Thomas Dorfmann von der Eisacktaler Kellerei in Südtirol schätzt den Grünen Veltliner / Foto: beigestellt
Thomas Dorfmann von der Eisacktaler Kellerei in Südtirol schätzt den Grünen Veltliner / Foto: beigestellt

In der Slowakei findet sich das nach Österreich (mit 13.500 Hektar, einem guten Drittel der Anbaufläche) bedeutendste Vorkommen des »Veltlínské zelené«. Rund ein Fünftel der slowakischen Rebfläche nimmt die Sorte ein, das sind rund 3.800 Hektar. Auch in der Tschechischen Republik hat der »Veltlínské zelené« eine lange Tradition. Im Anschluss an das österreichische Weinviertel im Norden sind in den mährischen Rebbergen mehr als 1700 Hektar mit Grünem Veltliner bepflanzt. So wie dort geht der Grüne Veltliner auch in Ungarn auf das Erbe der k. und k. Monarchie zurück, hier verteilt sich der »Veltelini Zöld« mit rund 1450 Hektar über das ganze Land. In Tolna und Kunság im Süden hat er seine stärkste Verbreitung, aber auch in der Dél-Balaton-Region im Westen oder weiter nördlich bei Mátra wird er kultiviert. Aus Bulgarien sind kleinere Anpflanzungen bekannt, auch in Slowenien ist »Zeleni Veltinec« ein Begriff. Noch sind in österreichischen Weinregalen die Weine unserer östlichen Nachbarn Mangelware, das wird sich angesichts des Qualitätsaufschwungs im Laufe der Zeit aber ändern.

Eine Nische in Deutschland

Gab’s ihn oder gab’s ihn nicht, den Grünen Veltliner in Deutschland? Und vor allem: Wo, seit wann und wie lange? Diese Fragen werden sich vielleicht nie abschließend ­beantworten lassen. Im Reichsrebsortiment von 1935 ist nur ganz allgemein Veltliner verzeichnet, und Georg Scheu beschreibt ­diese Sorte 1936 in seinem »Winzerbuch« als den Großen Roten Veltliner und den Frühroten Veltliner. Den Grünen und den Rotweißen Veltliner hat es laut seiner Aus­sage damals in Deutschland nicht oder vielleicht auch nur nicht mehr gegeben. Andererseits weiß man, dass der Grüne Veltliner früher als »Schwabenriesling« in Württemberg vorhanden war. Der Biologe Andreas Jung hat bei seiner Suche nach alten Mischsätzen sowohl Rotweiße Veltliner als auch Grüne Veltliner unter anderem im pfälzischen Speyer und in Sachsen gefunden. In Rheinhessen wurde er vereinzelt angebaut, zumindest eine Anlage in Jugenheim ist für die 1960er- bis 1980er-Jahre nachgewiesen.

Wie auch immer – seit Anfang dieses Jahrhunderts ist der Grüne Veltliner in deutschen Anbaugebieten mit Sicherheit vorhanden. Bislang konnten wir rund 20 Erzeuger ausfindig machen, die ihn angepflanzt oder zum Teil schon im Ertrag haben. Seit dem Jahr  2009 wird die mit Grünem Veltliner bestockte Rebfläche vom Statistischen Bundesamt einzeln ausgewiesen. Sie lag damals bei acht Hektar, inzwischen ist sie auf 13 Hektar (2012) angestiegen. Manche Winzer – vor allem in der Pfalz – sehen im Grünen Veltliner eine Alternative zum Sauvignon Blanc, den es inzwischen fast flächendeckend in ­allen Anbaugebieten gibt. Viele versuchen, ­einen eher leichten Wein mit Federspiel-Charakter zu produzieren. Die qualitativ besten deutschen Veltliner stammen von Klein, Krauß und Weegmüller aus der Pfalz, Koegler und Künstler aus dem Rheingau sowie LandArt aus Franken. Nach unserer Einschätzung wird die Rebfläche in den kommenden Jahren steigen, da sich die ersten Genossenschaften dafür interessieren. Mittelfristig werden das wohl 20 bis 40 Hektar werden. Man sollte aber keinen Boom wie beim Sauvignon Blanc erwarten, sondern im deutschen ­Grünen Veltliner eher eine Nische sehen.

Veltliner Alpin
In Italien wird der Grüne Veltliner ausschließ­lich im Südtiroler Eisacktal auf die Flasche gezogen und hat dort den früher üblichen Frühroten Veltliner (nicht verwandt mit dem Grünen) abgelöst. In der Südtiroler Weinszene werden die frischen Veltliner als Rarität geschätzt und von einer Handvoll Winzer gepflegt. Das kühle Anbaugebiet liegt zwischen Klausen und Brixen, wo die Sorte gute klimatische Bedingungen vorfindet. Fündig werden Sie bei der Eisacktaler Kellerei, der Stiftskellerei Neustift und bei den Weingütern Garlider, Köfererhof, Kühn­hof, Pacherhof und bei Manni Nössing.

In der Schweizer Bodenseeregion, im Thurgau, haben wir in Nussbaumen Fredi Saxer vom Weingut Saxer entdeckt, der dort nicht nur Barriquefässer mit Pinot Noir in zwei Meter Tiefe vergräbt, sondern auch ­einen herzeigbaren Grünen Veltliner keltert.

Grüner in Australien
Auch in Down Under findet der Veltliner eine wachsende Zahl von Anhängern. Das Zentrum der Neuanpflanzungen befindet sich in den Adelaide Hills. Die Hahndorf Hill Winery unter Larry Jacobs war der Vorreiter, sein sortenreiner Grüner CRU zählt zu den bes­ten, die die Neue Welt bisher zu bieten hat. Warme Tage und kalte Nächte prädestinieren die Adelaide Hills für den Veltliner, sie sorgen für gute Frucht und eine optimale natürliche Säure. Mittlerweile hat eine wachsende Zahl die Vorzüge der Sorte erkannt, mit deren ausgeprägter Aromatik und pfeffriger Würze man sich auch auf den asiatischen Märkten gute Chancen ausrechnet, und die Fachjournalisten sind begeistert.

Neben jenen Betrieben, die bereits Grünen Veltliner abgefüllt haben, wie Geoff Hardy und Hahndorf Hill, haben unter anderem Henschke Wines, Mt. Bera, Nova Vita Wines, Deviation Road Cellars und Longview Versuchsweingärten angelegt.

Starwinzerin Prue Henschke, berühmt für den legendären Shiraz aus dem »Hill of ­Grace«, ist vom Grünen Veltliner überzeugt: »Es geht darum, in die Zukunft zu blicken und in eine neue, alternative Weißweinsorte zu investieren.« Zu weiteren Erzeugern zählt die biodynamische Lark Hill Winery im ­Canberra District – dieses Weingut machte mit dem Jahrgang 2009 den Auftakt für ­Grünen Veltliner in Australien (gefolgt von Hahndorfs Erstlingsjahrgang 2010).

Auch aus dem kühlen Tasmanien könnten in Zukunft vielversprechende Muster kommen, wie das Beispiel von Stoney Rise Gruner Veltliner zeigt, Winzer Joe Holyman hat die ersten 0,2 Hektar hier ausgepflanzt. In Zukunft wird wohl überall dort in Austra­lien, wo seit Längerem Riesling angebaut wird, der Grüne Veltliner ebenfalls eine neue Heimat finden.

>> Zu den Verkostungsnotizen

Den gesamten Artikel lesen Sie im aktuellen Falstaff Magazin Nr. 04/2013 - Jetzt am Kiosk!


Text von Peter Moser, Mario Scheuermann, Julia Sevenich



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