Peter Hämmerle
Peter Hämmerle © Ingo Pertramer

Von der Aufgeregtheit über ein kommendes grünes Küchenzeitalter, wie es die Hersteller noch vor zwei Jahren lautstark verkündet hatten, war diesmal auf der Mailänder Gerätemesse FTK wenig zu spüren. Wohl aber von realistischer Umsetzung ökologisch sinnvoller Produkte, weit weg vom bloßen Marketingauftritt und von utopischen Modellen ohne Rechtfertigung im Alltag. Substanzielle Problemlösungen, nicht selten 
in unspektakulären Details, die kaum zutage treten, sich jedoch in Summe als entscheidender Fortschritt erweisen. Ein Beispiel dafür ist ein Bosch-Patent, das 
in Geschirrspülern zum Einsatz kommt. Sogenannte Zeolitekügelchen in einem seitlichen Reservoir absorbieren nach den Spülgängen die Feuchtigkeit und wandeln die darin enthaltene Energie in trockene Wärme um. Das macht ein solches Gerät nochmals zehn Prozent effizienter, als es ein A+++* ohnehin schon ist, es verbessert und verkürzt die Trockenphase und vermeidet insbesondere Schlierenbildung auf Gläsern.

Absaugen, wo der Dampf entsteht
Auch in einem anderen Bereich, der aus ökologischer Sicht bisher nicht ausreichend im Fokus der Hersteller stand, tut sich einiges: Dunstabzüge gibt es sowohl als Umluft als auch als Abluftgeräte. Gerade Ablufthauben befördern in der kalten Jahreszeit kubikmeterweise warme Raumluft ins Freie und erzeugen dabei nicht nur unnötige Kosten. Für ein Niedrigenergiehaus sind derlei Geräte schlicht tabu. In der neuesten Generation werden die Geräte effizienter, indem sie dort absaugen, wo der Dunst entsteht (und indem sie wie im Fall der Miele DA 2905 mit dem Kochfeld

Im Dunstkreis: Gutmann Futura / Foto beigestellt
Im Dunstkreis: Gutmann Futura / Foto beigestellt

korrespondieren und sich entsprechend selbst regulieren). Auch wurden neue Filter entwickelt, aus Keramik etwa, die die teuren und für einen viel zu kurzen Lebenszyklus entworfenen bisherigen Filter in Umluftgebläsen ersetzen sollen.

Auch stilistisch hat sich die Welt der Dunstabzüge erheblich verändert. Eine Gutmann Futura (rechts) ist während des Kochvorgangs unmittelbar hinter der Kochmulde hochfahrbar und kann anschließend automatisch wieder komplett versenkt werden. Das ist nicht nur eine kleine technische Augenweide, sondern auch effizient, weil der Luftzug die Dämpfe bereits sehr früh erfasst. Noch konsequenter erledigen dies nur Absaugschlitze unmittelbar neben der Kochmulde, wie Gaggenau sie anbietet. Oder, in der aufwendigsten Ausführung, Gutmanns Mesa, die gleich auf drei Seiten der Mulde absaugt und die Schlitze nach dem Kochen wieder zuklappt.

In der Schwebe: Elica / Foto beigestellt
In der Schwebe: Elica / Foto beigestellt

Überhaupt sind Abzugshauben der neuesten Serie oft gar keine Hauben mehr, es sind gelegentlich an dünnen Seilen schwebende Objekte, wie insbesondere Elica (links) – die italienische Mutter des deutschen Herstellers Gutmann – sie anbietet. Man könnte sie für Leuchten oder schlicht für Kunst halten, wie zufällig über der Kochmulde angebracht. Solche Geräte arbeiten mit Umluft – inzwischen sorgen Katalysatoren dafür, dass die nach Angebranntem riechenden Moleküle darin gebunden werden.

Beim Kochen den Kopf frei haben

Hoch hinaus: Miele DA 2905 / Foto beigestellt
Hoch hinaus: Miele DA 2905 / Foto beigestellt


Aus architektonischer Sicht interessant sind die neuen Deckengebläse, die nicht nur mehr Kopffreiheit über dem Herd gewähren, sondern auch für eine lichtere Optik sorgen. Denn nicht selten erinnern Abzugshauben an von der Decke hängende Edelstahlboxen, die die Räume dort teilen, wo man es aus ästhetischen Gründen eigentlich vermeiden wollte. Verfahren wie die Randabsaugung ermöglichen es, ein Gebläse in die Decke einzubauen und über eine Fernsteuerung zu bedienen (etwa bei der Miele DA 2905, rechts, oder Gutmann Campo II).

Praktische Bedienung
Auffallend auf der Messe übrigens auch die vielen Gasmulden mit sehr flachen Brennern sowie die mannigfachen Angebote an Vollflächeninduktionsfeldern, mit denen nun Siemens, Miele und andere diesem Trend folgen. Michael Pempert vom Miele-PR-Office dazu: »Über unserem TFT-Bedienfeld haben wir als Besonderheit eine Metallleiste angebracht, die verhindern soll, dass jemand beim Verschieben der Töpfe unabsichtlich die Einstellung verändert.« Doch der Zug fährt nicht nur in Richtung Moderne. Speziell für jene, denen Induktion noch nicht geheuer ist, hat Miele die konventionelle, aber schnelle Extra-Speed-Mulde entwickelt.

 

Bestechende Kante: Gaggenau / Foto beigestellt
Bestechende Kante: Gaggenau / Foto beigestellt

 

Innovative Arbeitsfläche
Aus Frankreich wiederum stammt ein komplett anderer, aber sehr gelungener Ansatz: Dort hat der betont traditionelle Hersteller La Cornue die »W Collection 03« entwickelt und präsentiert damit einen der erfrischendsten Würfe seit Langem: ein Induktionstisch, ein Backofen und ein Küchenschrank auf Beinen wie zu Großmutters Zeiten, nur eben sehr reduziert und am Puls der Zeit.
Das ist auch das Stichwort für die aufregende Neuauflage der Vario-Kochgeräte-Serie 400 von Gaggenau (oben). Diese einzelnen Kochfelder, die man individuell aneinanderreihen kann, sind in neuer Form schlichtweg bestechend. Die Geräteplatte ist nun ein vier Millimeter starkes planes Edelstahlteil, das unwahrscheinlich sauber gearbeitet ist. Die Aufbauten wie Brenner oder Roste wurden stilistisch überarbeitet. Sven Schnee, Leiter von Gaggenau International, gerät angesichts dieser Modelle regelrecht ins Schwärmen: »Diese Kante muss man einfach zeigen.« Für ihn wäre es schade, die Geräte flächenbündig einzubauen. Dafür wären sie zwar ausgelegt, aber dann verschwände auch diese laserbearbeitete Kante in schierer Bedeutungslosigkeit.

Weitere Informationen finden Sie auf:
www.bosch-home.de
www.elica.com
www.gaggenau.com
www.gutmann-exclusiv.de
www.lacornue.com
www.miele.de
www.siemens-home.de

von Peter Hämmerle
aus Falstaff Deutschland Nr. 04/2012

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