Die Preisträger: Silvia ­Heinrich, Andi Kollwentz, Albert Gesellmann und Hannes Steurer.
Die Preisträger: Silvia ­Heinrich, Andi Kollwentz, Albert Gesellmann und Hannes Steurer. / Foto: Moritz Schell

Die Spannung war nicht zu überbieten, als sich die Preisverleihung der 32. Falstaff-Rotweinprämierung ihrem Höhepunkt näherte. Als schließlich klar war, dass der begehrteste Titel an Albert Gesellmann für seinen »Bela Rex« 2009 geht, war hundertstimmiger Jubel im Festsaal der Wiener Hofburg zu hören. Als höchstbewerteter Wein unter mehr als 1300 Vertretern des Jahrgangs 2009 kann diese Cuvée den Titel »Falstaff-Sieger 2011« für sich in Anspruch nehmen. Doch es gab noch mehr zu feiern: so zum Beispiel den höchstbewerteten reinsortigen Blaufränkisch, präsentiert von Silvia Heinrich vom Weingut Johann Heinrich, womit mit »Cupido beauté éternelle« auch der »2. Falstaff-Sieger« aus Deutschkreutz kommt. Eine echte Überraschung war der »3. Falstaff-Sieger«, die Cuvée »Fam Steurer« des Weinguts Hannes Steurer aus Jois.

DIE FALSTAFF-SIEGER 2011

Platz 1 - 96 Punkte
Bela Rex 2009 CS/ME
Weingut Gesellmann, Deutschkreutz

Platz 2 - 95 Punkte
Cupido beauté éternelle 2009 BF
Weingut J. Heinrich, Deutschkreutz

Platz 3 - 95 Punkte
Fam Steurer 2009 BF/ZW/CS/SY
Weingut HST – Hannes Steurer, Jois


Alle Weine auch online abrufbar

Der Falstaff Rotweinguide 2012 gilt als Leitfaden für Rotweingenuss aus Österreich. Die rund 1600 darin beschriebenen Weine von 476 Betrieben sind ab sofort auch in der Falstaff-Weindatenbank online abrufbar - Weingutsinfo, Weinbeschreibung und Falstaff-Punkte inklusive.

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VIG & Falstaff Reserve-Trophy
Neben den Falstaff-Siegern hat die Fachjury auch in zahlreichen Sortenkategorien die jeweils besten Vertreter herausgekostet und gekührt. Im Rahmen der VIG & Falstaff Reserve-Trophy wurden etwa Rotweine reiferer Jahrgänge prämiert. Den ersten Platz unter mehr als 150 Anwärtern konnte sich Andi Kollwentz aus Großhöflein mit seinem Blaufränkisch »Point« 2008 sichern. Als Wiederholungstäter landete Albert Gesellmann mit seiner Cuvée »G« 2007 auf dem zweiten Platz, gefolgt von John Nittnaus mit dem Blaufränkisch »Tannenberg« 2008.

Albert Gesellmann konnte mit dem »Bela Rex« 2009  bereits seinen zweiten Falstaff-Sieg feiern / Foto: © Moritz Schell
Albert Gesellmann konnte mit dem »Bela Rex« 2009 bereits seinen zweiten Falstaff-Sieg feiern / Foto: © Moritz Schell

Rund 1600 Weine eingereicht
Der Jahrgang 2009 ermöglichte durch seinen speziellen Witterungsverlauf hohe Qualität auf breiter Front. Dies schlug sich auch in der Zahl der Einreichungen zur Falstaff-Rotweinprämierung nieder. Fast 1600 Weine wurden der Fachjury vorgelegt. Die mit Abstand größte Gruppe waren auch diesmal die Weine der Kategorie Cuvée. Stattliche 352 Weine standen in der Vorverkostung an, nicht weniger als 50 schafften den Aufstieg ins Finale um dem Gruppensieg. Später stellte sich heraus, dass dieser auch den »Falstaff-Sieg«, also den Gesamtsieg für den Jahrgang 2009, bedeuten sollte. Das Weingut Albert Gesellmann aus Deutschkreutz im Mittelburgenland holte sich mit der Cuvée »Bela Rex« 2009 die höchste Punktewertung aller Weine. Schon anlässlich einer Probe im Schloss Esterázy gab es für diesen tollen Wein großes Lob von Starjournalistin Jancis ­Robinson, MW, die den »Bela Rex« vor gut dreihundert Mitverkos­tern als »enormously impressive« bezeichnete. Auch die Falstaff-Jury war in der Blindprobe von diesem großen österreichischen Rotwein beeindruckt und vergab durchwegs Höchstnoten. Der zweite Platz bei den Cuvées ging an ­einen aufstrebenden Betrieb aus Jois am Neusiedler See, und zwar an Hannes Steurer, der mit seinem »Fam Steurer« aus Blaufränkisch, Zweigelt, Cabernet und Syrah erfolgreich war. Diese Platzierung brachte auch den »3. Falstaff-Sieger«. Platz drei in der stark besetzten Finalrunde holte sich Vinum Pannonia Allacher aus Gols für die Cuvée »Altenberg«, die die Sorten St. Laurent, Cabernet Sauvignon und Merlot toll vereint.

Silvia Heinrich stellte mit  ihrem Blaufränkisch Cupido den Sortensieger dieser wichtigen Kategorie / Foto: © Moritz Schell
Silvia Heinrich stellte mit ihrem Blaufränkisch Cupido den Sortensieger dieser wichtigen Kategorie / Foto: © Moritz Schell

Blaufränkisch at its best
Das Jahr 2009 mit seinem Altweibersommer kam den spät reifenden Rebsorten sehr ent­gegen, und so hatte die Gruppe mit den rein­sortigen Blaufränkisch-Weinen einiges zu bieten. 284 Blaufränkisch aus 2009 traten zum Wettstreit um den Sortensieg an. Die Verkos­ter hatten die sprichwörtliche Qual der Wahl, denn das Finale der besten 40 Weine war für die Jury nicht leicht. Das Niveau war enorm hoch, unterschiedlich war lediglich der Stil der Weine. Für manche der Weine kam die Verkos­tung sogar noch etwas zu früh, denn hinter ­einer reifen Frucht steckt oft ein strammes Tannin­gerüst. Obwohl die meisten Weine bereits zugänglich wirken, steht fest, dass sie von weiterer Flaschenreife profitieren werden. Leider ist in der heimischen Gastronomie immer öfter zu beobachten, dass – ähnlich wie bei den besten Weißweinen des Landes – die Weine viel zu früh auf die Karte gesetzt werden. Öster­reich entwickelt sich auch bei den Spitzenrotweinen zu einer Jungweintrinkernation, was ­eigentlich sehr bedauerlich ist. Denn sechs, ­sieben Jahre der Reife täten unseren besten Weinen sehr gut. Wer diese Flaschen zu jung köpft, bringt sich um das halbe Vergnügen.

Grund zur Freude gab es am Ende der Blau­fränkischprobe jedenfalls für Silvia Heinrich vom Weingut Johann Heinrich aus Deutschkreutz, die mit ihrem Blaufränkisch mit dem fantasievollen Namen »Cupido beauté éternelle« den ersten Rang belegte und dank der hohen Punktezahl auch den »2. Falstaff-Sieger« im Gesamtklassement stellte. Der zweite Platz ging an einen weiteren Vertreter der »Renommee-Gruppe« aus Jois: Ronny Kiss vom Winzerhof Kiss holte sich mit seinem Blau­fränkisch »Jungenberg« die Silbermedaille in dieser Kategorie. Das Wein.gut Wellanschitz aus Neckenmarkt freute sich über den dritten Platz für seinen Top-Blaufränkisch »Well«. Alle drei Blaufränkisch-Weine zeigen neben ­ihrer Komplexität und Würze sehr gut die unverwechselbaren Vorzüge des jeweiligen Terroirs und werden zu vielseitigen Speisenvertretern heranreifen.

Hannes Steurer aus Jois überzeugte die Jury mit seiner exzellenten Cuvée »Fam Steurer« / Foto: © Moritz Schell
Hannes Steurer aus Jois überzeugte die Jury mit seiner exzellenten Cuvée »Fam Steurer« / Foto: © Moritz Schell

Zweikampf der Zweigeltgiganten
Etwas weniger gut kam die Rebsorte Blauer Zweigelt mit den Witterungsbedingungen 2009 zurecht. Das erklärt, warum in der Kategorie mit 173 Weinen etwas weniger als sonst üblich ­eingereicht wurde.

Wie schon oftmals zuvor entwickelte sich das Match in dieser Gruppe zu einem Zweikampf der Zweigeltgiganten aus dem Weinbaugebiet Carnuntum und Österreichs größter Weinbaugemeinde Gols. Das Weingut Franz und Christine Netzl aus Göttlesbrunn holte mit dem Zweigelt »Haidacker« den Sortensieg nach Carnuntum. Dorthin ging auch der zweite Platz: Die Familie Gottschuly-Grassl aus Höflein punktete mit ihrem Zweigelt »Hoher Weg«. Über Platz drei freute sich Georg Preisinger aus Gols, der mit seinem Zweigelt »sixty-eight« bei der Jury Eindruck machte.

Im Rahmen der Gala in der Wiener Hofburg wurden auch die Urkunden für die drei Gewinner des Zweigelt-Jungwein-Grand-Prix übergeben. In dieser Kategorie für den Zweigelt 2010 war das Weingut Zantho aus Andau der Sieger, Platz zwei holte sich Erich Scheiblhofer für seinen Zweigelt »Prädium« 2010, den dritten Rang sicherte sich Franz ­Taferner aus Göttlesbrunn mit seinem »Rubin ­Carnuntum«.

Cabernet Sauvignon, Merlot, Syrah und St. Laurent
Der reinsortig ausgebaute Cabernet Sauvignon aus dem Jahrgang 2009 ist durchaus eine Empfehlung wert. Am besten wendet man sich in dieser Angelegenheit an einen der 65 Teilnehmer, die sich um den Sortensieg bewarben. 26 Weine wurden mit 90 Punkten oder mehr bewertet, zehn schafften es in das entscheidende Finale der Blindverkostung. Der Sieg ging an Andi Kollwentz aus Großhöflein, Platz zwei an Franz Taferner aus Göttlesbrunn in Carnuntum für seinen Cabernet Sauvignon »Tribun«, und den dritten Rang holte sich das Weingut Juliana Wieder aus Neckenmarkt im Mittelburgenland.

Andi Kollwentz aus Großhöflein im Burgenland gewann mit seinem Blaufränkisch »Point« 2008 bei den reiferen Weinen / Foto: © Moritz Schell
Andi Kollwentz aus Großhöflein im Burgenland gewann mit seinem Blaufränkisch »Point« 2008 bei den reiferen Weinen / Foto: © Moritz Schell

Noch erfolgreicher war das Abschneiden des Weinguts Wieder in der Sortenkategorie Merlot. Dort setzte es sich gleich gegen 99 Bewerber durch. Den zweiten Platz erreichte die Familie Gottschuly-Grassl aus Höflein für ihren stoffigen »Rotundo«, der dritten Rang ging an den Klosterkeller der Barmherzigen Brüder in Eisenstadt.

Mit 38 Weinen noch vergleichsweise unterrepräsentiert war die Sorte Syrah, was daran liegt, dass sie oft lieber in einer Cuvée verarbeitet wird als reinsortig gefüllt zu werden. Gerade im Jahrgang 2009 entstanden aber exzellente Vertreter. Die drei Stockerlplätze gingen diesmal alle nach Carnuntum: Platz eins an Franz und Christine Netzl aus Göttlesbrunn für ihren Syrah »Schüttenberg«, der zweite Rang an das Weingut Artner in Höflein und der dritte Platz an Johannes Trapl aus Stixneusiedl für seinen Syrah »Kirchberg«.

Ein respektables Starterfeld gab es in der Gruppe der Pinots Noirs. 97 Blauburgunder wurden eingereicht. Der erste Platz ging in die Thermenregion, das Weingut Schneider aus Tattendorf war mit seinem Pinot Noir Reserve erfolgreich. Platz zwei erreichte das Schloss Halbturn im Burgenland, den dritten Platz sicherte sich Gerhard Markowitsch aus Göttlesbrunn für seinen Pinot Noir Reserve. 

St. Laurent als Gewinner
Ein besonders eindrucksvolles Qualitätsniveau konnte bei der Gruppe der St. Laurents festgestellt werden. Der St. Laurent zählt sicher zu den Gewinnern im Jahrgang 2009, ihm haben die Verhältnisse besonders entsprochen. Der Sieg ging an einen Produzenten, der sich bereits seit Jahren mit viel Liebe dieser Sorte widmet: Gerhard Pittnauer aus Gols. Er gewann mit seinem St. Laurent aus der Lage Rosenberg. Der zweite Platz ging ins Kamptal, und zwar an Michi Moosbrugger vom Schloss Gobelsburg – ein Betrieb, der für Riesling und Veltliner legendär ist, aber auch bei den Rotweinen stets ein gewichtiges Wörtchen mitzu­reden versteht. Diesmal brachte der St. Laurent »Haidegrund« den zweiten Rang. Platz drei ging an das Weingut Heinrich Hartl III aus Oberwaltersdorf für den Pinot Noir Reserve.
Die Reserve-Trophy für die gereiften Weine steht unter der Patronanz der Vienna Insurance Group. Hier gewann Andi Kollwentz mit dem Blaufränkisch »Point« 2008 vor Albert Gesellmann mit »G« 2007 und Blaufränkisch »Tannenberg« von Hans und Anita Nittnaus aus Gols.

 

INFO

Weingut Gesellmann

Langegasse 65, 7301 Deutschkreutz
T: +43/(0)2613/803 60-0
F: DW 15
www.gesellmann.at

Weingut J. Heinrich
Karrnergasse 59, 7301 Deutschkreutz
T: +43/(0)2613/896 15
F: DW 4
www.weingut-heinrich.at

Weingut HST – Hannes Steurer
Bahnstraße 28, 7093 Jois
T: +43/(0)664/551 17 80
F: +43/(0)2160/83 33
www.weingut-steurer.at



Impressionen von der VIG & Falstaff Rotweingala 2011 sowie eine Siegerliste finden Sie hier.

Hier können Sie den Falstaff Rotweinguide 2012 bestellen


Aus Falstaff Nr. 1/2012

Text von Peter Moser  
Fotos von Moritz Schell

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