotel Herrenhof

Ein Thema des letztjährigen Wettbewerbs drehte sich rund um Onlinebewertungsportale wie »TripAdvisor«. Sind diese Segen oder Fluch für die Branche?
ROSSMANN  Bewertungsportale werden in allen Branchen immer wichtiger, da man sich nicht nur mehr auf herkömmliche Werbung verlassen möchte. Besonders aber bei touristischen, immateriellen Produkten ist es verständlich, dass sich Käufer bereits im Vorhinein einen Eindruck von der Qualität machen möchten. Leider gibt es einige Faktoren, die die Glaubwürdigkeit der Portale einschränken. Bei meiner Nachforschung habe ich zum Beispiel von Gästen gehört, die Hotels mit negativen Bewertungen erpressen, aber auch von Hotels, die gefälschte Bewertungen veröffentlichen. Zudem muss man sich dessen bewusst sein, dass auch die Portale selbst vor allem von Werbung leben. Die meisten Touristen suchen online aber nach authentischen Bewertungen und betrachten diese mit gesundem Menschenverstand. Das wichtigste scheint vor allem eines zu sein – wie die Hotels auf negative Bewertungen reagieren und ob sie nach einer Wiedergutmachung bei Beschwerden streben.
RIEGER Onlinebewertungsportale sind meiner Meinung nach Segen und Fluch für die Hotelbranche zugleich. Wichtig ist, diese Bewertungsportale effizient zu nutzen und einen Lerneffekt für das eigene Unternehmen zu generieren.

Steigenberger Hotel Herrenhof und Hilton Vienna Stadtpark – ist die heimische Luxushotellerie ein attraktiver Arbeitgeber?
ROSSMANN  »Hilton« gehört in Österreich zu den Top 100-Arbeitgebern. Es wird sehr viel Wert auf Training und das Wohlbefinden der Mitarbeiter gelegt. Zudem gibt es attraktive Aufstiegsmöglichkeiten und Flexibilität, was zum Beispiel eine Versetzung ins Ausland angeht, wenn man Abwechslung braucht.
RIEGER Die heimische Luxushotellerie bietet vielfältige Weiterbildungsmöglichkeiten und ist somit sehr attraktiv für Mitarbeiter. Der YHA ist nur ein Beispiel.

Der YHA bietet auch eine tolle Plattform um sich mit anderen Personen zu vernetzen. Wie wichtig ist ein gutes Netzwerk für die Karriere?
ROSSMANN  Ich persönlich erachte ein gutes Netzwerk als unabdingbar in unserer heutigen Berufswelt, da sich viele Menschen trotz der Digitalisierung wieder auf das Zwischenmenschliche besinnen. Besonders in der Hotellerie findet man viele interessante, aufgeschlossene Persönlichkeiten und daher macht das Networking auch viel Spaß.
RIEGER Netzwerke werden meiner Meinung nach immer wichtiger und in der Hotellerie haben sie einen ganz besonders hohen Stellenwert, um sich beruflich weiterzuentwickeln. Von einem Austausch zwischen Mitarbeitern der Hotelbranche profitieren immer beide Seiten. Ein Lerneffekt ist garantiert.

Gute Tipps sind Gold wert. Was würdet ihr den diesjährigen Teilnehmer raten?
ROSSMANN Gute Vorbereitung und eine fesselnde Aufbereitung sind meiner Meinung nach der Schlüssel zum Erfolg. Die Jury sieht ungefähr 20 bis 30 Präsentationen und um herauszustechen, muss man die richtige Mischung aus guter Recherche, Unterhaltung und Hintergrundwissen haben.
RIEGER Ich habe diesen Ratschlag irgendwann nicht mehr hören können, aber es stellte sich heraus, dass das Wichtigste ist, das man den Teilnehmern mit auf den Weg geben kann: Bleibt authentisch und habt Mut euch von den anderen Teilnehmern abzuheben. Seid kreativ in der Ausarbeitung eurer Lösungsansätze und überrascht die Jury mit eurer eigenen Persönlichkeit.

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