Dieses Weingutporträt beginnt mit einer Szenenbeschreibung wie aus einem Rosamunde Pilcher Film: Ein gut situierter Arzt will ein Weingut in der Toskana kaufen, aber bevor er die Entscheidung seines Lebens trifft, sucht er bei Sonnenaufgang noch einmal seinen Lieblings-Platz bei einer Ruine auf, um noch einmal alles zu überdenken. Als er dort den Blick über das sanft abfallende Gelände bis zum Meer schweifen lässt, gesellt sich ein nachdenklicher Italiener zu ihm. Die beiden kommen ins Gespräch und es stellt sich heraus, dass der Einheimische der Grundstücksbesitzer ist, der sein Gut verkaufen möchte. Sie finden sich auf Anhieb sympathisch und besiegeln den Verkauf mit Handschlag, noch bevor das offizielle Treffen mit Maklern und Anwälten statt findet. Auch wenn sich das wie ein Auszug aus einem Drehbuch einer TV-Romanze liest, hat es doch tatsächlich so stattgefunden, denn dem Österreicher Martin Kerres ist es vor rund zehn Jahren genau so ergangen.

Vom Top-Management in den Weinkeller
Marting Kerres kommt ursprünglich aus Oberösterreich, hat in Wien Medizin studiert und machte in weiterer Folge in Nordamerika seinen MBA in Krankenhausmanagment. Über den Umweg als Unternehmensberater gründete der talentierte Betriebswirt eine Krankenhaus-Betreiberfirma, über die er als Geschäftsführer zuletzt 17 deutsche Spitäler betreute. Doch dann ging Kerres nach Italien, um »einen Platz an der Sonne« zu suchen, und kam nach Sassofortino, wo er sich sofort wohl gefühlt hat. Oben beschriebene Szene hat sich im Jahr 2000 abgespielt, und im Jahr 2003 ist er tatsächlich komplett ausgestiegen. Die zentralen Entscheidungskriterien dabei waren mittelalterliche Eichen, saftige Wiesen und vor allem der atemberaubende Blick über die Maremma bis zum Mittelmeer mit seinen Inseln Giglio und Elba.

Forza Sangiovese!

Martin Kerres im Weingarten
Martin Kerres im Weingarten

Am Gut Valdonica wurde schon lange kein Weinbau mehr betrieben und Kerres musste die Weingärten komplett neu auspflanzen. Das abgewirtschaftete Anwesen umfasst 80 Hektar, zehn davon hat er mit Hilfe von internationalen Experten mit Wein bestockt. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Hauptsorte der Toskana, der Sangiovese-Traube, für die neun verschiedene Klone ausgewählt wurden. Die Entscheidung, Wein anzubauen war anfangs eher eine pragmatische als eine leidenschaftliche, denn die Restrukturierung von Valdonica war ein gewaltiger Aufwand und der Betriebswirt hatte rasch erkannt, dass ein dauerhaft erfolgreicher Betrieb nur mit Weinbau möglich wäre. Doch aus den strategischen Überlegungen wuchsen Passion und der Ehrgeiz, große Weine zu keltern.

Britisches Know-How
Mit dem erfahrenen Önologen Tim Manning, der auch das erfolgreiche Weingut »Il Borghetto« betreut, ist Kerres auf einem guten Weg, dennoch warten noch große Herausforderungen. Wenn die Produktion voll angelaufen ist, sollen 50.000 Flaschen abgesetzt werden.

Die Weine

Wein Sortiment
Wein Sortiment

Zu einer Verkostung im Wiener Panorama-Restaurant »Das Turm« brachte Martin Kerres 2007er-Rotweine und einen 2008er-Bianco aus Trauben von gepachteten Weingärten mit (die Weine aus den eigenen Auspflanzungen reifen noch im Keller). Die Qualität war schon sehr anständig und besonders der Weißwein aus Trebbiano und Malvasia gefiel mit seinen exotischen Aromen nach grünen Bananen, Feigen und Dörrobst, ohne dabei zu fett zu sein. Die Top-Rotweine bestehen aus 100 Prozent Sangiovese und reifen unterschiedlich lang in kleinen Eichenfässern. Flaggschiff des Hauses ist der SangioveseOro 2007, der in der Nase nach Veilchen und schwarzen Oliven duftet, am Gaumen schön saftig ist und feine Tanninstruktur aufweist. Neben den Weinen hat Kerres auch ein großartiges Öl aus handverlesenen Oliven im Angebot.

Die Gästezimmer
Der Quereinsteiger teilt das besondere Lebensgefühl auf seinem Weingut gerne mit Gästen, für die er wohnliche Zimmer mit hochwertigen Naturmaterialien eingerichtet hat. Für einen Hochsaison-Preis von 144 Euro pro Nacht und Zimmer kann man sich selbst davon überzeugen, was einen erfolgreichen Manager dazu bringt, alles aufzugeben, um noch einmal ganz von vorne zu beginnen. Wer neugierig geworden ist, sollte sich die Impressionen in obiger Fotostrecke keinesfalls entgehen lassen.

Die Weine werden bei einer Versandgebühr von 15 Euro pro Zwölfer-Karton auch nach Österreich geliefert, hier gehts zum Online-Shop: www.valdonica.com

von Bernhard Degen

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