Der Wiener Heurige ist UNESCO-Kulturerbe

Gemütliches Ambiente beim Wiener Heurigen

© www.karinnussbaumer.com

Gemütliches Ambiente beim Wiener Heurigen

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Die Heurigenkultur gehört zu Wien wie der Stephansdom, die Manner Schnitten oder das Riesenrad und steht quasi als kulinarisch-vinophiles Wahrzeichen für die Donaumetropole. Den hohen Stellenwert der Wiener Heurigen erkennt die UNESCO nun an: Der Fachbeirat der Österreichischen UNESCO-Kommission hat die Aufnahme des Elements »Wiener Heurigenkultur« in das Nationale Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Österreich beschlossen. Entsprechend dem Antrag bei der Österreichischen UNESCO-Kommission wird die Bedeutung der Wiener Heurigenkultur als Quelle kultureller Vielfalt, Garant für nachhaltige Entwicklung, Ausdruck menschlicher Kreativität und Mittel zur Förderung von Annäherung, Austausch und Verständnis zwischen den Menschen anerkannt. Ab sofort dürfen sich alle Mitglieder des Vereins »Der Wiener Heurige« mit dem besonderen UNESCO Logo, nach strengen Richtlinien und einer schriftlichen Genehmigung, schmücken.

Die Anzahl aller Wiener Heurigen blieb in den vergangenen zehn Jahren konstant bei rund 100 Betrieben und so überdauert der Heurige auch Gastro-Krisen, Stichwort: Wirtshaussterben, und steht beständig für eine einzigartige Atmosphäre und Vielfalt. Jeder Betrieb ist für sich speziell und pflegt seine individuellen Besonderheiten, etwa bei den Austeckzeiten, der Ausstattung, dem Publikum, der Musik oder dem Wein- und Speisenangebot. Allen gemein ist die Gemütlichkeit am schlichten Heurigentisch, das zwanglos und unprätentiös Ambiente, wobei die Angebote beim Wiener Heurigen für alle leistbar sind. Am Stammtisch kommen Pensionisten, Studenten und Arbeiter mit dem Pfarrer oder Bezirkspolitikern zusammen, womit der Heurige traditionell eine soziale Funktion erfüllt.

HINTERGRUND: Alle von Falstaff prämierten Wiener Heurigen

Psychologische Beratung und Nahversorger

Kulturwissenschafter Roland Girtler der Uni Wien kennt durch seine Forschungen die Menschen und das Geschehen in den Wiener Heurigenlokale genau. »Ein Besuch beim Heurigen hängt auch mit dem Bedürfnis zusammen, so etwas wie ›Seelsorge‹ zu erleben. Von einem Arzt weiß ich, dass er gewisse Patienten, die unter Depression leiden, zum Heurigen schickt. Das Gespräch mit einem Heurigen-Kellner würde bisweilen mehr nützen als der Besuch bei einem professionellen Psychiater.« In seinem Empfehlungsschreiben weist Girtler auf die besondere Bedeutung der Heurigen nicht nur als Arbeitgeber für die Menschen in der Region hin, sondern auch als wesentlichen Beitrag zur Erhaltung einer alten und wunderschönen Kulturlandschaft inmitten des Wiener Grüngürtels. Darüber hinaus lobt er den Heurigen mit leicht transportierbaren Speisen wie Liptauer oder Salate als Nahversorger für die Nachbarschaft.
 
Der Verein »Der Wiener Heurige« erhofft sich durch diese Würdigung der langjährigen Bemühungen um mehr Qualität nun noch mehr Aufmerksamkeit vor allem für den Tourismus. Damit sind nicht nur die global weit gereisten Besucher gemeint, sondern auch die Gäste aus den umliegenden Bundesländern. Der Wiener Wein ist ein enormer Wirtschaftsfaktor und starker Magnet für den Wiener Städtetourismus. Beim Heurigen werden etwa 70 Prozent des Wiener Weins vermarktet, dies bedingt den Weinbau in der Stadt.

»Der Wiener Heurige für sich allein genommen ist schon unschätzbar wertvolles Kulturgut. Als Gastgeber und Heimstätte für das Wienerlied dann aber gleich in doppelter Hinsicht. Wienermusik wird heute nicht mehr immer und auch nicht bei jedem Wiener Heurigen gepflegt. Manche Betriebe verzichten gänzlich auf Wienermusik. In diesem Fall, so sagt man, müsse eben der Wein die Musik machen«, sind sich Marcus Ratka, Rektor der Universität für Jazz und Popularmusik in Wien und Engelbert Mach, Referent und Seminarleiter für den Fachbereich Wienerlied, einig.

Weitere Reaktionen

»Die einzigartige, gemütliche und gesellige Atmosphäre wurde neben vielen Stärken zuletzt 2018 durch eine Gallup-Umfrage wieder eindeutig bestätigt. Es freut mich, dass unsere gelebten Traditionen wie unser Winzerhandwerk, das stets an die nächste Generation weitergegeben wird, nun auch von der Österreichischen UNESCO-Kommission gewürdigt wird.« 
Michael Edlmoser, Winzer und Obmann »Der Wiener Heurige«
 
»Der Heurige ist der Vorfahre der regionalen Vermarktung. Seit dem Mittelalter werden Weine und selbst produzierte Produkte direkt vor Ort vermarktet. Insofern wird ein Heurigenbesuch zum aktiven Klimaschutz.«
Franz Windisch, Präsident der Landwirtschaftskammer Wien
 
»Der Wiener Heurige ist eine Oase am Rande der Stadt, wo man sich je nach Lust und Laune zurückziehen oder gemeinsam mit anderen feiern kann.«
Elmar Feigl, Geschäftsführer »Der Wiener Heurige«

Über den Verein

Der Verein »Der Wiener Heurige« wurde 2003 mit dem Ziel gegründet, die Qualität beim Heurigen zu steigern und gleichzeitig die vielfältig gelebten Traditionen zu stärken. Die Mitglieder schenken ausschließlich selbstproduzierten Wein aus und weisen mit den Föhrenbuschen auf ihre Aussteckzeiten hin. Neben diesen traditionellen und gesetzlichen Kriterien laut Buschenschankverordnung, haben sich die Mitglieder strenge Qualitätsstandards auferlegt. Die Spitze bilden die Wiener Top-Heurigen, die laufend von einem unabhängigen Zertifizierungsunternehmen überprüft werden. Mit der neuen Positionierung von 2018 setzen die Mitglieder verstärkt auf Regionalität bei Speisen und Getränken.

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